Von Garagen und Geheimtüren
Umbau bei München von ANA, Cainelliklaska und Helena Eichlinger
Wo früher das Auto stand, wird heute gewohnt, gekocht und gegessen. Für den Umbau eines 1967 errichteten Kettenhauses in Unterhaching bei München verwandelte das junge Büro ANA (München) in Zusammenarbeit mit Cainelliklaska (Berlin) und Helena Eichlinger (München) die ehemalige Garage in zusätzlichen Wohnraum. Möglich machte dies die besondere Typologie des Kettenhauses: Anders als beim klassischen Reihenhaus grenzen die einzelnen Wohneinheiten hier nicht direkt aneinander, sondern sind durch niedrigere Zwischenbauten, meist Garagen oder Carports, miteinander verbunden.
Das Haus liegt am Ende einer solchen Kette und gehört zur Siedlung Fasanenpark, die in der Nachkriegszeit von der Wohnungsbaugesellschaft Neue Heimat Bayern errichtet wurde. An der Planung war unter anderem Franz Ruf – der jüngere Bruder von Sep – beteiligt. Der Bestand zeigt sich klar und sachlich, ganz im Stil des funktionalen Wohnungsbaus jener Zeit. Diesen Charakter wollten die Architekten und Brüder Tobias und Lukas Fink von ANA bewahren, gleichzeitig aber auch neue Akzente setzen. Obwohl das Haus nicht unter Denkmalschutz steht, legte laut Architekt*innen auch die Gemeinde Wert auf den Erhalt der ursprünglichen Gestalt.
Der Bebauungsplan erlaubte dennoch eine Aufstockung des eingeschossigen Garagenanbaus. Diesen Spielraum nutzten die Architekt*innen, um den kompakten Grundriss im Erdgeschoss zu öffnen und zusätzliche Wohnfläche zu schaffen. Die ehemalige Garage nimmt nun Teile der offenen Küche und des Essbereichs auf. Der Stellplatz wurde vor das Haus verlegt.
Anstelle der bisherigen Stahlbetondecke wurde dem Garagenanbau ein Sheddach mit Fensterband aufgesetzt. Die leichte Holzkonstruktion hebt sich im Innenraum deutlich vom Bestand ab und verleiht dem Raum einen luftigen, beinahe hallenartigen Charakter – daher auch der Projektname Haus mit Halle. Die bisher ungedämmte Bodenplatte wurde ersetzt, alle Dachflächen wurden gedämmt.
Von außen tritt der neue Dachaufbau vergleichsweise dezent in Erscheinung. Dafür sorgt vor allem die hohe Attika, deren asbesthaltige Verkleidung durch Stehfalzblech ersetzt wurde. Neue Aluminiumfenster und eine blau lasierte Holzverschalung setzen weitere Akzente. Letztere macht im Eingangsbereich die ehemalige Garage noch immer klar ablesbar. Ganz neu ist die Farbgebung allerdings nicht: Das kräftige Blau geht laut ANA auf Hinweise in historischen Unterlagen zur Siedlung zurück.
Auf eine Außendämmung der Wände verzichteten die Architekt*innen, „um graue Energie zu sparen und weil sie die Proportionen der Fassade und die Anschlüsse an die Nachbarhäuser verändert hätte“. Die neuen Fenster erhielten innen teilweise eine Laibungsdämmung. Wärmebrücken an auskragenden Bauteilen wurden durch Flankendämmungen reduziert.
Im Inneren werden die neuen Eingriffe vor allem durch helle Einbauten und (Schiebe-)Türen aus Holz sichtbar. Besonders deutlich zeigt sich das im Obergeschoss, wo der ehemals großzügige Flur neu aufgeteilt wurde, um Platz für ein zusätzliches Duschbad zu schaffen. Die neuen Einbauten gliedern den Bereich so, dass der Eindruck entsteht, man betrete einen Schrank statt eines Raums.
In den Kinderzimmern ist dieser Eindruck gar nicht so verkehrt: Hier verbirgt sich in einem beidseitig nutzbaren Stauraummöbel tatsächlich eine Geheimtür, die beide Räume miteinander verbindet. Im Keller wurde außerdem noch der Hobbyraum zum Gästezimmer umgebaut und die Waschküche um ein Bad ergänzt. (dsm)
- Fertigstellung:
- 2026
- Architektur:
- ANA
- Team:
- Lukas Fink, Tobias Fink
- In Zusammenarbeit mit:
- Cainelliklaska, Helena Eichlinger
- Tragwerksplanung:
- Thomas Hintermann (a.k.a Ingenieure)








