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https://www.baunetz.de/meldungen/Meldungen_Eroeffnung_des_Architekturmuseums_von_Sverre_Fehn_und_der_Oper_von_Snohetta_in_Oslo_192860.html

17.03.2008

Kultur für Öl

Eröffnung des Architekturmuseums von Sverre Fehn und der Oper von Snøhetta in Oslo


Regierungen der Länder, deren Wohlstand im wesentlichen auf Öleinnahmen basiert, scheinen irgendwann von dem Gefühl befallen zu werden, es müsse davon auch etwas in die Schaffung kultureller Einrichtungen fließen.
So wie es derzeit in den arabischen Ölländern einen deutlich wahrnehmbaren Boom repräsentativer Kulturneubauten (vor allem der Umbau Abu Dhabis, siehe auch BauNetz-Meldung vom 1.2.2007) gibt, so fließen auch Teile norwegischer Ölmilliarden ins kulturelle Prestige: In der letzten Woche eröffneten gleich zwei spektakuläre Neubauten. Im Gegensatz zu den Vereinigten Arabischen Emiraten wurden in Oslo allerdings beide Gebäude von norwegischen Architekturbüros entworfen.

Die direkt in Oslo ansässigen Architekten von Snøhetta haben sich mit dem Entwerfen spektakulärer, riesiger Solitäre bereits einen gewissen Ruf erarbeitet. Aktuellstes Beispiel ist ihr Hotelprojekt in – na? – den VAE (siehe auch BauNetz-Meldung vom 7. Februar 2007). Am 6. März 2008 konnten sie in Oslo die Eröffnung ihres neuen, 500 Millionen Euro teuren Opernhauses feiern (siehe auch BauNetz-Meldung vom 23. Juni 2000).

Schon das Baugrundstück auf einer in den Fjord hinaus geschobenen Halbinsel schrie geradezu nach einer überwältigenden Geste. Snøhetta sind diesem Ruf gefolgt und haben eine begehbare Bauskulptur entworfen, deren 20.000 Quadratmeter große Dachfläche mit 10-20 Zentimeter dicken Platten aus italienischem Carrara-Marmor bekleidet ist. Außen formt das Gebäude damit eine Serie von öffentlichen Plätzen am Wasser, deren Zuschnitt sicher nicht ganz unabsichtlich an einen Eisberg denken läßt. Im Innern ist das Foyer noch von gläserner Offenheit bestimmt, der grandiose Ausblick wird von dunklem Holz und schrägen Stützen gerahmt. In Zusammenarbeit mit dem Künstler Olafur Eliasson (erprobt aus dem Entwurf des Serpentine Pavillons in London, siehe auch BauNetz-Meldung vom 28.8.2007) wurden die frei in den Raum gestellten Sanitärtrakte gestaltet.
Der Opernsaal wurde nach skandinavischem Demokratieverständnis ohne Logen ausgeführt, in Form, Größe und Struktur folgt er ansonsten dem Vorbild der Dresdner Semperoper. Die fließenden Bewegungen der Holzverkleidungen wurden tatsächlich mit Hilfe einer norwegischen Bootsbaufirma realisiert.

Demgegenüber besticht die neue Heimat des Nationalen Norwegischen Architekturmuseums ebenso durch Qualität, aber weniger durch schiere Größe. Pritzker-Preisträger Sverre Fehn hat dafür vor allem ein ehemaliges Bankgebäude am „Bankplassen 3“ umgebaut – dazu erhält das Museum als sichtbares Zeichen einen Anbau, der in seinem geschlossenen Erscheinungsbild am Ehesten einem gut gesicherten Tresor gleicht. Auf der Hand lag es, das Museum am 7. März gleich mit einer großen Retrospektive des Lebenswerks des mittlerweile 84-jährigen Fehn zu eröffnen.


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