Doppeltes Selbstzitat
Hochhaus von Jean Nouvel in Doha
Jean Nouvel hat ein weiteres Hochhaus fertig gestellt: Der Burj Doha steht in der Hauptstadt Katars und misst an seinem höchsten Punkt 231 Meter. Der Entwurf des Turms greift Elemente von zwei der bekanntesten Gebäude des französischen Architekten auf.
Mit 110.000 Quadratmetern Bürofläche, einem Durchmesser von 45 Metern und 231 Metern Höhe gehört der Neubau zwar nicht zu den größten Exemplaren seiner Kategorie, dennoch ist er in der kurzen Zeit seiner Existenz bereits als „Bester Hochhauskomplex 2012“ vom Council on Tall Building and Urban Habitat (CTBUH) ausgezeichnet worden.
Form und Fassade kommen dem Betrachter bekannt vor, und auch wenn sich Maßstab und Materialität ein wenig unterscheiden, sind die Bezüge klar erkennbar. Die gurkenförmige Silhouette erinnert an Nouvels 2005 fertig gestellten Torre Agbar in Barcelona, nur in der Höhe unterscheiden sie sich: Der Burj Doha ist 100 Meter höher als sein spanischer Verwandter. Und auch die Fassade ist eine Referenz und findet sich in ähnlicher Weise als Außenhülle des Pariser Insitut du monde arabe – in beiden Fällen zitiert sie dekorative Holzgitter (Maschrabiyya), einem traditionellen Element der arabischen Architektur. Beim Burj Doha besteht das Muster aus zwei unterschiedlichen Ebenen: Die äußere bildet ein feinmaschiges Aluminiumgitter, das über einer etwas lichteren Betonstruktur liegt. Die voll verglasten Etagen mit Panoramablick auf den Persischen Golf springen ein wenig zurück und kommen dank der besonderen Konstruktion des Baus fast ohne Stützen aus.
Wenn man diesen (durchaus etwas polemischen) Vergleich nur ein wenig weiterdekliniert, wirkt es schon befremdlich: Er passt für die Ansicht im Großen (Bild 4), und für die Raussicht im Detail. Es zeigt schon aus mittlerer Entfernung (zumindest am Tag) fast nichts von sich außer seiner optisch undurchdringlichen und verschwimmenden Hülle. Da prallt jeder Blick ab und bleibt höchstens an der Nadel auf dem Dach hängen. Außerdem: Bild 2 ist ja schon eine richtige Freakshow...
oder kann man dann nicht mehr genug bewässerte golfplätze bauen ? ein wahnsinn!
Kein richtiger Einblick, und kein richtiger Ausblick. Die Fassadenstruktur ist zwar schön aber in der Masse verliert sie ihre Ästhetik. Das ganze wirkt eher wie ein seelenloses Hochhaus unter einem Burqa Schleier. Fügt sich jedoch wunderbar in die ebenso kulissenhafte Umgebung. Was soll man noch dazu sagen? Dort ist schließlich alles erlaubt, es gibt kein richtig und kein falsch...