Hochschule im Hochhausfeld
Umbau einer Krippe in Paris von nunc architectes
Dieser Umbau einer Krippe von nunc architectes (Paris/Eckbolsheim/Saint Brieuc/Bassens) im Pariser Stadtteil Beaugrenelle spielt auf den ersten Blick sämtliche Register des zeitgenössischen Bauens durch: zirkulär, biobasiert, materialbewusst bis in die Details. Das ist zunächst erwartbar und auch konsequent. Interessanter wird der Keller Pavilion allerdings im städtebaulichen und historischen Rückspiegel: als Transformation eines ehemaligen Sozialbausteins innerhalb eines Nachkriegsensembles im Westen von Paris.
Der Bau liegt als flacher Solitär im sogenannten Keller-Komplex, einer Planung aus den späten 1960er Jahren von Albert Grégoire im Auftrag des französischen Postministeriums. Die Namensgebung des Quartiers verweist auf die benachbarte Rue de l’Ingénieur Robert Keller, benannt nach dem Widerstandskämpfer und Postingenieur Robert Keller. Zum Ensemble gehörten damals das Wohnhochhaus Tour Keller, ein Schwimmbad, Büro- und Parkhausstrukturen, eine Cafeteria sowie eben die Kinderkrippe der Postangestellten.
2021 wurde die Krippe geschlossen. Die Eigentümerin La Poste Immobilier, die Immobiliengesellschaft des französischen Postdienstleisters Groupe La Poste, entschied sich anschließend gegen den naheliegenden Abriss und für eine vollständige Transformation. Der bestehende Stahlbetonskelettbau wurde freigelegt, eine Holzfassade vorgehängt, Dämmungen aus Strohballen und Holzfasern ergänzt, Innen- und Teilbereiche der Außenwände in Lehmziegeln neu aufgebaut. Einzelne Bauteile – Geländer, Ausbauten, Holzstrukturen – wurden wiederverwendet und in den neuen Aufbau integriert.
Durch die Aufstockung erreicht der Bau rund 1.840 Quadratmeter Bruttogrundfläche, organisiert über drei Geschosse, die sich um einen zentralen Funktionskern als offene, flexibel nutzbare Flächen legen. Ab September soll hier eine Hochschule einziehen. Gewissermaßen wirkt der Pavillon heute wie ein kleiner Gegenentwurf zur ursprünglichen Architektur an der Seinefront: Wo noch immer Beton, Rationalität und Megastruktur dominieren, ergänzen nun Kreislaufwirtschaft, Low-Tech-Prinzipien und natürliche Baustoffe das Bild. (gk)
- Fertigstellung:
- 2025
- Architektur, Projektleitung:
- nunc architectes
- Tragwerksplanung:
- IPC
- Bauherrschaft:
- La Poste Immobilier
- Fläche:
- 1.840 m² Bruttogrundfläche
- Baukosten:
- 6.300.000 € netto











