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Klingelhöfer-Dreieck

Der 5. Botschaftsspaziergang
Ein kurzer Weg zu klugen Konzepten


Auf weniger als 1000 Metern sind hier einige der klügsten Ideen bezüglich aktueller Botschaftsarchitektur in Berlin versammelt. Planen Sie ruhig etwas mehr Zeit ein: Direkt gegenüber der spanischen Botschaft liegt am Neuen See einer der nettesten Biergärten von Berlin.
Gestärkt können Sie dann mit der spanischen Botschaft beginnen. Sie bildet den Auftakt zu einer Reihe von Architekturen aus der Zeit des NS-Regimes am südlichen Tiergartenrand, von denen die spanische Repräsentanz in diesem, die japanische und italienische im nächsten Spaziergang vorgestellt werden. Alle Gebäude wurden in den letzten Jahren umgebaut, ergänzt oder restauriert.
Hier also die spanische Entscheidung:
Diagonal über der Eingangsfassade verläuft eine gut sichtbare Fuge. Sie trennt Alt von Neu: Linker Hand sehen Sie den Teil der Fassade, der als freistehende Wand während des Umbaus von 1998 bis 2002 stehen blieb. Mit neuen Fenstern versehen und natürlich gut restauriert, sind alle Merkmale des damaligen Fassadenaufbaus erhalten geblieben: gestaffelte Höhen, stilisierte Brüstungskonsolen und stark hervortretende Fenstereinfassungen. Rechts liegt der völlig neugestaltete Flügel, der zwar die architektonischen Elemente des Altbaus aufgreift, aber auch großflächige Öffnungen für den verglasten Fahrstuhl besitzt. Aus alt macht neu, oder eben von allem ein bisschen.
An der Thomas-Dehler-Straße entlang wandernd, können Sie einen Blick in die damalige Neuinterpretation von Stadtvillen zur IBA von 1987 werfen, aber das Kupfergrün der nordischen Botschaften leuchtet schon von weitem und weist Ihnen den richtigen Weg.
Fünf unabhängige Staaten – durch ihre geografische Lage verbunden – haben hier gemeinsam eine kluge Idee in die Tat umgesetzt. Sie bauten eine Wand um das dreieckige Grundstück und verteilten im Inneren je nach Landesgröße die Flächen möglichst gerecht. Die Vorteile liegen auf der Hand: gemeinsame technische Anlagen und Räumlichkeiten mit den daraus folgenden geringeren Kosten für Bau und Unterhaltung. Außerdem ist das gesamte Objekt wesentlich besser zu schützen, schließlich hat es bereits eine Wand rundherum. Und als letzter Aspekt darf nicht das öffentlichkeitswirksame Auftreten unterschlagen werden, keine der Botschaften hätte, für sich genommen, so viel Aufmerksamkeit erregt wie alle zusammen. Umkreisen Sie die Anlage ruhig einmal, hier und da lassen sich Einblicke oder Durchblicke erhaschen. Zum Beispiel sind bei günstigen Lichtverhältnissen die Umrisse der schwedische Treppe im Atrium oder der isländische Innenhof gut zu erkennen. Die Kupferlamellen haben übrigens eine fixierte Stellung, sie können nicht nach Sonnenstand oder Vorlieben der Benutzer verstellt werden.
Am Eingang angekommen, liegt der leider immer völlig verlassenen Platz zwischen den Botschaften vor Ihnen. Durch die Glasabsperrung sind alle einzelnen Botschaften mit ihren herausragenden Elementen gut zu sehen: Die Dänen geben ihrem Haus ein stählernes Aussehen mit Lochblechen, die Vertretung von Island ist klein und mit wärmeren Farbtönen in der Ecke zu erahnen und Norwegens Botschaft trumpft mit dem riesigen, extra importierten Granitblock auf. Ebenfalls gut zu erkennen ist der Anfang der schwedischen Mauer, die neben dem Eingang aus dem Boden wächst, und natürlich die finnische Fassade mit dem so schön angegrautem Lärchenholz.
Einmal um die eigene Achse gedreht, stehen sie vor der gängigen Alternative zur nordischen Modernität: Die syrische Botschaft hat einen Altbau von 1912 restauriert. Wenn Sie alles Umgebende ausblenden, kann dieses Haus Ihnen den Eindruck des Tiergartenviertels vor 70 Jahren vermitteln.
Gleich um die Ecke an der Klingelhöferstraße finden Sie auf engstem Raum drei weitere Botschaftsbauten. Alles überragend im Auftritt ist die mexikanische Botschaft mit ihrer überaus ambitionierten Fassadengestaltung. Um die gewünschte modulierte Oberfläche der herabstürzenden Betonstützen entstehen zu lassen, wurden polnische Arbeiter mit Schlagbohrern verpflichtet. Sie haben den heute so überwältigenden Eindruck durch Handarbeit erzeugt. Ein kurze Pause kann hier nicht schaden, vielleicht versinken Sie in Gedanken über monumentale Architektur oder - genießen einfach den Anblick.
Die Vertretungen von Malaysia und Luxemburg komplettieren den Spaziergang bis zum Landwehrkanal. Vielleicht können Sie in den meist grabesstillen Park im Inneren des Blocks gelangen, dann zeigt sich die Architektur zu allen Seiten mit ihrer leider so oft anzutreffenden Beliebigkeit noch deutlicher. Trotz der großen Unterschiede bleiben viele der neuen Berliner Bauten grundsätzlich austauschbar. Aber lassen Sie sich nicht täuschen: Gerade am südlichen Tiergartenrand befinden sich noch architektonische Schätze, die es nur zu entdecken gilt.

Botschaften dieses Spazierganges


Königreich Spanien

Lichtensteinallee 1, 10787 Berlin

Königreich Norwegen

Rauchstraße 1, 10787 Berlin

Republik Island

Rauchstraße 1, 10787 Berlin

Königreich Dänemark

Rauchstraße 1, 10787 Berlin

Arabische Republik Syrien

Rauchstraße 25, 10787 Berlin

Malaysia

Klingelhöferstraße 6, 10785 Berlin

Königreich Schweden

Rauchstraße 1, 10787 Berlin

Republik Finnland

Rauchstr. 1, 10787 Berlin

Nordische Länder, Gemeinschaftshaus

Rauchstr. 1, 10787 Berlin

Vereinigte Mexikanische Staaten

Klingelhöferstr. 3, 10785 Berlin

Großherzogtum Luxemburg, Königreich Bahrain, Republik Malta, Fürstentum Monaco

Klingelhöferstr. 7, 10785 Berlin
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