Mehr als Medien
Umbau Mediathek in Saint-Mandé von Antonio Virga
Mediatheken sind in vielen Ländern inzwischen weit mehr als Bibliotheken, die Bücher, Musik, Filme und Zeitschriften anbietet. Wie viele Um- und Neubauten der vergangenen Jahre zeigen, sind sie Orte, an denen sich Jung und Alt treffen und gemeinsam Zeit verbringen können. Gerade in kleineren Städten, wo es weniger kulturelle Angebote gibt als in Großstädten, erfüllen sie damit auch eine wichtige soziale Funktion.
Nun kann man von der 21.000-Einwohner-Gemeinde Saint-Mandé östlich von Paris nicht behaupten, sie sei eine kulturelle Wüste. Ganz im Gegenteil: Die Stadt hat ein eigenes Classic Jazz Festival, seit 2019 gibt es das Kulturzentrum Cresco. Auch über eine Mediathek verfügt Saint-Mandé schon lange, nur dass diese bis vor Kurzem den Charme eines in die Jahre gekommenen Verwaltungsbaus hatte. Seit letztem Mai ist nun aber auch dieses Haus ein Anziehungspunkt. Der italienisch-französische Architekt Antonio Virga (Paris) und sein Team haben dem Bestand aus dem Jahr 1971 eine neue Identität verliehen.
Äußerlich markieren drei Elemente aus gold eloxiertem Aluminium diesen Wandel: Erstens ein neues Vordach am Eingang, das dem Gebäude mehr Präsenz im Straßenraum geben soll. Zweitens eine spielerische Fassadenbeeschriftung, die je nach Blickwinkel verschiedene Bilder zeigt. Und drittens ein Dachaufbau, der sich die vorteilhafte Lage am Lieblingswald vieler Pariser*innen zunutze macht. Denn so entsteht eine zusätzliche Ebene zum Lesen und Entspannen – mit Blick auf den Bois de Vincennes.
Im Inneren bietet die neu gestaltete Mediathek nun rund 1.600 Quadratmeter Nutzfläche auf fünf Ebenen. Dabei verwebt das Raumprogramm klassische Bibliotheksräume mit Arbeitsplätzen und Entspannungsorten und macht das Ganze zu einem Ort, der unterschiedliche Altersklassen gezielt anspricht. In der zweiten Etage zum Beispiel wurde ein eigener Bereich für Kinder und Kleinkinder eingerichtet. Die dritte Etage ist mit Comics und Graphic Novels, Illustration und Animationsfilmen der Pop-Kultur gewidmet.
Sitzstufen aus Beton verbinden den Empfangsbereich mit dem tiefer gelegenen Garten- und Erdgeschossniveau. Dort erweitert ein Lesegarten die Mediathek ins Freie. Und dort konzentriert sich auch das soziale Programm des Hauses: Café, Projektraum und Aufenthaltsbereiche bilden ein niedrigschwelliges Raumangebot, einen sogenannten dritten Ort zwischen Wohnen und Arbeiten.
Das räumliche Konzept unterscheidet zwischen festen und mobilen Elementen. Während der Bestand die funktionale Ordnung bestimmt, sind die Flächen flexibel nutzbar. Niedrige Regale und Lesemodule folgen dem Fassadenraster und bewahren die räumliche Durchlässigkeit über die Geschosse hinweg. Die sandgestrahlte Tragstruktur aus Beton und die technischen Installationen an den Decken bleiben sichtbar. Die Möbel setzen kräftige Farbakzente. (fm)
- Architektur:
- antonio virga architecte
- Projektleitung:
- Maxence Fougère, Enrico Ceglie, Chiara Monti
- Statik:
- EVP
- Landschaftsarchitektur:
- Oxyvert
- Bauherrschaft:
- Mairie de Saint-Mandé
- Fläche:
- 1.582 m² Bruttogrundfläche
- Baukosten:
- 3.800.000 €




