Mehr Platz am Jacobowitz-Hof
Büroerweiterung in Berlin von Julian Breinersdorfer Architekten
Die ehemalige Wäschefabrik, auch Jacobowitz-Hof genannt, in Berlin-Prenzlauer Berg ist ein eindrucksvolles Industriedenkmal aus dem Jahr 1913. Nun wurde der Bau nach Plänen von Julian Breinersdorfer Architekten (Berlin) erweitert.
Die Fabrik entstand nach Plänen von Georg Jacobowitz für das jüdisch geführte Textilunternehmen Gebrüder Borchardt. Große, dreiteilige Fenster ließen reichlich Tageslicht in die Arbeitsräume. An die überwiegend weibliche Belegschaft erinnern bis heute neun Medaillons, die die Straßenfassade schmücken. 1936 wurde das Unternehmen von den Nationalsozialisten enteignet. Nach wechselnden Nutzungen beherbergt der Bau heute vor allem Büros in den 3,60 Meter hohen ehemaligen Fabriketagen. Zu den prominentesten Mietern gehörte der Suhrkamp-Verlag, der hier von 2010 bis 2019 seinen Sitz hatte. Seit 1995 steht der Bau unter Denkmalschutz.
Der Anbau ist in mehreren Aspekten bemerkenswert. Da ist zunächst seine Lage, denn er konnte auf dem nördlichen Nachbargrundstück errichtet werden, ist aber ausschließlich über die historischen Treppenhäuser der alten Wäschefabrik zugänglich. Die bisherige Brandwand konnte dabei zur Innenwand werden, da der Neubau die vorgeschriebenen Abstandsflächen zu den Nachbargebäuden einhält. „Zugegeben hat mich das auch ein bisschen überrascht“, sagt Breinersdorfer. Weil der Anbau dadurch ohne eigene Flure und Erschließungsflächen auskommt, stehen insgesamt 1.200 Quadratmeter Nutzfläche zur Verfügung.
Bemerkenswert ist auch die gemeinsam mit Werner Sobek entwickelte Konstruktion. Das schlanke Holzskelett besteht aus hochfester Baubuche. Die Querschnitte der Holzstützen sind so groß wie ein DIN A3-Blatt, wobei dreiseitig ein Abbrandüberstand von sechs Zentimetern bereits eingerechnet ist. Die neuen Brandwände bestehen aus Hohllochziegeln, deren rötlicher Farbton und geriffelte Oberfläche gut mit dem Buchenholz harmonieren.
Die Durchbrüche in der historischen Brandwand werden von schlichten Stahlträgern abgefangen. Einen Kontrast zu Holz und Ziegeln bildet die Aluminiumfassade mit ihrer raumhohen Verglasung, die – ganz wie beim historischen Fabrikbau – viel Tageslicht ins Innere lässt.
Eine weitere Besonderheit sind die Geschossdecken: Haustechnik, Beleuchtung und raumakustische Elemente wurden vollständig in die Holzkonstruktion integriert. Zusätzliche Installationen und abgehängte Decken sind damit überflüssig. Für weitere Arbeitsflächen sorgt eine zweigeschossige Galerie zwischen Erd- und Untergeschoss, die über eine Wendeltreppe erschlossen wird. Selbst bis hierhin dringt Tageslicht. (fh)
- Architektur:
- Julian Breinersdorfer Architekten
- Projektsteuerung:
- GFP Deubner GmbH
- Bauleitung:
- Heron Bau- und Projektmanagement
- Tragwerksplanung, Fassade und Bauphysik:
- Werner Sobek AG
- TGA:
- Planungsbüro für Versorgungstechnik Dipl.-Ing. Lutz Kleemann
- Landschaftsarchitekten:
- Kretschmer Tauscher Sander Landschaftsarchitekten
- Bauherrschaft:
- GFG Gesellschaft für Grundeigentum, Zürich
- Fertigstellung:
- 2026
- Fläche:
- 2.400 m² Nutzfläche
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Dazu freut es mich, dass beim Betätigen des Lichtschalters zwischen Bild 4 und 5 sogar die Bodentanks mit angeknipst werden.