Kuhstall mit Oberlicht
Umbau zum Stadtteilzentrum in Berlin von D/FORM
Auf dem Gelände eines ehemaligen Gutshofs im Osten von Berlin hat die kommunale Wohnungsbaugesellschaft Stadt und Land in den vergangenen Jahren ein Neubauquartier mit über 500 Wohnungen fertiggestellt. In diesem Zusammenhang beauftragte sie das Berliner Büro D/FORM mit Sanierung und Umbau dreier dort noch erhaltener Wirtschaftsgebäude. Während der kürzlich fertiggestellte Kuhstall für gewerbliche Nutzungen instandgesetzt wurde, soll der einstige Pferdestall mit angrenzendem Heuspeicher künftig als Stadtteilzentrum dienen.
Das Rittergut Alt-Biesdorf wird erstmals im frühen 19. Jahrhundert erwähnt. Der Vierseithof am damaligen Stadtrand diente zunächst landwirtschaftlichen Zwecken und entwickelte sich im Laufe des Jahrhunderts zu einem Anwesen wohlhabender Kaufleute. Davon zeugt das benachbarte Schloss Biesdorf mit seinem rund 14 Hektar großen Park, der unter anderem von Werner Siemens mitgestaltet wurde. Die Wirtschaftsgebäude entstanden zwischen 1888 (Pferdestall und Heuspeicher) und 1902 (Kuhstall) als zweigeschossige Giebelhäuser in Ziegelbauweise.
Nach der Wiedervereinigung trieb das Land Berlin auf dem inzwischen landeseigenen Gelände den Wohnungsneubau voran. Ein Masterplan des Büros ioo Architekten (Berlin) sah neben Mehrfamilienhäusern mit rund 500 Einheiten auch die Integration der drei denkmalgeschützten Wirtschaftsgebäude vor. Die Neubauten wurden bis 2021 von Kondor Wessels als Generalübernehmer realisiert. 2019 qualifizierte sich D/FORM im Rahmen eines VgV-Verfahrens für die Arbeiten an den Altbauten im Zentrum des Quartiers. Der Pferdestall mit Heuspeicher sollte künftig ein Stadtteilzentrum mit Kreativwerkstätten beherbergen, während für den Kuhstall eine gewerbliche Nutzung mit zwölf Einheiten vorgesehen war.
Bei der Sanierung ließen die Architekt*innen vor allem statisch wirksame Bauteile freilegen und aufarbeiten, darunter die charakteristischen Kappendecken und gusseisernen Stützen. Um auch die Fassaden in ihrer ursprünglichen Form zu erhalten, wurde der U-Wert mittels Dämmputz und Wandheizungen im Inneren verbessert. Am Pferdestall blieb Kratzputz aus der Nachkriegszeit als historische Zeitschicht erhalten. Auch die bauzeitlichen Fenster konnten größtenteils restauriert werden. Ergänzende neue Flügel auf der Innenseite verbessern die energetischen Eigenschaften. Für die barrierefreie Erschließung wurden einige Öffnungen im Kuhstall vergrößert. Darüber hinaus erneuerte man sämtliche Oberflächen der Innenräume.
Der markanteste Eingriff zeigt sich auf dem Dach des Kuhstalls: Ein langgestreckter Dachreiter mit Oberlichtern wirkt zunächst wie eine zeitgenössische Ergänzung. Doch handelt es sich zumindest typologisch um eine Rekonstruktion des Zustands von 1902. Das zusätzliche Licht zwischen den gusseisernen Fachwerkträgern kommt nun den Gewerberäumen zugute. Langfristige Mieter für den Kuhstall konnten in der peripheren Lage bislang noch nicht gefunden werden, wie die Lokalpresse berichtet. Das Stadtteilzentrum hingegen erfreut sich großer Beliebtheit im jungen Biesdorfer Kiez. (tg)
- Fertigstellung:
- 2021–2025
- Architektur:
- D/FORM
- Projektleitung:
- Frank Augustin, Arne Semmler, Friedrich v. Waldthausen, Kilian Enders
- Team:
- Celestina Klotz, Melina Drexler, Annette Middendorf, Elena Postigo, Lars Fischer, Bernhard Weikert, Thole Althoff
- Restauratorische Gutachten:
- Gunter Preuß (Farbuntersuchung)
- Landschaftsplanung:
- Simons & Hinze Landschaftsarchitektur GmbH
- Tragwerksplanung:
- GSE Ingenieur-Gesellschaft mbH Saar, Enseleit und Partner
- Haustechnikplanung:
- Janowski Ingenieure GmbH
- Bauherrschaft:
- STADT UND LAND Wohnbauten-Gesellschaft mbH
- Fläche:
- 2.550 m² Bruttogrundfläche




