Gabeln und Schindeln am Erlenmattpark
Geschosswohnen in Basel von EMI Architekt*innen




Auf dem Areal eines ehemaligen Güterbahnhofs im Nordosten von Basel befindet sich das Stadtentwicklungsgebiet Erlenmatt. Die Baufelder östlich des Erlenmattparks gehören zum Quartier Erlenmatt Ost. Dort erwarb die Stiftung Habitat, eine gemeinnützige Wohnbauträgerin, im Jahr 2010 drei Baufelder zwischen Park und Stadtautobahn, die seither schrittweise entwickelt werden. In der zweiten, abschließenden Bauetappe entstehen am nördlichen Rand die Bausteine 6, 12 und 13. Baustein 12 planten EMI Architekt*innen aus Zürich – ein fünfgeschossiges Wohnhaus als Holzskelettbau.
Grundfläche und Höhe des Gebäuderiegels waren durch den Masterplan für Erlenmatt Ost vorgegeben. Das äußere Erscheinungsbild ist durch den Wechsel vertikaler Fassadenabschnitte aus dunklen Holzschindeln und hellen Sprossenfenstern geprägt. Vorgesetzte Balkone und feuerverzinkte Metallbauteile gliedern die Fassade und setzen sich von den Holzflächen ab. Das gerasterte Bild macht den konstruktiven Holzbau ablesbar. Die Erschließung erfolgt von Osten hofseitig über zwei Eingänge, die Westseite orientiert sich zum Erlenmattpark.
Der Neubau umfasst 21 Mietwohnungen, die sich insbesondere für Familien und Wohngemeinschaften eignen. Zwei Treppenhäuser mit Aufzügen erschließen als Zweispänner die unterschiedlich großen Einheiten. Grundsätzlich sind alle Wohnungen ähnlich organisiert: Die Zimmer gruppieren sich um eine zentrale Halle mit angegliederter Küche. Ein kurzer Flur vor den mittig liegenden Bädern ordnet die Privaträume dabei entweder der einen oder anderen Wohnung zu. So entstanden Konstellationen von 3-bis-6,5-Zimmer-Apartments. In Querrichtung angeordnete Türen schaffen Durchblicke und fließende Raumbezüge. Die großzügigen Sprossenfenster sorgen für eine gute Belichtung.
Die Tragstruktur ist als vierachsiges Holzskelett ausgebildet. In Längsrichtung verlaufen Unterzüge, die in den Vertiefungen gegabelter Stützen liegen. Diese Ausbildung erlaubt, dass die Stützen direkt übereinander stehen – ohne dazwischenliegende horizontale Bauteile. So werden die Lasten, den Trageigenschaften des Holzes entsprechend, durchgängig parallel zur Faserrichtung abgetragen.
Zwischen den Unterzügen spannen Brettstapelelemente, die zur Verbesserung von Schallschutz und Masse mit einer Schüttung beschwert sind. Die Brettstapeldecken werden in die horizontale Lastabtragung einbezogen. Vier große vertikale Fachwerkträger aus Buchenholz mit jeweils rund 4,40 Metern Breite und 14,50 Metern Höhe übernehmen wesentliche Aufgaben der Aussteifung. Sie sitzen im Bereich der Treppenhäuser und Giebelseiten in den geschlossenen Fassaden.
Die Konstruktion folgt dem Prinzip des „Design for Disassembly“: Tragstruktur, Ausbau und Raumstruktur sind weitgehend voneinander getrennt, sodass sich Bauteile später leichter demontieren, austauschen und wiederverwenden lassen. Diesem Prinzip entsprechen Grundriss und Tragwerk ebenso wie die konstruktiven Details. Der ungewöhnliche doppelte Knick der Trennwände sei dabei ein spielerischer Umgang mit dem Thema der nichttragenden Wand, heißt es im espazium magazin. Die Holzständerkonstruktion beplankten EMI mit Gipsplatten samt Glasvliestapete.
Die Fassade ist abschnittsweise mit karbonisierten Lärchenholzschindeln bekleidet. Bei diesen wurde die Oberfläche kontrolliert angekohlt, um eine charakteristische dunkle Färbung zu erzielen und die Schindeln widerstandsfähig gegenüber Witterungseinflüssen zu machen. Und auch die Innenräume prägt Holz: Die Böden sind mit strapazierfähigem Industrieparkett aus Eiche belegt, Küchenschränke, Wand- und Deckenoberflächen sowie Fenster und Türen in Fichten- und Tannenholz ausgeführt.
Dies ist die leicht überarbeitete Version eines Beitrags, der zuerst auf BauNetz Wissen in der Rubrik Holz erschien.


- Fertigstellung:
- 2026
- Architektur:
- EMI Architekt*innen
- Team Architektur:
- Ron Edelaar, Elli Mosayebi, Christian Inderbitzin, Peter Gaub, Alexander Gebetsroither, Zoe Börmann, Niklas Häggmark, Sara Lazarevic, Lou Münger, Niccolo Giovannella, Julia Janiel
- Bauinigenieurbüro:
- wlw Bauingenieure
- Holzbauingenieur, Bauphysik:
- Pirmin Jung Schweiz
- HLS:
- Bogenschütz
- Elektroplanung:
- Schäfer Partner
- Landschaftsarchitektur:
- EMI Architekt*innen
- Bauherrschaft:
- Stiftung Habitat
- Fläche:
- 2.710 m² Bruttogrundfläche
- Baukosten:
- 12.088.274 € (BKP 1–9)













