Sportlicher Re-Use
Kulturzentrum in Danzig von Roark Studio und IPA
Vom Schiffsbau zur Kreativwirtschaft: Während viele Hallen der Danziger Werft noch heute ihrem ursprünglichen Zweck dienen, werden insbesondere zentrumsnahe Anlagen inzwischen auch anderweitig genutzt. Das denkmalgeschützte Gebäude 31B liegt südlich der eigentlichen Werft-Insel Ostrów, was eine gute Erreichbarkeit garantiert. Seit letztem Jahr ist hier ein Kultur- und Atelierzentrum ansässig. Die Umnutzung wurde von Roark Studio (Sopot) als Architekturbüro und dem Innenarchitekten Filip Kozarski und seinem Büro IPA (Danzig) gestaltet. Die Buchstaben stehen für I Prefer Analog – und das passt irgendwie.
Das heutige Programm der Halle lässt sich grob in ein etwas kommerzielleres Erdgeschoss und ein gemeinnützigeres Obergeschoss unterteilen. Unten gibt es Barbetrieb, gastronomische Angebote und die Büros der Danziger Tourismusorganisation. Oben ist hingegen ein nicht-kommerzieller Kulturort namens Grid Arthub mit Ateliers für Kunst- und Kreativschaffende sowie Gemeinschaftsräumen für Workshops, Veranstaltungen und Begegnungen entstanden. Mit den Einnahmen aus dem Erdgeschoss werden günstige Mieten und der Kulturbetrieb im Obergeschoss finanziert. Bauherr der Umnutzung war die Immobiliengesellschaft Stocznia Centrum Gdansk, die eine größere Teilfläche der alten Werft zu einem neuen Quartier gleichen Namens entwickelt.
Mit Blick auf die Nutzung waren keine teuer sanierten Räumlichkeiten gewünscht. Stattdessen entwickelten die Architekt*innen eine konzeptionelle Gestaltung mit zahlreichen Reuse- und Selbstbau-Elementen. Glanzstück des Projekts ist der Holzboden im Obergeschoss, der aus einer Sporthalle eines Olympischen Trainingszentrums stammt. Als schönes Detail konnte die Oberfläche der Planken erhalten bleiben, was man an den farbigen Fragmenten der einstigen Spielfeldmarkierungen sieht. Aus dem Bestand ließen sich außerdem Glasscheiben und Steinzeugfliesen übernehmen. Türgriffe, Waschtische und Trennwände wurden hingegen aus Recyclingkunststoff neu gefertigt.
Im öffentlicheren Erdgeschoss ist die Atmosphäre deutlich an die industrielle Vergangenheit der Halle angelehnt. Hier wurden auch selbst gestaltete Möbel und Einbauten umgesetzt, deren Konstruktionsweise beispielsweise aus Schalungsplatten und Gerüstrohren ebenfalls vom Gedanken einer späteren Weiterverwendung geprägt ist. In beiden Etagen dient das Zentrum des Grundrisses als kollektiver Bereich, während die Peripherie in einzelne Büros unterteilt ist. (sb)
- Fertigstellung:
- 2025
- Architektur:
- Roark Studio, Paulina Lehmann
- Innenarchitektur:
- IPA - Filip Kozarski
- Konzept und Gesamtprojektleitung:
- Alicja Jablonowska
- Projektmanager:
- Michal Pilachowski
- Bauleitung:
- Lukasz Murawski
- Denkmalschutz:
- Ewa Jachnicka, Anna Kowalczyk Chmielewska (Fassade)
- Sanitärplanung:
- Marek Mizerski
- Elektroplanung:
- Mateusz Boiwko
- Bauherr:
- Stocznia Centrum Gdansk





