Die Wellen der Samaritaine
Sanaa sanieren Kaufhaus in Paris
An dieser Adresse in der Pariser 9 rue de la Monnaie ist Konsum ein Kulturgut. Hier, zwischen Pont Neuf, Châtelet und Louvre, besteht seit 1870 das Luxuswarenhaus La Samaritaine, traditionell geöffnet an 364 Tagen im Jahr und durch Bauten repräsentiert, an deren Errichtung die großen Namen Frankreichs aus der Wende zum 20. Jahrhundert beteiligt waren: Frantz Jourdain, Gustave Eiffel, Henri Sauvage. Schrittweise wuchs das Haus bis in die 1930er Jahre zu einem Ensemble aus drei Gebäuden an, das einen gesamten Straßenblock einnimmt. Seither steht La Samaritaine mit einem reichen Dekor aus Jugendstil und Art Déco, einem glasüberkuppelten Lichthof und konstruktiven wie ornamentalen Elementen aus Stahl emblematisch für eine Architektur des Luxuswarenhauses in den Metropolen dieser Welt. 15 Jahre lang wurde der Komplex, seit 2001 im Besitz des französischen Luxusgüterkonzerns LVMH Moët Hennessy-Louis Vuitton, nach Plänen von Sanaa (Tokio) saniert und um ein zeitgenössisches Gebäude erweitert. Als Ende Juni der Neubau des japanischen Starbüros um Kazuyo Sejima und Ryue Nishizawa neben dem denkmalgeschützten Jugendstil von Jourdain und Sauvage eröffnete, war sogar Emmanuel Macron zugegen.
750 Millionen Euro soll Sanaas Sanierung und Erweiterung von La Samaritaine gekostet haben. 43.000 Quadratmeter Fläche stehen für den Verkauf von Luxusartikeln und eine gehobene Gastronomie zur Verfügung, dazu gehört auch die spektakuläre graublaue Eisentreppe Gustave Eiffels, die im Lichthof des Jourdain-Baus über eine Länge von fünf Etagen mit 16.000 Goldblättern restauriert wurde. Lagneau Architectes (Paris) zeichneten für die Bearbeitung der berühmte Treppe wie auch für die gesamte Restaurierung der denkmalgeschützten Bestandsgebäude verantwortlich.
Im Zuge der Sanierung und Erweiterung des Gebäudekomplexes mit seinen nunmehr insgesamt 65.100 Quadratmetern Nutzfläche organisierten Sanaa das Raumprogramm neu. Wo früher ausschließlich Warenhaus war, befinden sich jetzt auch insgesamt 15.000 Quadratmeter Büroflächen und ein Luxushotel mit 72 Zimmern (Preis je Übernachtung: 1.500Euro). Bemerkenswert sind die 7.100 Quadratmeter sozialer Wohnungsbau sowie eine Kinderkrippe, die François Bruegel Architectes Associés (Paris) im Rahmen der Sanierung in den Bestand hineinplanten. Samaritaine-Generaldirektor Jean Jacques Guiony erklärt hierzu gegenüber der ARD: „Das ist Gesetz. Beim Bauen muss man rund 25 Prozent der Fläche für Sozialwohnungen vorsehen. Wir hatten die Freiheit, sie nach innen zu legen in das Gebäude an der rue de Rivoli.“ Die Mieter dieser ungewöhnlich situierten Wohnungen schauen auf den begrünten und überdachten Innenhof mit der Wellnessoase des Jourdain-Trakts.
Am augenfälligsten der wiedereröffneten Samaritaine ist der Neubau von Sanaa. Mit seiner sanft gewellten Glashülle fügt er sich an der rue de Rivoli in den Rhythmus und den Maßstab des reich dekorierten Bestands ein. Die Nachbargebäude spiegeln sich in den Wellen, nur leicht bricht der Neubau durch die konsequente Verwendung von Glas und die transparente Konstruktion mit der Umgebung. Innen organisierten Sanaa – ausführendes Büro vor Ort war übrigens SRA Architectes (Paris) – die Kaufhausflächen um: Im Zentrum des Neubaus liegt ein großes Atrium mit Rolltreppen. Auch den langen Jourdain-Bau ließen sie nach innen öffnen. Beide Atrien sind zeitgenössische, gleichwohl etwas zurückhaltendere Pendants zum spektakulären Lichthof mit der Eiffel-Treppe. Eine durchgehende Passage verbindet nun die drei Höfe miteinander. Unter ihren jeweils gläsernen Kuppeln wartet eine unerschöpfliche Produkt- und Markenwelt vom Hand-Gel für drei Euro bis zum Eau de Parfum im Kristallflakon. (sj)
Fotos: David Boureau, Jared Chulski, Pierre-Olivier Deschamps, Takashi Homma, Vladimir Vasilev
Doch mir scheint es, das Prinzip Mall lässt heute Leichtigkeit einfach nicht mehr zu. Die dicken Rolltreppen und Decken machen alles schwerfällig, aber selbst das Glasdach auf dem Atrium lässt keine Leichtigkeit aufkommen. Das haben Sanaa schon wesentlich besser hinbekommen. Die Fassade ist da ein Schwacher Trost für ein sehr konventionelles Kaufhaus.
diese fassade ist wirklich ein sehr aufwändiges, teures, unterhaltsintensives element. nicht alles was man kann und machbar ist MUSS man auch machen....
Die Böhms haben es einfach drauf. Da hätten sich die Kollegen von SANAA mal eine Scheibe von abschneiden können...
Geradezu altbacken und langweilig. Mehr Eleganz wäre wünscheswert gewesen.