Kita in der Platte
Umbau von Aline Hielscher Architektur
Unweit des Hauptbahnhofes von Halle an der Saale befindet sich die Kindertagesstätte Kinderinsel. Das zweigeschossige Gebäude wurde zusammen mit den umliegenden acht- und elfgeschossigen Wohnhochhäusern geplant und 1968 errichtet. Seit den 90er-Jahren werden Wohnhäuser und Kindertagesstätte von unterschiedlichen Eigentümern betrieben.
Im letzten Jahr wurden Umbau und Sanierung der Kinderinsel durch das Leipziger Architekturbüro Aline Hielscher Architektur (Leipzig) in Zusammenarbeit mit USP Architekten (Berlin) fertiggestellt. Hielscher gründete ihr Büro 2016 und hat momenten drei feste Mitarbeiter*innen. Bauherr des Umbauprojekts war der Eigenbetrieb der Kindertagesstätten Halle (Saale). Nun bietet das Haus auf 1.200 Quadratmetern Nutzfläche Platz für die Betreuung von 130 Kindern.
Die Einrichtung wurde 1968 als sogenannte Kinderkombination errichtet – bestehend aus einer Krippe und einer Kindertagesstätte. Je ein Treppenhaus diente zur Erschließung der einzelnen Bereiche. Heute wird die Kindertagesstätte als Einheit genutzt. Die fehlende Verbindung zwischen den beiden Treppenhäusern wurde durch einen neuen, raumhoch verglasten Korridor an der Rückseite des Hauses hergestellt, der das neue räumliche Rückgrat der Insitution bildet. Erschlossen wird das Gebäude nun hauptsächlich über das südliche Treppenhaus.
Die neuen Grundrisse basieren auf der Stahlbeton-Ferttigteilkonstruktion des Gebäudes. Die achtachsige Grundstruktur mit einem Raster von sechs Metern Breite stellte sich als „überraschend flexibel“ heraus, schreiben die Planer*innen. Beispielsweise wurden im Erdgeschoss zwei Achsen zu einem Essbereich zusammengefasst. Dieser ist von der zentral angeordneten Garderobe zu erreichen, durch die außerdem der Personalbereich erschlossen wird. Die Lage dieses Bereiches im Gebäude ermöglicht kurze Wege für die Kontakte zwischen Eltern, Kindern und Kitamitarbeiter*innen.
Ein Hauptmerkmal der Sanierung sind die Holz-Aluminium-Fenster, vor allem auf der Westseite des Gebäudes, die durch tiefe, in den Raum ragende Fensterbretter einen Bezug nach außen schaffen. Die Baukosten lagen bei circa 2,1 Millionen Euro netto für die Kostengruppen 300 und 400.
Fotos: Celiá Uhalde
Text: Luise Thaler
mein arbeitsalltag sieht im übrigen gerade so aus, dass wir im büro die sanierung eines öffentlichen gebäudes ähnlichen alters planen und überwachen, wo ich tag für tag versuche, die genannten punkte möglichst zu vermeiden bzw. irgendwie anständig in den griff zu bekommen. die gesamtqualität ist hier in puncto architektur/gestaltungsqualität wirklich allenfalls durchschnitt, und sicherlich hat hierbei ein umbauprojekt einen deutlich höheren schwierigkeitsgrad als ein neubau. nichtsdestotrotz: meine erwartung an das baunetz ist nicht die präsentation ganz passabler praxisbeispiele, sondern eine auswahl überdurchschnittlicher, besonders gelungener bauvorhaben.
Mit solchen realitätsnahen Projekte kann ich mich nämlich direkt vergleichen und schauen wie die Kolleginnen mit den oft beengenden Rahmenbedingungen umgehen. Und vielleicht kann ich mir die eine oder andere Sache noch abgucken. Und wenn das Ergebnis, noch dazu von einem Umbau, immernoch besser wird als der Durchschnitt haben alle gewonnen.
der namensvetter hat absolut recht. lauter improvisierte details, standardlösungen, einfache katalogmöbel, unbeholfene anschlüsse. da kann man das baunetz auch dichtmachen.