Museum in der Saline
heneghan peng mit Studio Qwertz in Halle (Saale)
Die Geschichte der Salzgewinnung in Halle an der Saale ist über 1.000 Jahre alt. An den einstigen Motor der Stadtentwicklung erinnert heute ein Ensemble aus dem 18. bis 20. Jahrhundert. Das rund 9.700 Quadratmeter umfassende Areal auf der Saline-Insel zwischen Altstadt und Halle-Neustadt zeigt, wie sich die Industriearchitektur gewandelt hat – von ihren barocken Ursprüngen bis zu funktionalen Bauten der Moderne. Kein Wunder, dass das Ensemble als Beispiel mitteldeutscher Industriegeschichte auf der Denkmalliste steht.
Gleichwohl sind die Bauten, nachdem man die Salzproduktion eingestellt hatte, nach und nach verfallen. Waschbären hatten sich eingenistet, die statische Struktur war vom Salz zerfressen. Lange hatte der Verein Hallesches Salinemuseum die Geschichte des Ortes auf dem Gelände vermittelt und sich – später auch mit dem Kulturamt der Stadt Halle und der Salzwirker Bruderschaft im Thale – für die Sanierung des Ensembles eingesetzt. Schließlich beauftragte die Stadt heneghan peng architects (Dublin/Berlin) mit Studio Qwertz (Berlin).
Anstatt das Verlorene zu rekonstruieren, erhielt das Planungsteam die Stimmung der teils zerfallenen Anlage und sicherte den vorgefundenen Zustand. Zum Beispiel konnten die historischen Feuerungszüge freigelegt und die Kohletrichter geöffnet werden, sodass zentrale Elemente wahrnehmbar sind und die Geschichte der Anlage als „architektonische Maschine“ erzählen, heißt es von Studio Qwertz.
Höhepunkt ist eine Schausiedeanlage, die historischen Vorbildern folgt und mit aktueller Technologie und energieeffizienten Verfahren ausgestattet ist. Zum Raumprogramm gehören zudem Veranstaltungsflächen und das sogenannte Salzlabor in einer weißen Holzkiste. Darin können Museumsthemen an Schulklassen und andere Gruppen vermittelt werden.
Bei dieser und anderen Raum-im-Raum-Lösungen wie etwa für die kulturhistorisch wichtige Sammlung von Silberbechern der Halloren (als „Schatzkammer“ bezeichnet) oder die Sanitäranlagen zeigt sich der energetische Ansatz des Umbaus. Der Aufwand für ein museales Raumklima im gesamten Ensemble schien den Planer*innen nicht vertretbar. So konnte auf eine Dämmung des einschaligen Mauerwerks und eine normgerechte Dichtheit des Hauses verzichtet werden und der Charakter des Ortes erhalten bleiben.
Bereits seit Sommer 2023 wird die Großsiedehalle Süd für Ausstellungen genutzt. Im Mai 2025 wurde die Sanierung der Großsiedehallen Nord und Süd abgeschlossen. Ab Sommer 2027 soll in beiden Hallen die vom Berliner Studio NeoNext gestaltete und in Zusammenarbeit mit dem Verein Salinemuseum konzipierte Dauerausstellung eröffnen. Darin wird es um die Kulturgeschichte des Salzes, die Entwicklung der Salzproduktion und um die Tradition der Salzwirker Brüderschaft gehen, die als immaterielles Kulturerbe geschützt ist. An bestimmten Stellen will man über Augmented Reality den einstigen Zustand und Betrieb in Erinnerung rufen.
Das Projekt umfasst auch die Neugestaltung des Umfeldes. Der geplante Weg entlang der Saale verbindet das Salinemuseum mit der Burg Giebichenstein und schließt es an den Saale-Radweg an. Platz für Reisebusse und Fahrräder, ein Bootsanleger und ein Spielplatz kommen hinzu. Eine Salzskulptur an der Mansfelder Straße soll das Ensemble als Wegmarke sichtbarer machen.
Das Investitionsvolumen liegt bei 16,6 Millionen Euro, davon kommen rund 15 Millionen aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE), weitere Gelder aus der Städtebauförderung und von der Stadt. Nachdem es das Projekt bereits in die engere Wahl beim Architekturpreis des Landes Sachsen-Anhalt 2025 geschafft hat, steht es nun auch auf der Shortlist des DAM-Preises 2027, der im Januar bekannt gegeben wird. (fm)
- Fertigstellung:
- 2025
- Architektur (LPH 1-9):
- heneghan peng architects mit Studio Qwertz
- Projektleitung:
- Shih-Fu Peng, Róisín Heneghan, Andreas Dopfer
- Team Architektur:
- Seyhan Özgen, Paul Achter, Emma McGloin, Katja Pötsch, Eric Zapel, Alexandra Polyakova, Isabelle Ihl, Simona Yonkova
- Projektsteuerung:
- Projectum Steuerungsgesselschaft
- Landschaftsarchitektur:
- Ulrich Krüger Landschaftsarchitekten
- Tragwerksplanung:
- Staupendahl und Partner
- TGA:
- Sehlhoff
- Brandschutz:
- Zeitler Architekten
- Bauherrschaft:
- Stadt Halle (Saale)
- Fläche:
- 9.700 m² Bruttogrundfläche




