Dom-Ino mit Lehmziegeln
Einfamilienhaus in Riehen von Stern Zürn Architekten
Am Südwesthang von Riehen im Kanton Basel-Stadt steht das Maison Imho. Bei dem dreigeschossigen Einfamilienhaus kombinierten Stern Zürn Architekten (Basel) ein Tragskelett aus Recyclingbeton mit Wänden aus Lehmziegeln, die aus dem Aushubmaterial vor Ort hergestellt wurden.
Die gestalterischen Anleihen an die Moderne kommen nicht von ungefähr. Als Inspiration für ihren Entwurf diente Stern Zürn Architekten das sogenannte Dom-Ino-Prinzip: ein reduziertes Betonskelett, das Le Corbusier während des Ersten Weltkriegs für seriell gefertigte Flüchtlingsunterkünfte entwickelt hatte. Der Name spielt einerseits auf das lateinische Wort domus („Haus“) an, andererseits auf Dominosteine, da sich die modularen Einheiten flexibel zusammenbauen ließen. Dieses Skelett sollte dann laut Corbusier mit Strukturen aus „agglomérés“ – Steinen aus Bauschutt oder verbrannten Kalkresten – befüllt werden, da diese keine tragende Funktion übernehmen müssen.
Stern Zürn übersetzen dieses Prinzip in eine Konstruktion aus RC-C50-Recyclingbeton, in die sie „agglomérés“ aus Lehmziegeln einfügten. Für den Beton wurden laut Architekt*innen Abbruchmaterialien aus einem Radius von fünf bis dreißig Kilometern verwendet. Die ungebrannten, formgepressten Lehmziegel wurden ohne Zusatzstoffe in einer temporären kleinen Baustellenfabrik vor Ort hergestellt, getrocknet und anschließend in die schon fertige Tragstruktur eingebaut. Kimmsteine, Lagerfugenbewehrungen, Armierungsnetze und gleitende Deckenanschlüsse gewährleisten Stabilität. Perspektivisch solle die für das Projekt hergestellte mobile Ziegelformmaschine weiterentwickelt und für den Einsatz auf weiteren Baustellen optimiert werden, so Stern Zürn.
Während sich das Maison Imho – Akronym für industriell, massiv und holistisch – hangabwärts mit großzügigen Verglasungen in Richtung Basel öffnet, zeigt es sich auf der mit dunkel lackierten Holzelementen verkleideten Rückseite eher verschlossen. Das dreigeschossige Volumen fügt sich mit einem offenen Wohn- und Essbereich im Erdgeschoss und privaten Räumen in der obere Etagen in den Hang ein. Im Untergeschoss brachten die Architekt*innen eine Garage und die Technik unter, auf dem begrünten Dach befindet sich eine kleine Sauna. Abkühlen kann man sich im monolithisch gegossenen Betonpool im Garten.
Die tragenden Stützen liegen überwiegend außen und sind über Kragplattenanschlüsse mit den Decken verbunden. Zur Erdbebenaussteifung integrierten die Architekt*innen Wandscheiben mit großen kreisförmigen Öffnungen, um auch hier Material einzusparen, wie sie sagen. Der Beton wurde zu großen Teilen gestockt, wodurch die Körnung aus Abbruchbeton und Ziegelsplittern sichtbar wird. Das Holz für Verkleidungen und konstruktive Elemente stammt aus der Schweiz.
Für die beheizten Böden kam zementfreies Material, das auf ebenfalls wiederverwendeten Zuschlägen basiert, zum Einsatz. In der Küche wurde die körnige Struktur durch Anschleifen sichtbar gemacht und erinnert so an Terrazzo. Auskragungen und textile Fallarmmarkisen schützen vor sommerlicher Überhitzung, Regenwasser wird gesammelt, Photovoltaik versorgt die Wärmepumpe.
Die Planungsphase dauerte ebenso lange wie der Bau selbst. Stern Zürn Architekten verstehen das Maison Imho als Prototyp. Neben dem Gebäude entstanden im Zuge des Projekts Analyseverfahren, Prüfzeugnisse, Datensätze, ein Maschinenprototyp und ein praktisches Handbuch, die als Grundlage für künftige Bauvorhaben auch im größeren Maßstab dienen sollen. (dsm)
- Fertigstellung:
- 2026
- Architektur:
- Stern Zürn Architekten
- Ingernieure:
- Ingénieur wh-p Ingenieure
- Landschaftsarchitektur:
- Studio Emma Thomas
- Lehmbau:
- Georg Paul zusammen mit Lehmag AG
- Bauherrschaft:
- privat
- Fläche:
- 230 m² Geschossfläche



