Weniger Korridore, mehr Okuli
Schule im Kanton Bern von Haller Gut Architekten
Ein einfacher Riegel mit Giebeldach – auf den ersten Blick wirkt das Schulgebäude in der kleinen Gemeinde Aarberg im Kanton Bern recht schlicht, vielleicht sogar anspruchslos. Bei näherem Hinsehen ist dem Haus jedoch schnell die typisch schweizerische Feinheit und Gründlichkeit anzumerken, mit der Haller Gut Architekten aus Bern den Neubau entwarfen.
Der zweigeschossige Holzbau steht unweit des Flusses Alte Aare, nach dem auch die rund 4.000 Einwohner*innen zählende Gemeinde benannt ist. Das langgestreckte Volumen ergänzt das bestehende Gebäudeensemble einer Primarschule um einen weiteren Bau. Den Bau, in dem Tagesschule und Kindergarten untergebracht wurden, platzierten die Architekt*innen so, dass der Freiraum zum Fluss unbebaut bleibt.
Funktional organisierten Haller Gut den Bau mithilfe einer simplen Schottenstruktur. Auf beiden Geschossen befinden sich jeweils fünf Raumeinheiten sowie eine Treppenzone. Überraschend ist die weitgehende Erschließung der Gruppenräume (Kindergarten und Tagesschule) im Erdgeschoss direkt von außen. Die obere Etage beherbergt Klassenräume. Diese werden konventionell durch einen hellen Flurbereich erschlossen. Hier sind es die großen Rundfenster, die beeindrucken. Sie schaffen eine charaktervolle visuelle Verbindung zwischen Klassenräumen und Flur. Letztlich orientieren sich also alle Räume des Hauses konsequent beidseitig nach außen – im Westen zum Fluss, im Osten zu Schulhof und Bestandsgebäuden.
Das zu beiden Seiten hin weit auskragende Dach sorgt nicht nur für wettergeschützte Außenräume und bequemes Ankommen im Erdgeschoss, sondern verleiht dem Bau auch einen ruhigen, heimelig anmutenden Charakter. Die feingliedrige Wirkung des Hauses entsteht vor allem durch die großflächigen Glasfassaden, die wiederum durch Holzrahmenelemente gegliedert werden.
Die hellen, unaufgeregt gestalteten Räume setzen die reduzierte Schlichtheit im Inneren fort. Durch ein im Eingangsbereich eingefügtes Split-Level passt sich das Gebäude an das leicht zum Fluss hin abfallende Gelände an. Ein Pausenbereich im Erdgeschoss kann durch seine Lage zudem außerhalb der Schulzeiten auch von der Nachbarschaft genutzt werden. (dsm)
Fotos: Karina Castro
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eine NOCH tollere übung wäre, über die projekte zu schreiben, ob positiv oder negativ oder dazwischen. das wäre diskussion.
seine persönlichen befindlichkeiten können sie ja im stuhlkreis beprechen oder lesen die Arch+
Was ist mit der kontrastreichen Gestaltung? Wand, Boden, Türen, Aufzug, Handläufe... alles verschwimmt in creme/weiß. Da fällt es ja schon als "normal"-sichtiger Mensch schwer, sich zu orientieren...
Ich habe manchmal das Gefühl, dass mit zweierlei Maß gemessen wird. Bei uns würde so eine Umsetzung nicht akzeptiert werden (Behindertenbeauftragte, Arbeitsschutz u.ä.).
Eine Präsentation von Gebäuden mit sehr gelungenen und gut integrierten Barrierefrei-Konzepten wäre mal schön!