Suffizient in der Gärtnerei
Mehrfamilienhaus in Radolfzell von siedlungswerkstatt
Dass Menschen, die eine Gartenbaufirma besitzen, ein besonderes Interesse an nachhaltigem Bauen haben, liegt nahe. Es auf dem eigenen Grundstück der Gärtnerei auch konsequent umzusetzen, ist dennoch ambitioniert. In Radolfzell ist genau das passiert: Für zwei Geschwister entwickelte siedlungswerkstatt (Konstanz) ein Wohnensemble, das aus einem älteren Wohnhaus und zwei flankierenden neuen Volumen bestehen soll. Der erste Bauabschnitt ist nun fertiggestellt.
Die Gnädinger Gärten und damit auch das Baugrundstück liegen im Radolfzeller Ortsteil Böhringen, etwas nördlich der Kernstadt und unweit des südwestlichen, als Untersee bezeichneten Teils des Bodensees. So grün, wie man sich eine Gärtnerei vorstellt, ist auch das Grundstück. Ein üppiger Baumbestand prägt die Umgebung des Neubaus.
Nach außen gibt sich der Bau angenehm zurückhaltend. Eine vertikale Holzschalung in dunklem Farbton fasst den Baukörper, wobei unterschiedliche Brettbreiten die Fassade subtil gliedern. Auf rechteckigem Grundriss sitzt ein asymmetrisches Satteldach, das nicht über die gesamte Gebäudetiefe reicht. Nach Südwesten löst sich der Baukörper in Balkone beziehungsweise Terrassen auf.
Drei Wohnungen, jeweils eine pro Geschoss, nimmt das Haus auf. Die beiden unteren verfügen über je zwei Schlafzimmer, zwei Bäder und eine Terrasse. Die oberste Wohnung ist mit einem Schlafzimmer kleiner geschnitten, bietet dafür eine großzügige Wohnküche, eine Dachterrasse und eine Galerie. Dorthin führt eine einfache Leiter.
So konventionell das Raumprogramm auf den ersten Blick wirkt, so konsequent ist die Konstruktion auf Einfachheit und Materialeffizienz ausgerichtet. Die Außenwände wurden in gedämmter Holztafelbauweise ausgeführt, das Dach massiv aus Brettsperrholz. Lediglich die Bodenplatte des nicht unterkellerten Gebäudes besteht aus Stahlbeton.
Suffizienz war, so erläutern es die Architekt*innen, ein zentrales Prinzip des Entwurfs. Statt das Gebäude möglichst umfassend mit Technik, Bauteilschichten und normgerechten Standards auszustatten, wurden einzelne Anforderungen hinterfragt und vereinfacht. Dabei orientierte sich das Büro an den Überlegungen des Gebäudetyps E. (gk)
- Fertigstellung:
- 2026
- Architektur:
- siedlungswerkstatt
- Statik:
- Baustatik Relling
- Holzbau, Dachdeckerarbeiten, Schreiner, Gerüstbau:
- Werner Ettwein
- Fläche:
- 280 m² Wohnfläche




Die nötige Raffinesse und ein wenig Einfachheit.
Interessant wären die Kosten dieser "einfachen" Konstruktion. Vielleicht lässt sich noch etwas lernen.
Zum Leben.