Schottenbau am Pazifik
Strandvilla in Mexiko von Studio Font
Vor wenigen Tagen gab es eine Villa mit Ostseeblick zu bestaunen, bei der einem durchgehenden Erdgeschoss zwei getrennte Baukörper aufgesetzt waren. Nun folgt eine mexikanische Variante dieser Konfiguration, die aufgrund ihrer Konstruktion allerdings einen ganz anderen Eindruck vermittelt. Entworfen und geplant hat das Projekt Raquel Font, die unter dem Namen Studio Font arbeitet und zwischen Mexiko-Stadt und Barcelona pendelt. Sie hat unter anderem an der Berliner UdK studiert und bei Francis Kéré gearbeitet.
Casa Macahuite nennt sich das Projekt, das nahe eines gleichnamigen Weilers an der mexikanischen Pazifikküste rund 40 Kilometer südöstlich von Puerto Escondido im Bundesstaat Oaxaca steht. Die Küste ist recht malerisch, aber das Meer gilt aufgrund starker Strömungen als eher gefährlich. Am Strand von Macahuite legen außerdem geschützte Meeresschildkröten ihre Eier. Bei ganzjährig um die 30 Grad Durchschnittstemperatur empfiehlt sich also eher der Pool, der quer vor dem Gebäude liegt. Zwischen pittoresken Kakteen und allerhand kleinerem Gestrüpp schmiegt sich das Haus in den weichen Sand.
Dass es sich hier um kein reguläres Wohn-, sondern primär um ein Wochenend- und Ferienhaus handelt, wird schon beim Blick auf die Grundrisse deutlich. Ein stattliches offenes Wohnzimmer mit Terrasse zum Pool dominiert, während die flankierenden Volumen ansonsten nur noch drei Schlafzimmer, eine Bar und eine Küche aufnehmen. Zwei der Schlafzimmer sind außerdem über einen Luftraum verbunden, was in dieser Form sicherlich auch eher etwas für kurze Aufenthalte sein dürfte. Und damit ist man auch schon auf der richtigen Spur, findet man im Netz doch schnell Hinweise, dass das Haus unter seinem zweiten Namen Casa Nopales von jedermann für Übernachtungen gebucht werden kann.
Raquel Font hat eine reduzierte Betonstruktur entworfen, die aus nur fünf Scheiben besteht – vier als vertikale Schotten angeordnet und eine dazwischen gehängt. Während die flankierenden Volumen komplett aus Ortbeton bestehen, handelt es sich bei der Überdachung des Wohnbereichs um eine offene Holzkonstruktion. Ein Plankenboden und diverse Klapp- und Schiebeelemente, ebenfalls aus Holz, ergänzen die Betonstruktur.
In der Nutzung ist das Haus dank Photovoltaik, Solarthermie, eigenem Brunnen und biologischer Wasseraufbereitung autark. Die Schotten sollen außerdem tagsüber die Kühlung per Querlüftung begünstigen, während nachts der Beton als Wärmespeicher die niedrigeren Temperaturen ausgleicht. (sb)
- Fertigstellung:
- 2025
- Architektur:
- Studio Font
- Weitere Planungsbeteiligte:
- KOVA (Elektroplanung), Fremer (Planung Gebäudetechnik), F. Calleja (Tragwerksplanung)
- Bauherrschaft:
- privat
- Fläche:
- 300 m² Nutzfläche





