Jugendzentrum rettet Busdepot
Umbau in Karlsruhe von AAg und Drescher Michalski
Es war beschlossene Sache, die Hallen eines ehemaligen Busdepots in Karlsruhe sollten einem Park weichen. Doch dann stellte man fest, dass ein lokaler Skateverein und ein soziales Projekt für junge Fußballfans des KSC neue Räumlichkeiten suchten. AAg Architekten (Heidelberg) und Drescher Michalski Architekten (Karlsruhe) haben die im besten Sinne pragmatische Umnutzung des langgezogenen Stahlbetonbaus geplant.
In den sogenannten RVS-Hallen wurden früher die Fahrzeuge der Regionalbusverkehr Südwest (RVS) gewartet und repariert. Sie gehörten zum Busdepot in der Karlsruher Oststadt aus den 1930er Jahren. Nachdem der Verkehrsbetrieb ausgezogen war, ließ die Stadt den zugehörigen Verwaltungsbau und einen Teil der Werkstatthallen für den auf Spiel und Bewegung ausgelegten Otto-Dullenkopf-Park umfunktionieren. Seit 2023 finden hier nun Büro-, Veranstaltungs- und Trainingsflächen des benachbarten Kinderzirkus Platz. Die Sanierung planten AAg, Drescher Michalski übernahmen LP 8-9.
Der Abbruch der übrigen RVS-Hallen war baulich sogar bereits vorbereitet, erzählt Architekt Manuel Michalski. Allerdings musste das Fanprojekt Karlsruhe seinen vorherigen Standort aufgeben. Die sozialpädagogische Einrichtung, die sich vor allem an junge KSC-Fans richtet, ist wie der Zirkus beim Verein Stadtjugendausschuss angesiedelt. So schuf man Platz in den RVS-Hallen und brachte gleichzeitig auch den Skateverein Rollbrett und Bereiche für die Parkour-Szene unter. Verantwortlich für Planung dieses zweiten Bauabschnitts waren wiederum AAg (LP 1-4) und Drescher Michalski (LP 5-9 und Teile von LP 3).
Aus den als obsolet abgestempelten Hallen wurde also plötzlich ein ziemlich nützlicher Ort für soziale Jugendorganisationen. Die basilikale Struktur aus Stahlbetonrahmen und einem Dach aus Porenbetonplatten samt Trapezblechdeckung konnte weitestgehend erhalten bleiben. Für die Sportbereiche habe man die Hallen gewissermaßen nur aufgeräumt, so Michalski. Heutige Energiestandards einzurichten, sei wirtschaftlich nicht tragbar gewesen. Stattdessen ließen die Architekt*innen nach der nötigen Beton- und Schadstoffsanierung die alten Werkstatteinbauten entfernen und bildeten die Sportbereiche als „Kalthallen“ aus. Bestehende Rolltore haben sie instandgehalten oder versetzt und neue Böden sowie Infrastruktur-Container eingefügt. Sämtliche parkour- und skate-spezifischen Einbauten setzen die Nutzenden nun selbst nach und nach um.
Die Räume des Fanprojekts befinden die sich unverkennbar am östlichen Kopfende der Hallen, wo Graffitis in den KSC-Vereinsfarben die Backsteinfassade schmücken. Hier setzten die Architekt*innen auf eine Raum-in-Raum-Lösung. Die einfachen, mit Seekieferplatten beplankten Holzrahmenkonstruktionen kommen daher ohne Witterungsschutz aus und können rückstandslos wieder ausgebaut werden.
Ähnlich wie die Ateliers von KO/OK in einer alten Leipziger Maschinenhalle sind dabei nur bestimmte Bereiche warm. In Karlsruhe teilten AAg und Drescher Michalski die Halle in zwei Teile. Nördlich kommen Büros und Sanitärräume als eingestellte, gedämmte Volumen unter. Dazwischen bleiben ein breiter Gang und darüber eine große Galerieebene als flexible „Außenräume“ offen. Das neue Obergeschoss profitiert dabei von der Belichtung durch die erhöhte Mittelzone und lässt sich zum Herstellen und Lagern großer Transparente nutzen.
Die andere, südliche Hallenhälfte belegt ein großer Veranstaltungsraum mit angeschlossener Küche. Die dazugehörige Stampflehm-Theke dürfte den KSC-Fans bestens gefallen. Sie entstand am KIT unter Leitung von Andrea Klinge, deren Studierende vereinstypische blaue Pigmente in den Stampflehm mischten. Die Außenwände des Veranstaltungsraums sind mit einer mineralischen verputzten Innendämmung und die Öffnungen mit Profilglas versehen. Die Fenster der gegenüberliegenden Büroräume erhielten hingegen Schiebeläden aus Lärchenholz.
Der Park, der den Bestandsbau ersetzen sollte, soll nun durch diesen hindurchgeführt werden. Dafür öffneten die Architekt*innen zwei Achsen zwischen Parkour- und Skatehalle, um künftig die bislang graue Fläche südlich des Baus anzuschließen. (mh)
- Fertigstellung:
- 2026 (2. Bauabschnitt)
- Architektur LP 1-4:
- AAg Architekten
- ARCHITEKTUR LP 5-9 (und Teile von 3):
- Drescher Michalski Architekten
- Statik und Bauphysik:
- Ingenieurgruppe Bauen
- Brandschutz:
- Brandschutzservice Nelius
- Bauherrschaft:
- Stadt Karlsruhe / Amt für Hochbau- und Gebäudewirtschaft (HGW) c/o Karlsruher Fächer
- Fläche:
- 2.202 m² Bruttogrundfläche
- Baukosten:
- 2.950.000 € KG 300 + 400
Ebenfalls in Karlsruhe haben Drescher Michalski Wohnungen als Tischkonstruktion über einen teils ungenutzten Bau der Telekom gestellt.