Gebrauchtholz-Leistungsschau
Baustellenbesuch mit ZRS in Berlin
Gebrauchtholz-Leistungsschau
Baustellenbesuch mit ZRS in Berlin
Wenn nur alle so bauen könnten, wie es das Tulium in Berlin vormacht. Bei jedem erdenklichen Bauteil haben die Beteiligten gefragt: Geht das noch kreislaufgerechter? Lässt es sich aus gebrauchten Materialien bauen? Dabei haben sie reihenweise experimentelle Lösungen entwickelt und gleichzeitig aufgezeigt, woran man in der Branche meist scheitert. Heute feiert der Holzbau Richtfest.
Das Tulium wird ein kleines Museum für die Mineralogische Sammlung und Wissensvermittlung der TU Berlin. Seit Ende 2025 entsteht es auf dem Campus direkt hinter dem aktuell bauaufsichtlich gesperrten Hauptgebäude. Wenn der Bau 2027 fertig ist, wird er nicht nur im Portfolio von ZRS Architekten (Berlin) stehen, sondern gewissermaßen das kollektive Erstlingswerk mehrerer Nachwuchs-Architekt*innen sein. Seit 2019 erarbeiteten rund 300 Studierende verschiedener Fachgebiete einen Vorentwurf, der konzeptionell der LP2 gleichkam.
Koordiniert wurde dieser Prozess vom Natural Building Lab NBL, dem Lehrstuhl unter Leitung von Eike Roswag-Klinge, der aktuell auch Präsident der Berliner Kammer ist. Im Zuge eines VgV-Verfahrens erhielten ZRS um Projektleiterin Monique Bührdel 2022 den Zuschlag für die Generalplanung. Der Entwurf der Studierenden wurde zur Grundlage, ihre Überlegungen zur Aufgabenstellung für die Architekt*innen.
Koordiniert wurde dieser Prozess vom Natural Building Lab NBL, dem Lehrstuhl unter Leitung von Eike Roswag-Klinge, der aktuell auch Präsident der Berliner Kammer ist. Im Zuge eines VgV-Verfahrens erhielten ZRS um Projektleiterin Monique Bührdel 2022 den Zuschlag für die Generalplanung. Der Entwurf der Studierenden wurde zur Grundlage, ihre Überlegungen zur Aufgabenstellung für die Architekt*innen.
Experimente an allen Ecken und Enden
Und die Ziele waren hochgesteckt. Der Bau über 1.250 Quadratmeter Bruttogrundfläche ist zwar vergleichsweise klein, aber vollgepackt mit Forschungsfragen kreislaufgerechten Bauens. An keiner Stelle Dienst nach Vorschrift oder, wie es so schön heißt, anerkannten Regeln der Technik. Soll heißen: Ob sich die Konstruktionen aus nachwachsenden Rohstoffen und gebrauchten Materialien, die das NBL und die Studierenden vorgelegt hatten, unter aktuellen Branchenbedingungen und Vorschriften umsetzen lassen, war offen.
Ergebnis: Es geht! Zumindest prinzipiell, wenn Auftraggeberschaft, Zeitplan und eigenes Durchhaltevermögen es zulassen. Im Tulium hat man es bei fast jedem Bauteil immerhin exemplarisch geschafft. Die Auftraggebenden sind die TU Berlin gemeinsam mit dem Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf. Der Bau ist Teil eines größeren Projekts, das von Bund und Land im Rahmen der Gemeinschaftsaufgabe „Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur“ (GRW) mit 17,5 Millionen Euro (Gesamtkosten) gefördert wird. Dazu gehören auch die Freianlagen entlang der verlängerten Hertz-Alleen.
Selbst die erdberührten Bereiche haben sich ZRS vorgenommen. Um Beton zu sparen, bauten sie statt einer durchgehenden Bodenplatte eine Art Tausendfüßler-Gründung aus diversen Punktfundamenten. Ursprünglich wollten sie hierfür wiederverwendete Betonplatten stapeln, wie es etwa B&O Bau in Bad Aibling gelingt. Im Fall des Tulium verhinderte es letztlich der Ziegelsplitt, den man in den Betonteilen aus den 1960er Jahren feststellte. Einfacher lief hingegen die Wiederverwendung gebrauchter Stahlelemente. Als aufgeständertes Trägerrost übertragen sie die Lasten vom aufliegenden Holzbalkenboden.
Und die Ziele waren hochgesteckt. Der Bau über 1.250 Quadratmeter Bruttogrundfläche ist zwar vergleichsweise klein, aber vollgepackt mit Forschungsfragen kreislaufgerechten Bauens. An keiner Stelle Dienst nach Vorschrift oder, wie es so schön heißt, anerkannten Regeln der Technik. Soll heißen: Ob sich die Konstruktionen aus nachwachsenden Rohstoffen und gebrauchten Materialien, die das NBL und die Studierenden vorgelegt hatten, unter aktuellen Branchenbedingungen und Vorschriften umsetzen lassen, war offen.
Ergebnis: Es geht! Zumindest prinzipiell, wenn Auftraggeberschaft, Zeitplan und eigenes Durchhaltevermögen es zulassen. Im Tulium hat man es bei fast jedem Bauteil immerhin exemplarisch geschafft. Die Auftraggebenden sind die TU Berlin gemeinsam mit dem Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf. Der Bau ist Teil eines größeren Projekts, das von Bund und Land im Rahmen der Gemeinschaftsaufgabe „Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur“ (GRW) mit 17,5 Millionen Euro (Gesamtkosten) gefördert wird. Dazu gehören auch die Freianlagen entlang der verlängerten Hertz-Alleen.
Selbst die erdberührten Bereiche haben sich ZRS vorgenommen. Um Beton zu sparen, bauten sie statt einer durchgehenden Bodenplatte eine Art Tausendfüßler-Gründung aus diversen Punktfundamenten. Ursprünglich wollten sie hierfür wiederverwendete Betonplatten stapeln, wie es etwa B&O Bau in Bad Aibling gelingt. Im Fall des Tulium verhinderte es letztlich der Ziegelsplitt, den man in den Betonteilen aus den 1960er Jahren feststellte. Einfacher lief hingegen die Wiederverwendung gebrauchter Stahlelemente. Als aufgeständertes Trägerrost übertragen sie die Lasten vom aufliegenden Holzbalkenboden.
Eine kleine Gebrauchtholz-Leistungsschau
Darüber wird ein geräumiger, luftiger Holzbau errichtet, der darauf ausgelegt ist, Gebrauchtholz wiederzuverwenden. In Deutschland fallen davon jährlich acht bis zehn Millionen Tonnen an. Weil man aber selten weiß, wie viel sich tatsächlich verwenden lässt, bestehen etwa die Gitterträger des Tuliums aus mehreren Schichten kreuzweise übereinandergelegter Streben. So kann man auf variierende Qualitäten reagieren – und zwar ganz ohne Metall. Die Kraftübertragung leisten Holz-Holz-Verbindungen, was die enorme Dicke begründet. Die auf Zug beanspruchten Diagonalstreben benötigen große Querschnitte, andernfalls könnten sie abscheren. Zudem muss der Gitterträger einen Feuerwiderstand von 30 Minuten (F 30) erfüllen.
Gleichzeitig erzeugen die Träger räumliche Tiefe und überspannen zwölf Meter. Auch jenes Exemplar, das vollständig aus gebrauchtem Holz zusammengesetzt ist. Es findet sich, wie die meisten wiederverwendeten Elemente, im späteren Foyer wieder – was auf diese Weise zu einer kleinen Re-Use-Leistungsschau wird.
Allein in diese wenigen Bauteile ist mühevolle Kleinstarbeit geflossen. Für die Stützen beispielsweise wurden alte Balken aufgesägt, gehobelt und neu verleimt. Bis zu diesem Punkt mussten aber bereits etliche Hürden genommen werden, an denen man in der Praxis für gewöhnlich scheitert, erklärt Roswag-Klinge. Das fängt schon bei der Quelle an. Wo kommt das Gebrauchtholz überhaupt her? Der Architekt sagt, sie hätten inzwischen ein Netzwerk aufgebaut, sprächen immer wieder mit Rückbauern. Der Rest passiert auf der Straße, man schaut sich um.
Darüber wird ein geräumiger, luftiger Holzbau errichtet, der darauf ausgelegt ist, Gebrauchtholz wiederzuverwenden. In Deutschland fallen davon jährlich acht bis zehn Millionen Tonnen an. Weil man aber selten weiß, wie viel sich tatsächlich verwenden lässt, bestehen etwa die Gitterträger des Tuliums aus mehreren Schichten kreuzweise übereinandergelegter Streben. So kann man auf variierende Qualitäten reagieren – und zwar ganz ohne Metall. Die Kraftübertragung leisten Holz-Holz-Verbindungen, was die enorme Dicke begründet. Die auf Zug beanspruchten Diagonalstreben benötigen große Querschnitte, andernfalls könnten sie abscheren. Zudem muss der Gitterträger einen Feuerwiderstand von 30 Minuten (F 30) erfüllen.
Gleichzeitig erzeugen die Träger räumliche Tiefe und überspannen zwölf Meter. Auch jenes Exemplar, das vollständig aus gebrauchtem Holz zusammengesetzt ist. Es findet sich, wie die meisten wiederverwendeten Elemente, im späteren Foyer wieder – was auf diese Weise zu einer kleinen Re-Use-Leistungsschau wird.
Allein in diese wenigen Bauteile ist mühevolle Kleinstarbeit geflossen. Für die Stützen beispielsweise wurden alte Balken aufgesägt, gehobelt und neu verleimt. Bis zu diesem Punkt mussten aber bereits etliche Hürden genommen werden, an denen man in der Praxis für gewöhnlich scheitert, erklärt Roswag-Klinge. Das fängt schon bei der Quelle an. Wo kommt das Gebrauchtholz überhaupt her? Der Architekt sagt, sie hätten inzwischen ein Netzwerk aufgebaut, sprächen immer wieder mit Rückbauern. Der Rest passiert auf der Straße, man schaut sich um.
Das kann man noch verbauen!
Hat man das Holz, müssen Verunreinigungen entfernt, Sortierklassen bestimmt und Neu-Zertifizierungen eingeholt werden. Sämtliche Bauteile aus gebrauchten Materialien erfordern Zustimmungen im Einzelfall. Um diese Prozesse zu vereinfachen, braucht es aber nicht nur Regularien, sondern auch Wertschöpfungsketten. Deswegen arbeitet das NBL bereits an einem nächsten Forschungsprojekt. B(e)Ware untersucht Rahmenbedingungen für Zulassungen und CE-Kennzeichnungen, soll als Dienstleister das sogenannte Urban Mining übernehmen.
Auch das Tulium wird künftig eine urbane Mine sein. Als Ganzes könne das Gebäude ab- und anderswo wiederaufgebaut werden. Die gedübelte Brettstapeldecke lasse sich sogar bis auf einzelne Balken zerstörungsfrei auseinandernehmen. Eines der Deckenmodule besteht ausschließlich aus gebrauchtem Holz. Weil es bei dieser Art der Weiterverwendung nicht aufwendig aufgearbeitet werden muss, dürfte es sich am einfachsten in der gängigen Praxis realisieren lassen, so Roswag-Klinge.
Die Experimentierfreude durchzieht das ganze Haus. Neben Holz spielt Lehm eine große Rolle. So zeichnen sich die vorgefertigten Außenwände, die das NBL in einem parallelen Forschungsprojekt entwickelte, neben Gebrauchtholz und Holz-Holz-Verbindungen im Ständerwerk eben auch durch Lehmplatten als Brandschutzbekleidung aus. Den nötigen Nachweis mussten ZRS Ingenieure mit einer Berechnung auf Abbrand selbst liefern.
Spielverderber in der Ökobilanz sind oft die Böden – das haben etwa die Forschungshäuser in Bad Aibling gezeigt. Um als Wärmespeicher zu dienen, benötigen sie Masse, konventionell also Zement. Als Alternative testen NBL in einem Raum einen Lehmterrazzo-Aufbau. Sollte sich dessen Abrieb im Laufe der Nutzung als zu hoch erweisen, könne die Oberfläche nachträglich mit Linoleum belegt werden.
Hat man das Holz, müssen Verunreinigungen entfernt, Sortierklassen bestimmt und Neu-Zertifizierungen eingeholt werden. Sämtliche Bauteile aus gebrauchten Materialien erfordern Zustimmungen im Einzelfall. Um diese Prozesse zu vereinfachen, braucht es aber nicht nur Regularien, sondern auch Wertschöpfungsketten. Deswegen arbeitet das NBL bereits an einem nächsten Forschungsprojekt. B(e)Ware untersucht Rahmenbedingungen für Zulassungen und CE-Kennzeichnungen, soll als Dienstleister das sogenannte Urban Mining übernehmen.
Auch das Tulium wird künftig eine urbane Mine sein. Als Ganzes könne das Gebäude ab- und anderswo wiederaufgebaut werden. Die gedübelte Brettstapeldecke lasse sich sogar bis auf einzelne Balken zerstörungsfrei auseinandernehmen. Eines der Deckenmodule besteht ausschließlich aus gebrauchtem Holz. Weil es bei dieser Art der Weiterverwendung nicht aufwendig aufgearbeitet werden muss, dürfte es sich am einfachsten in der gängigen Praxis realisieren lassen, so Roswag-Klinge.
Die Experimentierfreude durchzieht das ganze Haus. Neben Holz spielt Lehm eine große Rolle. So zeichnen sich die vorgefertigten Außenwände, die das NBL in einem parallelen Forschungsprojekt entwickelte, neben Gebrauchtholz und Holz-Holz-Verbindungen im Ständerwerk eben auch durch Lehmplatten als Brandschutzbekleidung aus. Den nötigen Nachweis mussten ZRS Ingenieure mit einer Berechnung auf Abbrand selbst liefern.
Spielverderber in der Ökobilanz sind oft die Böden – das haben etwa die Forschungshäuser in Bad Aibling gezeigt. Um als Wärmespeicher zu dienen, benötigen sie Masse, konventionell also Zement. Als Alternative testen NBL in einem Raum einen Lehmterrazzo-Aufbau. Sollte sich dessen Abrieb im Laufe der Nutzung als zu hoch erweisen, könne die Oberfläche nachträglich mit Linoleum belegt werden.
Gebaute Forschung, lauschiges Plätzchen
In der üblichen Baupraxis kann man sich solche Ungewissheiten selten erlauben. Aber hier handelt es sich um gebaute Forschung. Dabei tummeln sich in diesem kleinen Bau derart viele Experimente, dass so manches, das anderswo bemerkenswert wäre, untergehen muss. Der hölzerne Fahrstuhlschacht etwa oder die ausschließlich natürliche Lüftung. Und bei welchem Gebäude wäre eine solche kristallin geknickte Fassade aus transluzentem Glasfaser, die allzu starke Aufheizung verhindert, eine bloße Randnotiz?
Heute feiert das Tulium Richtfest. Bis zur Fertigstellung 2027 ist es nicht mehr weit. Dann soll das Museum für verschiedene Ausstellungen und zahlreiche Lehr-, Vermittlungs- und Austauschformate genutzt werden. Oder man findet im Café einfach ein lauschiges Plätzchen – nicht zuletzt jene Studierenden, die ihr an diesem Gebäude erprobtes Know-how längst auch in andere Büros oder eigene Projekte tragen.
In der üblichen Baupraxis kann man sich solche Ungewissheiten selten erlauben. Aber hier handelt es sich um gebaute Forschung. Dabei tummeln sich in diesem kleinen Bau derart viele Experimente, dass so manches, das anderswo bemerkenswert wäre, untergehen muss. Der hölzerne Fahrstuhlschacht etwa oder die ausschließlich natürliche Lüftung. Und bei welchem Gebäude wäre eine solche kristallin geknickte Fassade aus transluzentem Glasfaser, die allzu starke Aufheizung verhindert, eine bloße Randnotiz?
Heute feiert das Tulium Richtfest. Bis zur Fertigstellung 2027 ist es nicht mehr weit. Dann soll das Museum für verschiedene Ausstellungen und zahlreiche Lehr-, Vermittlungs- und Austauschformate genutzt werden. Oder man findet im Café einfach ein lauschiges Plätzchen – nicht zuletzt jene Studierenden, die ihr an diesem Gebäude erprobtes Know-how längst auch in andere Büros oder eigene Projekte tragen.
Bautafel
- Geplante Fertigstellung:
- 2027
- Architektur (Generalplanung):
- ZRS Architekten Ingenieure
- Konzept und Vorplanung:
- Natural Building Lab (TU Berlin)
- TGA:
- IB Hausladen
- Landschaftsarchitektur:
- Schönherr Landschaftsarchitekten, KOKOMO Landschaft und Stadtraum GmbH Berlin (Touristische Wissenspfade)
- Bauherrschaft:
- Technische Universität Berlin in Kooperation mit dem Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf
- Fläche:
- 1.254 m² Bruttogrundfläche
- Baukosten:
- 17.500.000 € Gesamtkosten
ZRS Architekten Ingenieure
Zirkuläre Baustellen
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