Im Untergrund spielt die Musik
Umgebautes Umspannwerk von &Givry in Paris
Ein wenig ist das kürzlich transformierte Art-Deco-Gebäude Poste Nation 1 im elften Pariser Arrondissement wie ein Eisberg. Oben zeigt sich die schöne Spitze, der Schwerpunkt liegt aber unter der Oberfläche. Hier, am Boulevard de Charonne unweit der Place de la Nation, heißt es in diesem Sinne: Im Keller spielt die Musik. Das Pariser Büro &Givry baute das ehemalige Umspannwerk zu Arbeitsflächen der Audioindustrie um. Der größte Aufwand floss dabei ins Untergeschoss.
Ursprünglich errichtet wurde das imposante Eckgebäude 1929 nach Plänen von Paul Marozeau. Dieser soll dazu einen „Standardentwurf“ des elsässischen Architekten Paul Friesé, der um 1900 mehrere Industriebauten für die Stromversorgung umgesetzt hatte, als Grundlage verwendet haben. Zuletzt stand das Poste Nation 1 jahrelang leer. 2017 nahm es die Stadt unter der damaligen Bürgermeisterin Anne Hidalgo in den Ideenwettbewerb „Reinvent Paris II“ auf. Gesucht wurden Entwicklungsvorschläge für insgesamt 33 verborgene oder gar unterirdische Liegenschaften.
Das Art-Deco-Umspannwerk war beides. Wobei der große unterirdische Teil erst durch das knapp 31,9 Millionen Euro schwere Projekt MurMure um den Investor Batipart immo und die Architekt*innen von &Givry entstand. Das Planungsteam legte das komplette Kellergeschoss bis zu sechs Meter tiefer, um dort auf zwei Etagen Aufnahmestudios und Probenräume unterzubringen und Platz für die notwendigen Schallschutzvorkehrungen zu gewinnen.
Dafür ließ man rund 10.000 Kubikmeter Erdreich abtragen und Stütze für Stütze unterfangen. Jede nahm etwa einen Monat in Anspruch. Herzstück dieses ingenieurtechnischen Aktes ist ein 400 Quadratmeter großes, sieben Meter hohes, stützenfreies Aufnahmestudio. Als Box-in-Box-Konstruktion steht es auf Federlagern und ist allseitig mit Schallschutzschichten gepuffert.
Gewissermaßen als Kontrast zu dieser Unterwelt prägt den oberirdischen Teil ein gebäudehohes, durch eine Dachlaterne belichtetes Atrium. Auf fünf Obergeschossen ist es von Büroflächen umgeben. Beinahe das gesamte Gebäude wird von Sony Music France gemietet. Dennoch sollen sich im Erdgeschoss künftig auch öffentliche Nutzungen widerfinden, entlang der mittigen Passage entsprechend Restaurants und Läden einziehen. Auf den Plänen zu erkennen, ist zudem noch eine Verglasung im Boden vorgesehen, um das Untergeschoss mit Tageslicht zu versorgen. Die begrünte Dachterrasse samt aufgesetztem Pavillon sei laut &Givry erst nach der Aufnahme der Fotos fertiggestellt worden.
Während die Architekt*innen das Innere auf knapp 9.100 Quadratmetern Fläche komplett entkernten, ließen sie die Beton- und Ziegelfassaden weitgehend restaurieren. Vor allem die repräsentative Front am Boulevard hat ihre originale Gestaltung behalten. Lediglich im Sockelbereich kamen großzügigere Öffnungen hinzu. Die Längsseiten hingegen sind über die gesamte Fassade hinweg mit neuen, großflächigen Verglasungen ausgestattet. (mh)
- Fertigstellung:
- 2025
- Architektur:
- &Givry
- Bauherrschaft:
- Batipart immo
- Fläche:
- 9.077 m² Bruttogrundfläche
- Baukosten:
- 31.875.000 €








ich hätte gerne fotos vom teuersten teil des umbaus gesehen . . . . .
das oberirdische ist ja ganz wunderbar gelöst.