Maschrabiyya aus Lehmziegeln
Studierendenwohnheim von Hardel Le Bihan und Alun Be in Dakar
Die Université Cheikh Anta Diop (UCAD) in Senegals Hauptstadt Dakar zählt nicht nur zu den ältesten, sondern mit knapp 90.000 Studierenden auch zu den größten Universitäten in Westafrika. Um den wachsenden universitären Wohnraumbedarf besser abdecken zu können, sollen 16 neue Wohnheime entstehen, zehn davon direkt auf dem Campusgelände, sechs weitere im benachbarten Wohnviertel Cité Claudel.
m Resultat eines 2015 durchgeführten Wettbewerbs wurden Hardel Le Bihan (Paris) in Zusammenarbeit mit Alun Be (Dakar) mit der Planung beauftragt. Als Bauherrin tritt die Immobiliengesellschaft des senegalesischen Versicherers AMSA auf, die vom senegalesischen Staat im Rahmen einer öffentlich-privaten Partnerschaft mit der Realisierung des Vorhabens betraut wurde. Die Projektsteuerung wurde an den französischen Immobilienentwickler Redman übergeben. Aufgrund wiederholter Unruhen und Lieferunsicherheiten gestaltet sich die Umsetzung des Projekts allerdings als herausfordernd. Bisher konnten zwei Gebäude mit Platz für 750 Studierende fertiggestellt werden.
Die beiden als Riegel realisierten Häuser liegen direkt nebeneinander im Zentrum des aufgelockert bebauten und relativ grünen UCAD-Campus. Sie bestehen jeweils aus zwei viergeschossigen Gebäudeflügeln mit unterschiedlichen Längen, die einen zu beiden Seiten offenen, begrünten Innenhof flankieren. Teilweise überdacht und wettergeschützt fungiert er mit Treppen und Rampen auch als zentrale Erschließung für die Laubengänge, von denen aus die Zimmer betreten werden. Weil in jedem Zimmer acht Personen in Stockbetten unterkommen, wurde eine Raumhöhe von 3,95 Metern umgesetzt.
Bei der bioklimatischen Gestaltung der Baukörper standen drei Prinzipien im Mittelpunkt: Schutz vor solaren Wärmeeinträgen, hohe thermische Trägheit und Belüftung. Das in Stahlbeton errichtete Pfosten-Riegel-Tragwerk ist mit Lehmziegeln ausgefacht – teils massiv, teils als Wabenkonstruktion im Stil von Maschrabiyyas, die eine natürliche Belüftung ermöglicht und zugleich verschattet. Die dabei umgesetzten Muster wurden federführend von Alun Be entwickelt und greifen lokale Ornamentik auf. Produziert wurden die Ziegel in Diass, etwa anderthalb Stunden von Dakar entfernt, wo AMSA eigens für das Projekt eine Ziegelei aufkaufte.
Darüber hinaus sind die Baukörper so ausgerichtet, dass vom Meer kommende Winde zu Kühlung und Luftzirkulation beitragen. Auch die Freiraumgestaltung zielt darauf ab, den Wärmeinseleffekt zu reduzieren und direkte Versickerung von Regenwasser zu ermöglichen. Insbesondere die nach oben offenen Gärten im Erschließungshof unterstützen ein angenehmes Mikroklima im Gebäudeinneren. (da)
- Fertigstellung Gebäude 1 und 2:
- 2024
- Architektur:
- Hardel Le Bihan
- Leitung Entwurfsteam:
- Sara Impera, Clément Bertin, Davide Galli
- Lokales Partnerbüro:
- Alun Be
- Bioklimatisches Konzept:
- Elioth
- Freiraumplanung:
- Niez Studio
- Statik:
- EVP
- Bauingenieur:
- SC Afrique
- Ziegelproduktion:
- Somafac
- Technische Gebäudeausrüstung:
- Solutech
- Kostenplanung:
- Vpeas
- Projektsteuerung:
- Redman
- Bauherrschaft:
- Amsa Realty SA
- Fläche:
- 6.200 m² Bruttogrundfläche







