Entwicklung am einstigen DDR-Rundfunkgelände
Acht Büros planen in Berlin-Oberschöneweide
Im Südosten von Berlin, auf dem ehemaligen DDR-Rundfunkgelände zwischen der Rummelsburger Landstraße und dem Funkhaus an der Nalepastraße soll bis 2029 Funkytown entstehen. Das versprechen die kürzlich veröffentlichten Pläne des Investors Trockland, der in der Stadt an vielen Stellen aktiv ist. Unter anderem hat der Projektentwickler auf dem alten Mauerstreifen Wohnungen und an der Eisfabrik Gewerberäume realisiert und war auch am Checkpoint Charlie eine Zeit lang involviert.
2020 hatte Trockland das größtenteils unbebaute Areal neben dem Rundfunkhaus aus den 1950er Jahren von der Fortress Gruppe gekauft und will es nun zum „innovativen Kreativ-Quartier“ entwickeln, wie es auf seiner Webseite heißt. „Acht Berliner Architekturbüros werden zu den Gebäudekörpern der Stations die Fassaden entwerfen und dazu beitragen, dass Funkytown zu einem Leuchtturmprojekt wird“, so weiter. Für das rund 50.000 Quadratmeter Nutzfläche umfassende Quartier ist die beliebte Mischung aus Kultur, Bildung, Gastronomie, Sport, Hotel, Ateliers und Co-Working angekündigt, Wohnungen sind laut Bebauungsplan nicht vorgesehen.
Entsprechend einem Masterplan von KSP Engel sollen acht trapezförmige Gebäudekörper, die sogenannten Stations, an der Straße aufgereiht werden. Vier von ihnen bilden mit dem dahinterliegenden, langgestreckten Bestandsriegel einen dreieckigen Platz. Die acht Planungsbüros hat Trockland direkt beauftragt, wer welches Gebäude gestalten durfte, wurde per Losverfahren ermittelt, schreibt die Berliner Zeitung.
Die von GRAFT gestaltete Fassade der Station A bildet den Auftakt im Nordosten. Darauf folgen Fassaden von Grüntuch Ernst Architekten, Julian Breinersdorfer, KSP Engel, LAVA Laboratory for Visionary Architecture, LXSY Architektur, Tchoban Voss Architekten und Thomas Hillig Architekten (alle u.a. Berlin). Block E, ein langgestreckter Stahlbetonbau aus den 1960er Jahren und einstiger Sitz des DDR-Jungendsenders DT64, wird von AIP (Leipzig) mit Dachterrasse und Café zu Work-Lofts umgebaut.
Die Vermietung hat bereits begonnen. NYX Hotels und die Apartmentbetreiber Nena und The BASE stehen als Partner schon fest. 2029 sollen alle Gebäude fertig sein. Bleibt allein die Frage, was wohl James Brown dazu sagen würde, dass die Audioline seines Songs „Funky Drummer“ in die Fassade von Grüntuch Ernst gefräst werden soll? (fm)
... Aber hier geht's ja nicht um bunte 90er, denn dafür wären gerne Erinnerungen an Steidle oder Sauerbruch wiedererweckt worden ...
Thema des Entwurfs ist das schlechte Gewissen, nur akkumulierten Kapital zu dienen, aber dennoch Vielfalt vorgaukeln zu müssen.
Nichts besonderes also für eine Welt, in der ein Konzern hunderte von Bierlabels verwaltet.
Welche Unerfreulichkeit für das Auge bedeuten unsere neuen Straßenzüge, in denen jeder Architekt sich bläht, um die Aufmerksamkeit auf seine Entwurfsarbeit zu ziehen, in denen marktschreierisches Gebaren einen Augenlärm verursacht, der den Ohrenlärm des Straßenverkehrs noch übersteigt. Die alten Bauten waren das Ergebnis einer Zeit, die völlig selbstverständlich in Einheitsformen schuf, die neuen sind die Kinder eines Geschlechts, das dem Individualismus und der Abwechslung huldigt und damit unleidlich wird.
Offenbar gewünschte Konsumarchitektur mit kurzer Haltbarkeit.