Holzleichtbau überm Schutzbunker
Kita von Birk Heilmeyer und Frenzel Architekten in Stuttgart
Im Stuttgarter Osten, nahe der Villa Berg und dem gleichnamigen Kulturpark, wurden während des Zweiten Weltkriegs zwei Tiefbunker errichtet, die noch heute Bestand haben. Ende letzten Jahres realisierten Birk Heilmeyer und Frenzel Architekten oberhalb eines Schutzbunkers eine Kindertagesstätte in Holzbauweise. Der Neubau ersetzt einen katholischen Kindergarten, der zuletzt als Flüchtlingsunterkunft gedient hatte, bis 2017 die Bauarbeiten für das neue Projekt begannen. Eine Sanierung und Umgestaltung wären teurer gewesen, und so entschied sich die Stadt als Auftraggeberin für einen Neubau. Platz haben hier nun 55 Kinder.
Bei der Planung gab es einige unumgängliche Parameter zu beachten, die konstruktiv sowie städtebaulich kaum gestalterischen Freiraum gelassen hätten, schreiben die Architekt*innen. So folgt die Gebäudetiefe von zwölf Metern der Ortsbausatzung, Position und Ausrichtung ergeben sich aus der Baulinie, und der Leichtbau aus Holz ist der darunterliegenden Bunkeranlage geschuldet.
Der Haupteingang befindet sich auf der Nordseite des Gebäudes und führt in das von Nord nach Süd durchgesteckte Foyer. Von hier gelangt man in einen Mehrzweckraum oder über den Flur in die Gruppenbereiche im Süden. Im oberen Geschoss erhält der langgestreckte Flur natürliches Licht von oben, den hier befindlichen Aufenthaltsräumen ist jeweils eine Loggia zugeordnet. Über zwei Außentreppen an den kurzen Seiten des Gebäudes gelangt man auf direktem Weg in den Garten.
Die rote Farbe der Holzschalung soll einen Kontrast zum Park bilden und nimmt zudem Bezug auf die roten Fensterläden der benachbarten Raitelsbergsiedlung. Die Siedlung wurde zwischen 1926 und 1928 – etwa zur gleichen Zeit wie die Weißenhofsiedlung – von der Stadt in Auftrag gegeben und nach den Plänen des Architekten Alfred Daiber gebaut. Auf dem dreieckigen Gelände entstanden rund 800 Wohnungen in dreieinhalbgeschossigen Häuserzeilen, die das Neue Bauen der 20er Jahre repräsentieren und als wichtiges Kulturdenkmal der Landeshauptstadt gelten.
Der BDA Baden-Württemberg prämierte die Kita im Park schon kurz nach Fertigstellung mit dem Hugo-Häring-Preis 2020, mit dem auch das Rathaus Remchingen, die Bibliothek von Steimle Architekten, ein Wohnhaus von Yonder, das Projekt der 16 Pavillons im Remstal und neben vielen anderen der Hotelneubau in Ludwigsburg ausgezeichnet wurden. Vor allem die Einfachheit, die klare Form, Organisation und Konstruktion sowie die Reduktion auf wenige Materialien konnten die Jury überzeugen. Das Projekt sei „bis ins Detail durchdacht“ und „konsequent einfach, aber niemals simpel“, so das Urteil. (tp)
Fotos: Zooey Braun
ein sehr feines, unaufgeregtes gebäude, mit sehr passenden materialien und farben; und da ich aus eigener erfahrung weiß, wie schwierig es ist solche farben -und dazu noch einen unifarbenen linobelag- zu realisieren...verdopple ich mein kompliment!
obwohl das haus in seinen einzelteilen alles andere als wirklich neuartig ist, ist doch das ganze hier soviel mehr als die summe seiner teile. das macht es meisterlich. spannend, dass der bau gleich auf zwei arten der NS-vergangenheit ein schippchen schlagen muss. nicht nur, dass der bunker darunter ledigleich einen holzbau zulässt (das spricht irgendwie nicht gerade für seine qualitäten als schutzraum). nein, auch hat es hier offenbar nicht geschadet, dass die ortsbausatzung von 1935, in ihrer beinharten totalitarität seit bald fast 100 jahren unverändert, wie ein bleiernes tuch über dem bauen in stuttgart liegt. sie presst für gewöhnlich jedes bauvolumen in uniformierte, kleingeistige schemata ("baustaffeln"), ist dabei weder vereinbar mit der landesbauordnung, noch mit der vorhandenen bebauung und schon gar nicht mit dem gesunden menschenverstand - als gäbe es heutzutage nicht schon genug regularien, die das bauen zum kamikaze-akt werden lassen. man sollte sie unverzüglich auf den schrottplatz der baugeschichte oder in irgendein dokumentationszentrum der sünden des 20. jahrhunderts verbannen.