Werkstattflair fürs KIT
Universitätsbau in Karlsruhe von Birk Heilmeyer und Frenzel
Das Karlsruher Institut für Technologie KIT hat einen Neubau für seine Mechatronik-Studierenden bekommen. An der südlichen Kante des Campus, wo dieser auf die Blockrandbebauung des sogenannten Dörfle, der Karlsruher Altstadt trifft, platzierten Birk Heilmeyer und Frenzel Architekten (Stuttgart) einen Bau mit industriellem Charakter.
Seine „formale Strenge“ helfe dem Neubau, sich in diesem Umfeld zu behaupten, so die Architekt*innen. Das Lern- und Anwendungszentrum LAZ sitzt zwischen dem markant grünlichen KIT-Hochhaus und dem Carl-Benz-Hörsaalgebäude. Zu beiden Nachbarn hält der fünfgeschossige Hauptbaukörper leichten Abstand. Ein flacher Werkstatttrakt legt sich allerdings vor den zurückgesetzten Hörsaalbau im Westen, während auf der anderen Seite ein Verbindungsgang an den Neungeschosser andockt.
Das erinnert zumindest strukturell leicht an den Vorgängerbau, der für das Projekt abgerissen wurde. Der Nusselt-Hörsaal hockte an dieser Stelle wie ein kleines kantiges Ufo auf Stelzen. Diese Assoziation ließ nicht zuletzt die Betonfassade des 1960 errichteten Bauwerks zu. Sie war mit einem Relief aus unterschiedlich tiefen linearen Kerben versehen, die an eine maschinell anmutende Schriftsprache denken lassen. Vor dem Hörsaal verlief, ebenfalls auf Stelzen, ein gläserner Brückengang, der ihn mit den beiden Nachbargebäuden verband.
Der 2021 erfolgte Abriss war Teil des Planungsauftrags, der aus einem Wettbewerb von 2018 hervorging. Eine Sanierung des Nusselt-Hörsaals, der bereits seit 2009 leerstand, sei nicht wirtschaftlich machbar gewesen, schreibt das Baden-Württembergische Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst.
Formal unterscheidet sich der Neubau deutlich von seinem Vorgänger. Die glatte Betonfassade aus vorgehängten, kerngedämmten Fertigteilen rahmt große liegende Öffnungen, sodass sich vor allem an der Straßenfront die Skelettstruktur abzeichnet. Gewissermaßen lässt sich die äußere Erscheinung als gestalterischer Mittelweg zwischen dem Carl-Benz-Bau mit seiner Betonstruktur in der Fassade und dem Hochhaus, das komplett flächig eingehüllt ist, lesen.
Erschlossen wird das LAZ über die Bestandsbauten oder über Zugänge in den Fugen zwischen Alt und Neu. Innen artikuliert sich der industrielle Charakter vor allem durch die sichtbaren Rippen der vorgespannten TT-Deckenplatten. Bodentiefe Fenster, Absturzsicherungen aus Metallnetzen, helle Vorhänge und Eichenparkett geben den Obergeschossen aber auch einen Touch zeitgenössischer Bürowelten.
Eine mittige Funktionsspange gliedert die Grundrisse in zwei Hälften. Im Erdgeschoss füllen diese ein Hörsaal und ein multifunktionaler Bereich mit Sitztreppen aus. Von dort bekommt man auch Einblick in die zweigeschossige, als Tiefparterre angelegte Werkstatt samt Galerie. Birk Heilmeyer und Frenzel schreiben, die Studierenden aus Maschinenbau, Elektrotechnik und Informationstechnik durchlaufen im LAZ den „vollständigen Produktentwicklungsprozess: entwerfen, konstruieren, fertigen, erproben.“ Dieses Prinzip präge auch das Lehr- und Lernkonzept des Gebäudes. (mh)
- Fertigstellung:
- 2025
- Architektur:
- Birk Heilmeyer und Frenzel Architekten
- Team Architektur:
- Felix Fritz, Julian Hettich, Mykola Holoviznin, Lukas Bessai
- Statik:
- MVD Plan, Sindelfingen
- Landschaftsarchitektur:
- Agance Ter
- Bauherrschaft:
- Vermögen und Bau Baden-Württemberg
- Fläche:
- 22.940 m² Bruttogrundfläche
2019 realisierten Birk Heilmeyer und Frenzel in Karlsruhe einen Bürobau für Unternehmen der Kreativbranche, der auf einer flexibel adaptierbaren Struktur mit Rohbau-Charakter basiert.

















