20.10.2021

Betonbrücke aus dem 3D-Drucker

ZHA, Block Research Group und incremental3D in Venedig

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Vier Wochen Zeit sind noch für einen Besuch der Architekturbiennale in Venedig. Und mit derzeit milden 18 Grad stimmt dort auch das Wetter. Wer auf dem langen Weg in die Giardini Pause machen möchte, dem sei ein Abstecher im Giardino della Marinaressa empfohlen. Dort hat eine Art Supergroup des zeitgenössischen digitalen Architekturschaffens einen Brückenprototypen realisiert. Konkret sind das die Block Research Group der ETH Zürich und die Computation and Design Group von Zaha Hadid Architects mit Unterstützung des Baustoffkonzerns Holcim.

Von Weitem wirkt die mehrläufige Brücke, die eher an eine Aussichtsplattform denken lässt, formschön, aber wenig spektakulär. Die Macher*innen sprechen von Mauerwerk, obwohl doch offensichtlich nur dynamisch geformter, grauer Beton zu sehen ist. Erst beim Näherkommen erkennt man, dass die Bögen aus vorfabrizierten Steinen bestehen. Sie könnte in diesem Sinne auch das Werk begabter Steinmetze sein. Wer aber die Oberfläche berührt, bekommt noch einen anderen Hinweis. Feine Riffel deuten nämlich auf einen der großen Trends der aktuellen Materialforschung: Beton aus dem 3D-Drucker. Das Bauwerk, bei dem kein Element auf Zug belastet ist, entstand in Zusammenarbeit mit dem Innsbrucker Unternehmen incremental3D.

Innovativ ist an der Brücke insbesondere die Ausrichtung der gedruckten Betonfilamente entsprechend des Kräfteverlaufs und nicht, wie üblich, in paralleler Schichtung. Bei den 53 Elementen, die trocken gefügt wurden, handelt sich um besonders materialeffiziente Hohlstrukturen. Die Bogenbrücke kommt dadurch komplett ohne Bewehrung aus, wenn man von den im Boden versteckten Zugstäben zwischen den Fundamenten absieht, die aber allein dem temporären Charakter der Installation geschuldet sind. Zwischen den „Gewölbesteinen“, wie die Verantwortlichen die Elemente in Anlehnung an klassische Steinmetzkunst nennen, kamen zur besseren Kräfteverteilung dünne Neoprenpads zum Einsatz. Mit wenig Aufwand lässt sich die Brücke darum nach dem Ende der Biennale translozieren. (sb)

Fotos: naaro