Minus 490 Tonnen CO2
Holzbau in Brandenburg von Ziegert Roswag Seiler
Das Landesamt für Ländliche Entwicklung, Landwirtschaft und Flurneuordnung (LELF) in Brandenburg weiß, was dezentrales Arbeiten bedeutet: Es verteilt sich auf insgesamt 14 Standorte im ganzen Bundesland. Das „Referat für Ackerbau und Grünland“ beispielsweise sitzt am westlichen Dorfrand von Paulinenaue im schönen Havelland, knapp 50 Kilometer vor Berlin. Als Erweiterung des kleinen Campus haben ZRS Architekten und Ingenieure (Berlin) dort ein Verwaltungs- und Forschungsgebäude realisiert, das sich einerseits an der ländlichen Umgebung orientiert und andererseits als Holzkonstruktion mit einer minimierten Gebäudetechnik auch ein zukunftsweisender Neubau ist.
Das L-förmige Haus bietet 871 Quadratmeter Nutzfläche und besteht aus zwei Teilen: Einer großen Werkhalle mit außermittigem Giebel und einem rückwärtigen Verwaltungsgebäude mit Satteldach. Zusammengefasst werden beide Teile durch die einheitliche Fassade aus horizontalen Lärchenholzbrettern. Die Haupterschließung erfolgt aus südlicher Richtung über den offenen Hof, das Gebäude bietet aber auch Zugänge von Norden und Westen. Ebenfalls in der westlichen Fassade befindet sich außerdem ein großes Rolltor, das direkt in die für Ernteprobenaufbereitung und -analyse vorgesehene Werkhalle führt. Im Erdgeschoss des Verwaltungsbaus liegt ein öffentlicher Bereich mit Foyer und einem Konferenzraum.
Das gesamte Gebäude wurde in Holzrahmenbauweise mit Holzfasereinblasdämmung und aussteifenden Wandscheiben errichtet. Das Holz stammt aus zertifiziert nachhaltiger Forstwirtschaft. Wo immer möglich, blieb es sichtbar: Die Brettstapeldecken und die Fachwerkbinder der Dachkonstruktion bleiben unverkleidet. Treppenhauskern und Aufzugsschacht hingegen sind zwar aus massiven Brettsperrholzwänden, mussten aber brandschutztechnisch verkleidet werden. Da das Gebäude als Industriebau beurteilt wurde, waren die Anforderungen entsprechend erhöht. „Nur durch die enge Abstimmung mit dem Brandschutz, konnte eine vollständige Holzbauweise ab dem Fundament aufwärts realisiert werden“, schreiben ZRS dazu. Die tragenden Teile und die Decken bestehen aus Fichten- oder Tannenholz, fast alles konnte vorfabriziert werden. Lediglich die frostsicher gegründeten Streifenfundamente wurden in Stahlbeton ausgeführt. Die Bodenplatte aus Magerbeton blieb als schwimmender Aufbau auf Schaumglasdämmung ohne Stahlbewehrung. Die Verwendung von Beton konnte so auf 260 Kubikmeter reduziert werden.
Die Dachflächen nach Norden wurden extensiv begrünt, die nach Süden mit einer Photovoltaikanlage bestückt. Bis auf die Sanitärbereiche wird das Gebäude ausschließlich natürlich belüftet. Feststehende Blindelemente in der Fassade sorgen für die Nachtauskühlung, die Bodenheizung, die ebenfalls zur Raumkühlung genutzt werden kann, wird über eine Geothermie-Anlage versorgt.
Insgesamt sei hier laut ZRS ein Gebäude mit einer „beispielhaften Verwendung von natürlichen und ressourcensparenden Baumaterialien“ entstanden, das „fast ausschließlich aus nachwachsenden Rohstoffen“ errichtet werden konnte. Dazu haben die Architekt*innen eine Vergleichsrechnung für dasselbe Gebäude in konventioneller Bauweise angefertigt. Dort wären 580 Kubikmeter Stahlbeton nötig gewesen. So sind im Holz des Gebäudes nun nicht nur 350 Tonnen CO2 gespeichert, sondern es konnten zusätzlich noch 140 Tonnen CO2-Ausstoß vermieden werden. Die wären sonst bei der Herstellung des nötigen Betons angefallen. (fh)
Fotos: ZRS Ziegert Roswag Seiler
Aber immerhin können manche hier ihre banalen Kommentare abgeben.
Was die CO2-Bilanz angeht bin ich extrem verwundert, dass hier in einem Fachmagazin so plump diskutiert wird. Das es günstiger wäre, gar nicht zu bauen, ist das dämlichste Argument, das man sich nur vorstellen kann. Und natürlich ist eine Vergleichsrechnung zu einem konventionellen Bau aus Stahlbeton eine seriöse Rechnung. Zuletzt: Architektonisch allerdings finde ich die zwei Gebäude ebenfalls eher enttäuschend. Vor allem bei der Fassade aus extraschmalen Brettlein wüsste ich gerne, ob dahinter ein Argument steckt. Die Innenräume allerdings, zB mit der Galerie und der Shed-Belichtung sehen prima aus.
die Logik funktioniert mit zwei Prämissen: - Es existiert ein funktionierendes Forstsystem - Die für Bäume/Wald zur Verfügung stehende Fläche ist endlich und weitestgehend ausgeschöpft Dem gespeicherten CO2 im Holz ist es erstmal egal, ob das Holz in einem lebenden Baum ist, in einer Halle rumliegt oder in einem Gebäude verbaut wurde. Aber nur die Nutzung des Holzes im Gebäude hat folgende Effekte: - es ersetzt einen Baustoff, der sonst zusätzliches CO2 erzeugen würde - das Holz ist im eingebauten Zustand (hoffentlich) dauerhaft vor Verrottung geschützt, das CO2 also erstmal gespeichert - es entsteht kein Aufwand für eine dauerhafte Lagerung (mit Schutz vor Verrottung) - es steht Platz für neue Bäume zur Verfügung Zwar ohne Bezug zu Holz und CO2, aber als mögliches Denkmodell, empfehle ich Ihnen "Thinking in Systems - A primer" von Donella Meadows.