Stahlketten vor Beton
Firmengebäude bei Stuttgart von Grüntuch Ernst Architekten
Von der Reparaturwerkstatt zum globalen Player: Balluff aus Neuhausen auf den Fildern ist ein Spezialist für industrielle Sensorik und Automatisierung. Nun hat das Unternehmen, das weltweit rund 3.700 Mitarbeiter*innen beschäftigt, an seinem Stammsitz ein neues Büro- und Entwicklungsgebäude errichten lassen. Verantwortlich für Entwurf und Umsetzung waren Grüntuch Ernst Architekten mit Sitz in Berlin. Das Vorhaben geht zurück auf einen geladenen Wettbewerb, der 2017 durchgeführt wurde.
Die Kleinstadt Neuhausen liegt südöstlich von Stuttgart im Landkreis Esslingen unweit des Stuttgarter Flughafens. Die Gegend mit ihren vielen im Maschinen- und Automobilbau tätigen Unternehmen bietet Balluff ein produktives Umfeld. Das neue Haus ergänzt mehrere Bestandsbauten. Neben Büros, Labor- und Entwicklungsbereichen wurde auch eine Kantine integriert. Bei Kantenlängen von rund 110 mal 90 Metern entwickelt sich der Zweigeschosser betont horizontal. Dreizehn begrünte Innenhöfe sowie teilweise doppelgeschossige Raumhöhen lockern die tiefen Grundrisse auf. Wer mag, kann ein spätes Echo von strukturalistischen Bauten wie der berühmten Rostlaube von Candilis-Josic-Woods in Berlin erkennen.
Während viele der historischen strukturalistischen Entwürfe der Idee einer unhierarchischen Erschließung folgten, schlagen die Architekt*innen in Neuhausen einen anderen Weg ein. Dank einer als „Wandelhalle“ interpretierten Mittelachse in Nord-Süd-Richtung ist der Balluff-Bau klar organisiert. Der westliche Teil des Grundrisses wird von einer offenen Bürolandschaft eingenommen, die zwischen formelleren und informelleren Bereichen variiert. Im östlichen Teil sind unter anderem Labore und die Kantine mit Terrasse angeordnet. Über den gesamten Grundriss hinweg verteilen sich kleinere Raumeinheiten für Meetings und fokussiertes Arbeiten in Gruppen. Auch einen großen Konferenzraum gibt es. Im Untergeschoss befindet sich eine Tiefgarage.
Das Gebäude ist als Skelettbau mit einem Achsraster von 8,40 Metern konzipiert. Die Hülle besteht neben Sichtbeton aus einer Aluminium-Glas-Konstruktion, das Dach wurde extensiv begrünt. Vor den Außenwänden hängen außerdem silbrig glänzende Stahlketten, die dem Volumen einen Hauch von Leichtigkeit hinzufügen. Sie dienen zugleich als vorgelagerter Sonnenschutz.
Die Stringenz des Äußeren setzt sich im Inneren fort. Auch hier dominiert Sichtbeton, aufgelockert allerdings durch das dichte Grün der Innenhöfe. Diese wurden von Gänßle + Hehr Landschaftsarchitekten aus Esslingen gestaltet, im Wettbewerb waren außerdem atelier le balto aus Berlin beteiligt. Die Deckeninstallationen sind teils mit Gitterrosten kaschiert und die Böden in den Erschließungsbereichen als heller Terrazzo ausgeführt. Hölzerne Einbauten wie Bänke und Sitznischen ergänzen die kommunikativen Zonen des Neubaus. (sb)
- Fertigstellung:
- 2025
- Architektur:
- Grüntuch Ernst Architekten
- Team:
- Armand Grüntuch, Almut Grüntuch-Ernst, Arno Löbbecke, Florian Fels, Jens Schoppe, Lasse Knoop, Niklas Strassacker, Robert Brangs, Ufuk Çelik, Nina Maria Damm, Florian Dietrich, Götz Hinrichsen, Andreas Hoppe, Moritz Leinhos, Sema Kaya, Alice Knoppek, Franziska Michalsky, Annika Müller, Vincent Preti, Stefan Schenk, Karsten Schuch, Puja Shafaroudi, Andrian Sokolovskyi, Adrian Zydziak, Jost von Fritschen, Xi Wu, James Yeo, Jakob Adler, Eljas Allafian, Senad Bajramovic, Nelli Fritzler, Lukas Gesell, Urbano Gomez, Emil Haffner, Tom Jones, Xingzhou Li, Shereen Martello, Clemens Wiese
- Freiraumplanung:
- Gänßle + Hehr Landschaftsarchitekten, atelier le balto (Wettbewerb)
- Weitere Planungsbeteiligte:
- wh-p GmbH Beratende Ingenieure (Tragwerksplanung), Kuhn Decker (Brandschutz), GN-Bauphysik Finkenberger + Kollegen Ingenieurgesellschaft (Bauphysik), Rentschler und Riedesser Ingenieurgesellschaft (Klimatechnik), Sedlacek S+P Ingenieure (Elektrotechnik)
- Bauherrschaft:
- Balluff GmbH
- Fläche:
- 24.000 m² Bruttogrundfläche



