Ersatz mit Schindelkleid
Schulerweiterung im Kanton Zug von Gut Deubelbeiss Nill
Ja, die Dorfmetapher wird bei Schulbauten inzwischen inflationär genutzt. In der Gemeinde Unterägeri im Kanton Zug trifft sie allerdings durchaus zu. Seit dem 19. Jahrhundert ist die Anlage der Bossard Schule nach und nach gewachsen und modifiziert worden. Ihre verschiedenen Gebäude sind halbkreisförmig angeordnet und bilden eine Art kleinen Campus. Nun haben Gut Deubelbeiss Nill Architekten aus Luzern das teils denkmalgeschützte Ensemble weitergebaut.
Die von der Familie Bossard bereits in vierter Generation geführte Sonderschule richtet sich insbesondere an Kinder mit Verhaltensauffälligkeiten, Sprachstörungen oder anderen Lernschwierigkeiten. Der Neubau dient als Unterstufenschulhaus und ersetzt das sogenannte Mädchenhaus. Dieses war zuvor aus dem Inventar schützenswerter Denkmäler entlassen worden, mit der Begründung, dass spätere Umbauten den Denkmalwert geschmälert hätten. So wich es dem Ersatzneubau.
Mit rund 700 Quadratmetern Bruttogrundfläche übernimmt der Neubau die Ausrichtung des Bestandes und bildet den westlichen Abschluss des Ensembles. Auch formal orientiert er sich an seiner geschichtsträchtigen Umgebung. Prägend ist die Fassade aus Rundschindeln, die geschossweise schirmartig auskragt. Zum Bestand führt ein schmaler Verbindungsgang.
Im Inneren organisiert ein mittig angeordneter Erschließungs- und Funktionskern die Geschosse. An den Stirnseiten liegen jeweils die Unterrichtsräume. Der Bau ist als Holzskelett mit Holz-Beton-Verbundflachdecken ausgeführt, während Kern und Sockel aus Beton bestehen. Im Innenraum bleiben die Materialien der Konstruktion weitgehend sichtbar und werden durch bandartige Holzfenster ergänzt. Ihre Laibungen sind unterschiedlich tief und hoch ausgebildet und werden so zu kleinen Aufenthaltsorten: Auf Tischhöhe entstanden Arbeitsnischen, auf Sitzbankhöhe Leseplätze. (gk)
- Fertigstellung:
- 2025
- Architektur:
- Gut Deubelbeiss Nill Architekten
- Landschaftsarchitektur:
- Iten Landschaftsarchitekten
- Bauleitung:
- CST Architekten
- Bauingenieure:
- Pirmin Jung; Emch + Berger WSB
- HLK-Planung:
- Haustechnik Alfred Meier
- Elektro-Planung:
- E1 Engineering
- Bauphysik:
- Pirmin Jung
- Bauherrschaft:
- Dr. Bossard Erben AG
- Fläche:
- 699 m² Bruttogrundfläche



