Fachwerk in Baar
Primarschule von Penzisbettini. Architekten
Mit der neuen Schulanlage Wiesental im schweizerischen Baar im Kanton Zug realisieren Penzisbettini. Architekten (Zürich) derzeit ein Ensemble, das den Ersatz einer gesamten Schulanlage im laufenden Betrieb ermöglicht. Ein wichtiger Meilenstein ist geschafft: Mit der Fertigstellung des größten Gebäudes im vergangenen Jahr konnte der erste Bauabschnitt abgeschlossen werden.
Die ursprüngliche Anlage entstand zwischen 1967 und 1970 nach Plänen von Hans Peter Ammann und Peter Baumann. Neben baulichen Mängeln machten auch die steigenden Schülerzahlen einen Ersatz beziehungsweise eine Erweiterung erforderlich. Dass die Schule während der gesamten Bauzeit ohne Provisorien weiterbetrieben werden sollte, sprach nach Angaben der Architekt*innen ebenfalls gegen eine Sanierung und für einen Ersatzneubau. Mit ihrem Entwurf Domino setzten sich Penzisbettini. Architekten gemeinsam mit dem Landschaftsarchitekten Daniel Schläpfer (Zürich) 2019 im dafür ausgelobten nicht offenen Wettbewerb durch.
Die Gesamtensemble, dessen Fertigstellung für 2027 vorgesehen ist, umfasst vier relativ niedrige Baukörper, die einen Campus bilden. Geplant sind Klassen- und Lernräume für eine vier- bis fünfzügige Primarschule, eine Dreifachturnhalle, vier Kindergärten, eine Aula sowie weitere Betreuungsräume. Im Zentrum befindet sich ein eingeschossiger Pavillon, um den sich die drei Häuser West, Ost und Süd gruppieren. Realisiert wird das Projekt in zwei Etappen: Nach dem nun fertiggestellten Haus Ost, das 24 Klassenräume und die Dreifachturnhalle beherbergt, werden die verbleibenden Bestandsbauten rückgebaut und die drei weiteren Neubauten errichtet.
Innen wie außen folgt der Entwurf einer typisch zeitgenössischen Schweizer Architektursprache. Klar gegliederte Fassaden, sorgfältig ausgearbeitete Holzdetails und dunkelgrüne Metallelemente erinnern an weitere jüngere Schulbauten etwa in Davos oder Haldenstein. Die Konstruktion kombiniert zwei Untergeschosse aus Stahlbeton mit drei Obergeschossen in Holzbauweise. Die Dreifachturnhalle erstreckt sich vom zweiten Untergeschoss bis ins Erdgeschoss. Darüber sind die beiden obersten Schulgeschosse als 35 mal 50 Meter großes Fachwerk ausgebildet. Die Trennung von tragender und nichttragender Struktur ermöglicht den späteren Austausch einzelner Bauteile. Die modulare Holzbauweise erleichtert Erweiterungen wie etwa an der Südfassade von Haus West, wo bereits Raum für einen zusätzlichen Bau angedacht ist.
Im Inneren ist die sichtbare Holzkonstruktion prägend. Stützen und großformatige Träger gliedern hier die Räume. Die Unterrichtsräume sind als Cluster organisiert: Je vier Klassenzimmer gruppieren sich um Gruppenräume und eine zentrale Lerninsel. Oberlichter bringen Tageslicht in die gemeinschaftlich genutzten Bereiche, ansteigende Raumhöhen verbessern die Belichtung der Klassenräume. Transparente Verbindungstüren zwischen den Gruppenräumen ermöglichen unterschiedliche Unterrichtsformen. Das Energiekonzept umfasst eine Photovoltaikanlage, Erdwärmepumpen sowie eine Verbundlüftung mit Quellluftauslässen und dezentralen, bodennahen Raumlüftern. (dsm)
- Fertigstellung:
- 2025
- Architektur:
- Penzisbettini. Architects
- Landschaftsarchitektur:
- Schläpfer Carstensen Landscape Architects
- Bauingenieur:
- Ingenieurbüro Heierli
- Holzbauingenieur:
- Timbatec Timber Engineers Switzerland
- Ingenieur für Gebäudeautomation und HLK-Technik:
- RMB Engineering
- Sanitäringenieur:
- Manzano Engineering
- Elektroingenieur:
- Hefti.Hess.Martignoni
- Signaletik:
- Bivgrafik
- Bauherrschaft:
- Gemeinde Baar
- Fläche:
- 10.050 m² Nutzfläche
- Baukosten:
- 61.500.000 €








