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https://www.baunetz.de/meldungen/Meldungen-Umbau_eines_Postgebaeudes_in_Paris_von_Dominique_Perrault_7647881.html

21.06.2021

Außen Haussmann, innen Eiffel

Umbau eines Postgebäudes in Paris von Dominique Perrault


Das Aufpolieren der Pariser Innenstadt geht weiter: Nachdem bereits 2016 der Umbau des Forum les Halles weitgehend fertiggestellt wurde, feierte man kürzlich die Eröffnung des Musée Bourse de Commerce. Auch die Neugestaltung des Kaufhauses La Samaritaine nach Plänen von SANAA sowie die Sanierung des Centre Pompidou gehören zu den zahlreichen Großprojekten, die das Zentrum der Metropole aus- und aufbessern sollen. Ein weiteres Projekt reiht sich nun in diese Vorhaben ein: Nach fast 10 Jahren Planungs- und Bauzeit konnte der Umbau der einstigen La Poste du Louvre in einen Stadtbaustein mit dichter Nutzungsmischung im letzten Jahr fertiggestellt werden. Für Entwurf und Umsetzung war Dominique Perrault Architecture (Paris) verantwortlich.

Bei der „Poste du Louvre“ handelt es sich um ein Gebäude der staatlichen Postgesellschaft, das in den Jahren 1878 bis 1888 vom Architekten Julien Guadet errichtet wurde. Seither folgten mehrfach Anpassungen und Umbauten, beispielsweise im Erdgeschoss, wo man eine Zwischenebene einzog. Auch das ursprüngliche Dachgeschoss wurde irgendwann durch ein Flachdach ersetzt. Kein Wunder also, dass sich der stattliche Block mit klassizistischer Fassade vergleichsweise unauffällig in das typische steinerne Gefüge der Pariser Innenstadt einreiht. Umso bemerkenswerter ist deshalb die innere Struktur, die eher an Gustave Eiffel denken lässt: Hinter der grauen Fassade verbergen sich hallenartige Räume unter einem imposanten Tragwerk aus Gusseisen und Stahl.

Neben dem Erhalt der denkmalgeschützten Elemente und der Freilegung der ursprünglichen Stein- und Metallstrukturen bestand die Kernidee des Entwurfs darin, den geschlossenen Block stärker ins umliegende Viertel einzubinden. Dies geschieht zum einen durch eine Nutzungsänderung – weg vom monofunktionalen Gebäude, hin zu einem stark durchmischten Nutzungskonzept. Zum anderen öffneten die Architekt*innen das Volumen, indem sie fünf Passagen anlegten. Diese sind von allen Straßenseiten aus zugänglich und münden im Mittelpunkt des Gebäudes in einen Innenhof. Auch die rigide Hülle wird im Inneren aufgelöst: Veranden, Arkaden und Galerien wechseln sich ab, belebt durch einen Materialmix aus Glas und Metall.

Das Nutzungskonzept sieht neben dem Erhalt des historischen Postamts eine ganze Reihe an neuen Funktionen vor: Geschäfte und Büros, aber auch Wohnungen sowie ein Hotel und ein Restaurant samt Panoramabar über den Dächern von Paris. Des Weiteren beherbergt die Poste du Louvre in Zukunft eine Polizeistation, eine Kindertagesstätte und im Untergeschoss ein Logistikzentrum. Das bunte Nutzungskonzept soll dazu beitragen, das Gebäude möglichst durchgehend zu beleben.

Zusammengebracht wird diese Vielfalt durch die ästhetische Qualität der Tragstruktur, die nun wieder in ihrer Gesamtheit erfahrbar ist. Die heutigen Brandschutzanforderungen ebenso wie das zusätzliche Programm machten es allerdings notwendig, in manchen Abschnitten noch ein zweites zeitgenössisches Tragwerk zu ergänzen. Der expressiven historischen Eisenarchitektur tut dies allerdings keinen Abbruch. (dsm)

Fotos: Michel Denancé


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