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Around and around

Der 6. Botschaftsspaziergang
erfordert einen fahrbaren Untersatz


Anfangspunkt: Perleberger Straße
Endpunkt: Treptower Park
Länge: ca. 30 Kilometer

Einige interessante Botschaften liegen außerhalb der Zentren von Berlin. Einzeln verstreut, aufgrund vorhandener Grundstücke, aus Leidenschaft des Botschafters für eine Immobilie oder vielleicht auch, um etwas Abstand zum diplomatischen Geschehen zu wahren. Diese Rundfahrt sammelt also Reste ein. Am besten an einem Sonntag Morgen mit dem Auto und immer am Rand entlang: So können Sie fünf der sonst eher abseits gelegenen und wenig bekannten Gebäude zu großen - inoffiziellen - internationalen Bauausstellung hinzufügen.

Die usbekische Botschaft in Moabit eröffnet die Reise. Die alte Offiziersmesse aus Backstein liegt an der Perleberger Straße, eine nicht gerade für ihre edle Atmosphäre berühmte Verkehrsachse zwischen Wedding und Tiergarten. In einem Viertel, dass immer zur Stadterweiterung für ungeliebte Nutzungen herhalten musste, haben sich Gefängnisse, militärische Anlagen oder auch Armenhäuser angesiedelt. Die Botschaft setzt sich selbstbewusst mitten hinein, baut einen traditionell usbekischen Holzpavillon in den Garten und behauptet sich mühelos gegen ihr Umfeld. Die überaus ruhespendende Gartengestaltung vervollständigt den Eindruck des auf fremdem Terrain gelandeten Besuchers.

Einmal auf dem Stadtring 10 Minuten Richtung Südwesten gefahren, gelangen Sie zu der tunesischen Vertretung im Berliner Viertel Westend. Mitten im Grünen und als hochherrschaftliche Villa strahlend weiß durch alle Bäume zu erkennen, hat dieses Haus eigentlich nur einen Makel: Der neue sechseckige Anbau zur Rüsternallee. Wie eine derartig fragwürdige Bauausführung genehmigt werden konnte, noch dazu in Anbetracht ihres zerstörerischen Einflusses auf die Architektur des Hauses - eine über England nach Berlin eingereiste palladianische Villenarchitektur - muss ein Rätsel bleiben.

Die nächste Botschaft hat sich direkt am Ludwigkirchplatz im 4. Obergeschoss eines zum Ende der Weimarer Repubik entstandenen Wohnungsbaus eingemietet. Wieder mit Backsteinen als vorherrschendes Material steht diese Anlage aber im starken Kontrast zu dem usbekischen Speisesaal: Mit einigen sehr liebvollen Details und viel Sinn für die sozialen Bedürfnisse seiner Bewohner, besticht der Bau durch seine eindeutige Aussage zu Großformen im Wohnungsbau. Es sei angeraten, hier das Auto etwas länger zu parken und dann den Block zu umrunden: Es gibt nicht nur wunderbare Cafés in der Pariser Straße, die Ecke zum Ludwigkirchplatz mit den verzahnten Backsteinläufern ist ebenso eindrucksvoll, wie die "runde Ecke" der Anlage an der Düsseldorfer Straße. Die Gebäudeflucht gerät so richtig in Fahrt und ist dann kaum mehr aufzuhalten.

Am südlichen Rand des Charlottenburger Zentrums entlang gelangen Sie nach weiteren 15 Minuten (nur an Sonntagen) zur Repräsentanz des Vatikanstaates in Berlin.
Die apostolische Nuntiatur können Sie getrost als Kontrastprogramm goutieren. Sie steht direkt neben einer rund 100 Jahre alten Basilika mit romanischen, gotischen und sogar einige klassizistischen Merkmalen. So ist hier ein ungedämpfter Dialog zwischen den Zeiten und Stilen zu beobachten: Beide Architekturen beziehen sich ebenso aufeinander, wie auf sich selbst. So schaut der Petrus über dem Portal des Querschiffes genau in das Haus seiner Nachfolger im Amt und ein Blick zurück aus dem Versammlungssaal der Nuntiatur auf das Portal füllt neuen Raum mit altem Schmuck. Ein architektonischer Dualismus der reizvollsten Art.
Von Neukölln ist es nur noch ein kleiner Katzensprung nach Treptow, wo die Stadtrundfahrt ihr Ende findet.

Die Republik Belarus liegt als letztes Gebäude auf ihrer Runde. Es steht vis-a-vis zum Eingang des sowjetischen Ehrenmals Berlin-Treptow mit der Widmung: „1945 ewiger Ruhm den Helden, die für die Freiheit und Unabhängigkeit der sozialistischen Heimat gefallen sind."
Das zunächst eher unscheinbare Haus entpuppt sich nach einiger Zeit als Kleinod: Hier können Sie den Willen eines Bauherren als Baukastenprinzip entdecken. Als Haus auf dem Haus entspricht die Höhe des Gebäudes dem gesellschaftlichen Einfluss des Bauherren. Als der Gärtnereibesitzer aus Treptow Amtsvorsteher wurde, bekam der alte Putzbau eine ganze Etage samt Dach als Backsteinaufsatz mit kunstvollem Dachstuhl, natürlich gut sichtbar außenliegend.

Der sonntägliche Ausflug zu diesen außergewöhnlichen fünf Botschaften ist nur eine kurze Reise. Denn was sind schon zwei Stunden bei einer Strecke von Nordafrika, über den Besuch beim neuen Papst bis Weißrussland als verwirrendem Schluss?

Botschaften dieses Spazierganges


Republik Usbekistan

Perleberger Straße 62, 10559 Berlin

Tunesische Republik

Lindenallee 16, 14050 Berlin

Slowakische Republik

Pariser Straße 44, 10707 Berlin

Apostolische Nuntiatur

Lilienthalstr. 3a, 10965 Berlin

Republik Belarus

Am Treptower Park 32, 12435 Berlin
22202261