Rückzug in Beton
Atelier in Leuven von Office Kersten Geers David Van Severen
Der belgische Maler und Zeichner Rinus Van de Velde wurde mit raumfüllenden Kohlezeichnungen bekannt, in denen er fantastische, teils autofiktive Geschichten erzählt. Seitdem hat er sein Repertoire stetig erweitert: Buntstiftzeichnungen, Keramik-Skulpturen, Kartoncollagen und Kurzfilme, für die er selbst die Kulissen baut. Zu seinen bestehenden Ateliers in Borgerhout und Merksem fehlte ihm ein Ort, an dem er ungestört arbeiten kann – ein Rückzugsort abseits der Stadt.
In seiner Heimatstadt Leuven fand er ein Eckgrundstück am südlichen Stadtrand, auf dem ein ausgebranntes Haus stand. Für den Neubau wandte er sich an Office Kersten Geers David Van Severen aus Brüssel, deren Arbeit er von seiner Galerie in Antwerpen kannte. Was auf dem grünen Grundstück entstand, ist ein schlichter Betonkubus – rau, abstrakt, eher Werkzeug als Wohnhaus.
Das am Stadtrand gelegene Gebiet ist hochwassergefährdet. Daher hat der Neubau umlaufend runde Öffnungen im Sockel, die eine kontrollierte Flutung des Kriechkellers ermöglichen. An den Längsseiten sorgen zwei Vordächer aus perforiertem Aluminium für Privatsphäre und einen überdachten Außenbereich.
Im Erdgeschoss liegt das Atelier: ein dunkler, vollständig holzgetäfelter Raum mit nur einem Fenster und einem kleinen Lager – so hatte Van de Velde es sich gewünscht. Darüber ein kompakter Wohnbereich mit Schlafgelegenheit, Bad und Küche. Die identischen Fenster zu beiden Längsseiten lassen sich mit Glasschiebeelementen weit öffnen.
Beide Geschosse werden unabhängig über separate Außentreppen aus Aluminium erschlossen – eine kurze Stiege an der Stirnseite zum Atelier, eine längere an der Längsseite unter dem Vordach zur Wohnung. Beide lassen sich wie Leitern einfahren. Der Verzicht auf Innentreppen bringt mehr nutzbare Fläche, aber er hat auch etwas Programmatisches: Wer die Treppen hochzieht, ist für sich. Für einen Künstler, der seine Arbeit aus inneren Welten speist, ist das kein Luxus, sondern Arbeitsbedingung. (fh)
- Bauherr:
- Rinus Van de Velde
- Architektur:
- OFFICE Kersten Geers David Van Severen
- Tragwerk und Statik:
- Bollinger+Grohmann
- TGA:
- hp engineers
- Landschaftsarchitektur:
- Piet Oudolf
- Fläche:
- 270 m² Nutzfläche












