Jugend forscht
Studentisches Wohnen von EMI in Regensdorf
Schon seit einigen Jahren experimentieren EMI Architekt*innen Edelaar Mosayebi Inderbitzin mit ebenso kompakten wie flexibel nutzbaren Wohnformen. In Regensdorf bei Zürich konnten sie nun ein weiteres Projekt in dieser Richtung fertigstellen. Es handelt sich dabei um eine Bestandsintervention auf dem sogenannten Zwhatt-Areal, das nach Plänen von Peter Märkli entsteht. Lütjens Padmanabhan Architekt*innen konnten hier bereits einen ungewöhnlichen Wohnungsbau realisieren. Und im gleichen Bürogebäude, in dem nun EMI ihre 18 Einheiten umsetzen konnten, ist auch das baubüro in situ tätig gewesen.
Jugend forscht – der Titel ist natürlich nicht ganz richtig. Bei einem Großteil der Bewohner*innen dürfte es sich um Studierende handeln, offiziell richtet sich das Projekt aber auch an Auszubildende, was die Altersgrenze noch mal ein paar Jahre nach unten verschiebt. Erforscht wird hier, wie es sich in einem transformierten Bürogebäude leben lässt, dessen Gebäudehülle einfach erhalten blieb.
Im Inneren folgte aus dieser Prämisse eine klimatische Konditionierung des Grundrisses. Die schmalen Einheiten werden durch eine kühlere Raumschicht erschlossen, in der sich auch vier Gemeinschaftsküchen befinden. Nur die größeren Apartments verfügen nämlich über eine eigene Kochstelle.
Alle dienenden Funktionen wurden mittels eingestellter Volumen realisiert. Diese bestehen jeweils aus einer vorgefertigten Stahlstruktur, die vor Ort mit Heizschlangen und einer Lehmschicht versehen wurde. Sie rhythmisieren also nicht nur die Fläche, sondern sorgen mittels Speichermasse und Strahlungswärme auch für ihre Temperierung. Vorhänge mit Aluminiumbeschichtung sollen darüber hinaus eine Regulierung um die Module entstehenden Wärmeinseln erlauben. Ein weiterer wichtiger Aspekt ist, dass alle Maßnahmen reversibel sind. Die Zwischenwände wurden in regulärer Trockenbauweise errichtet, die gesamte Leitungsinstallation ist komplett offen inszeniert. Nur das Abwasser wird konventionell nach unten geführt.
Das Projekt stellt einen Beitrag zur Debatte dar, wie sich leerstehende Bürogebäude ohne kostspielige Optimierungen weiternutzen lassen. Allein im Großraum Zürich betrifft dies laut EMI eine aktuell ungenutzte Bestandsressource von rund 400.000 Quadratmetern. Mit der Fertigstellung des Projekts beginnt nun die Testphase. Im Rahmen ihrer Professuren an der ETH Zürich werden Elli Mosayebi (Architektur und Entwurf) und Arno Schlüter (Architektur und Gebäudesysteme) eine Nutzungsstudie erstellen. Die dabei gewonnenen Erkenntnisse sollen dann auch in die weitere Umnutzung und eventuell auch Aufstockung des Gebäudes einfließen. (sb)
- Fertigstellung:
- 2025
- Architektur:
- EMI Architekt*innen
- Team:
- Ron Edelaar, Elli Mosayebi, Christian Inderbitzin, Associate: Ramin Mosayebi, Projekt- und Bauleitung: Anna Ludwig, Architekt*innen: Kevin Kummerow, Beatrice Maineri, Mathilde Sudan, Praktikant: Niklas Aust
- Weitere Projektbeteiligte:
- Baertschi Partner (Bauingenieure), Gruenberg+Partner (HLS-Planung), Elprom Partner (Elektroplanung), Anex Ingenieure (Bauphysik), Arno Schlüter (Beratung)
- Bauherrschaft:
- Anlagestiftung Turidomus, Pensimo Management
- Fläche:
- 1.363 m²
- Baukosten:
- 2.142.686 € BKP 1-9
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