Mit Neigung zum Wald
Einfamilienhaus in Südböhmen von Papundekl architekti



Ein kleines Dorf in Südböhmen, grob gelegen zwischen Budweis und Prag, landschaftlich schön, aber trotzdem gut angeschlossen: keine schlechte Umgebung für einen Alterssitz. Das dachte sich auch ein junggebliebenes Paar jenseits der 60, das etwas näher an der Natur leben wollte. Bei einem Budget von gerade einmal 200.000 Euro haben Papundekl architekti (Prag) alles gegeben, um diesen Bedürfnissen gerecht zu werden – mit Erfolg.
Das eingeschossige Gebäude liegt hinter einem konventionellen Wohnhaus etwas versteckt am südwestlichen Dorfrand. Mit seiner Putzfassade fügt es sich unauffällig ein. Wohnen würde man dabei gar nicht unbedingt erwarten. Genauso gut könnte es sich um einen landwirtschaftlichen Nutzbau handeln, beispielsweise um eine einfache Fahrzeughalle. Letzteres mag auch am Format des Volumens liegen: Rund sechsundzwanzig Meter lang bei nicht ganz sechs Metern Tiefe. Die Ausrichtung des Hauses mit seiner eher verschlossenen Südseite gibt dabei einen Hinweis auf die Prioritäten der Bauherrschaft.
Worum es bei der Orientierung nämlich geht, wird auf der Nordseite deutlich, wo sich das Haus auf gesamter Länge mit variierenden, aber durchgehend großformatigen Fenstern zum nahegelegenen Wald öffnet. Analog zum Pultdach ist die Fassade aus Glas und Stehfalzblech schräggestellt. Äußerlich lässt die Gestaltung an Industriebauten der Moderne, aber auch an alpine Schutzbauten denken. Im Inneren trägt die geneigte Front hingegen dazu bei, die Umgebung näher heranzurücken: Der Raum öffnet sich nicht nur die Wiese, auch Baumkronen und der Himmel rücken ins Blickfeld.
Die gelungene räumliche Wirkung wird mittels einer simplen Konstruktion erzielt. Während die beiden Stirnseiten und die Südseite teils gemauert sind, wurde das restliche Haus in Holzrahmenbauweise umgesetzt. Die Rahmen sind in einem strikten 2-Meter-Raster angeordnet, was auch die Raumstruktur vorgibt: Vier Meter für alle wichtigen Nutzungen, zwei Meter für alle dienenden Räume. Der Wohn- und Essbereich im Zentrum des Grundrisses verfügt über bodentiefe Fenster, der Schlafraum und die Gästezimmer an den beiden Enden des Volumens sind mit halbhohen Fenstern hingegen etwas geschützter konfiguriert.
Hinsichtlich der Materialisierung bleiben die Architekt*innen nahe an der inhärenten Erscheinung der Baustoffe. Holz bleibt holzsichtig und der Boden besteht aus geschliffenem grauen Estrich. Alle Wände und Einbauten sind hingegen hell abgesetzt. Draußen dienen Betonterrassen als Austritte – auf beiden Seiten, sodass die Bewohner*innen bei Bedarf also auch die südliche Sonne genießen können. (sb)


- Fertigstellung:
- 2026
- Architektur:
- Papundekl architekti
- Team:
- Jan Bárta, Simon Bierhanzl, Marek Fischer, Marija Milas
- Mitarbeit:
- Matěj Sépka
- Fläche:
- 123 m² Nutzfläche
- Baukosten:
- 200.000 € Gesamtkosten













