Resonanzraum hinter Ziegeln
Musikschule in Saint-Quentin en Yvelines bei Paris von Opus 5
Das Quartier Sept Mares in Saint-Quentin en Yvelines ist zwar erst etwas über 40 Jahre alt, zählt aber schon zu den ältesten Vierteln der südwestlich von Paris gelegenen Planstadt aus den 1970er Jahren. Einer der architektonischen Mittelpunkte von Sept Mares ist das ehemalige ökumenische Zentrum, ein Werk des 1988 verstorbenen Architekten Philippe Deslandes. Seine Entwürfe prägten nicht nur das Gesicht von Saint-Quentin, sie sind auch in zahlreichen anderen neuen Städten im Pariser Banlieu-Gürtel zu finden.
Der zwischen 1974 und 1977 errichtete, eingeschossige Sakralbau war seiner Funktion als Ort für Gottesdienste entsprechend als schlichte und schmucklose Beton-Ziegel-Konstruktion ausgeführt. Wie im Projektvideo zu sehen ist, zeigte sie sich nach außen geschlossen, um innen einen introvertierten Raum der Kontemplation zu erzeugen, der lediglich über ein Band aus Oberlichtern mit der Außenwelt in Kontakt stand. Nachdem das ökumenische Zentrum 2012 den Betrieb aufgab, hat der ikonische Bau nun eine neue Bestimmung als Musikschule gefunden. Bevor die École de musique d’Élancourt einziehen konnte, durchlief er eine Rundumsanierung nach Plänen des Pariser Büros Opus 5 Architectes.
Rund 2 Millionen Euro ließ sich die Bauherrin, die zu Saint-Quentin gehörende Kommune Élancourt, die 18-monatige Erneuerung kosten. Dabei wurde das Ziegelsteinkleid der Fassaden komplett ausgetauscht: Zuvor im klassischen Rotbraun gehalten, präsentiert es sich nun in dezenten Grau- und Anthrazittönen. Die handgeformten Steine wurden mithilfe einer mörtellosen Technik zusammengefügt, zentrale Bereiche der Fassaden – hinter denen sich die teils vergrößerten und weiter nach unten gesetzten Fesnteröffnungen befinden – sind im Stil von Maschrabiyyas angelegt, einem aus der orientalischen Architektur kommenden Holzgitterwerk. Auf diese Weise gelang es den Architekt*innen, den ursprünglichen, nach innen gerichteten Charakter des 900 Quadratmeter großen Baus zu erhalten und ihm dennoch auf subtile Weise eine zurückhaltende Ornamentik hinzuzufügen. Sie lässt die Hülle – insbesondere bei eingeschalteter Innenbeleuchtung – durchlässiger, fast gewebeartig und plastischer wirken und verändert auch die Atmosphäre in den Innenräumen.
Das Dach als „fünfte Fassade“, die von allen umgebenden Hochhäusern aus sichtbar ist, wurde ebenfalls neu gestaltet: Ein tiefes Blau sorgt nun – in Kombination mit dem Rostrot des Bodens – für einen kräftigen Farbakzent innerhalb des Ensembles. In ihrer Projektbeschreibung erklären die Architekt*innen, dass es ihnen bei ihrem Entwurf neben dem angemessenen Erhalt eines das Viertel prägenden Bauwerks auch darum ging, seine asketisch-strenge Erscheinung mit zeitgenössischer Attraktivität auszustatten. Ziel war schließlich, dass sich die neuen jungen Nutzer*innen mit ihrer Schule identifizieren können. (da)
Fotos: Luc Boegly
Da ich auf schnelle Unterhaltung aus bin, fehlen mir die Vorher-Bilder. Ohne Vergleich ist das fertige Haus nur halb so schön.
So unterschiedlich sind da die Ansichten. Für mich ist's gerade dadurch spannungsvoll, dass die Fassade eher nicht wie geleckt daher kommt. Der verwendete Stein steht dem Ding äußerst gut zu Gesichte!
@mike:
Kann mich täuschen, aber ich habe auf jedem Bild mindestens einen Öffnungsflügel erspähen können... da sollte eine Reinigung der Festverglasung dann machbar sein.
Ich befürchte allerdings, das die Öffnungsdetails nicht zu Ende gedacht wurden.
Wie lassen sich die Gläser in den festverglasten Bereichen reinigen? Ziegel einschlagen oder Scheiben ausbauen?
Wahrscheinlich nur ein Problem in Germany ;-)