Lehmziegel treffen Beton
Schweizer Botschaftsresidenz in Abidjan von Localarchitecture
Schon fast zehn Jahre ist es her, da eröffnete in der Millionenstadt Abidjan, dem wirtschaftlichen und kulturellen Zentrum des westafrikanischen Landes Côte d’Ivoire, der Erweiterungsbau der Schweizer Botschaft. Entworfen hatten ihn Localarchitecture. Nun folgte der zweite Auftrag vor Ort für das Büro aus Lausanne, die dabei mit dem in Abidjan ansässigen Architekturbüro ACA zusammenarbeiteten: eine Residenz für den stellvertretenden Botschafter. Das Gebäude dient dabei nicht nur als Wohnhaus, sondern auch als offizieller Empfangsort für alle diplomatischen Aufgaben der Schweizer Delegation.
Der Grundriss arbeitet mit dieser Doppelfunktion: Alle Räume sind um einen zentralen Innenhof herum platziert. So erhalten sie viel Tageslicht, es entstehen zahlreiche Blickbeziehungen, zusätzlich unterstützt der Hof natürliche Belüftung und passive Kühlung. Der repräsentative Empfangs- und der Privatbereich verfügen über separate Eingänge. Beide Funktionen finden im Hauptwohnraum mit schattiger Veranda zusammen, auf die ein üppiger Garten mit einheimischen Pflanzen folgt.
Localarchitecture verweisen auf die modernistische Architektur in Abidjan, die nach der Unabhängigkeit des Landes 1960 entstand und die Stadt seither prägt. Auf das reiche modernistische Erbe hatte sich schon der Entwurf für die Botschaftserweiterung 2016 bezogen. Der pavillonartige, 305 Quadratmeter große Baukörper der Residenz ist eine Fortschreibung dieses Themas, auch hier bildet Stahlbeton das Tragwerk. Besonders prominent in Erscheinung tritt es am gefalteten Dach, den teilweise vor die Fassaden gestellten Sichtbetonstützen und der leicht über der Erde schwebenden Bodenplatte, zu der zwei Stufen hinaufführen. Die Ausrichtung der Dachfalten optimiert die Sonneneinstrahlung in den unterschiedlichen Jahreszeiten.
Zum Beton tritt jedoch ein zweites, traditionelles Material der Region hinzu: Lehmziegel. Der rostbraune Lehm stammt aus einem nahen Steinbruch. Mit einer Hydraulikpresse fertigte ein lokaler Handwerker zwei Größen von Sichtziegeln für die doppelten Außenwände und die Innenwände der Residenz an. Zur Stabilisierung wurde dem Lehm ein geringer Zementanteil beigemischt.
Die Lehmziegel unterstützen die natürliche Klimatisierung der Räume – ein Thema, das in den modernistischen Häusern der Stadt ein zentrales Problem darstellt, das gemeinhin mit Klimaanlagen gelöst wurde. Ganz bewusst soll die Residenz daher auch für den Baustoff Lehm werben, der vor Ort oft noch als minderwertiges Material gesehen wird.
Die Baustelle der Residenz fungierte dabei zugleich als Ausbildungsstätte: Das Genfer Unternehmen Terrabloc, das mit der Produktion der Ziegel betraut war, führte in Abidjan ein Team lokaler Maurer in die Lehmbautechnik ein. Mit geometrischen Mustern, die direkt mit den neuen Lehmmeistern vor Ort enwickelt wurden, sowie Vor- und Rücksprüngen vermitteln die Wände das ästhetische Potenzial von Lehmbausteinen. Es scheint funktioniert zu haben: Wie Localarchitecture berichten, hat einer der Maurer inzwischen sein eigenes Lehmbauunternehmen gegründet. (fh)
- Fertigstellung:
- 2025
- Architektur:
- Localarchitecture
- Kooperationspartner:
- Architectes Consultants et Associés ACA
- Tragwerksplanung:
- Thomas Jundt Ingenieure
- Bauherrschaft:
- Bundesamt für Bauten und Logistik BBL
- Fläche:
- 305 m² Bruttogrundfläche




