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07.01.2026
Lesehügel für Rio de Janeiro
Kéré Architecture planen Bibliothek
Kürzlich veröffentlichten Kéré Architecture (Berlin) ihre Pläne für die städtische Biblioteca dos Saberes (auch: House of Wisdom) in Rio de Janeiro. Der Neubau soll direkt neben dem Karneval-Epizentrum der brasilianischen Metropole entstehen – dem 1984 von Oscar Niemeyer errichteten Sambódromo. Für die lokale Präsentation des aus heterogenen Formen zusammengesetzten Entwurfs der Bibliothek wählte man den Nationalfeiertag für Schwarzes Bewusstsein (Dia de Zumbi e da Consciência Negra) am 20. November.
Grund für diesen Termin ist das nahegelegene Viertel um den Valongo-Kai in Rios Hafengebiet, der im 19. Jahrhundert ein zentraler Ort für die Einschiffung versklavter Afrikaner*innen in Südamerika war. Heute erinnert der Name „Little Africa“ an das afro-brasilianische Erbe. Auch die Tradition des Sambas geht auf jene Einflüsse zurück.
Laut Pressetext des Berliner Büros spielten der komplexe historische Kontext und die damit einhergehende kulturelle Vielfalt Rios – wozu auch der Samba zählt – eine wichtige Rolle für die Gestaltung des Projekts. Insofern kann man die etwas unübersichtliche Komposition der Architekt*innen, die hier auf drei Geschossen zahlreiche Terrassen, Höfe, Rampen und Treppen arrangieren, durchaus als Abbild dessen verstehen. Eine Fußgängerbrücke soll über eine benachbarte Straße hinweg zum Denkmal für den Anführer des Widerstands gegen die Sklaverei, Zumbi dos Palmares, führen.
Räumlich zusammengehalten wird das vollständig in Rot- und Erdtönen gezeichnete Gebilde durch einen mittig aufragenden, perforierten Kegel. Francis Kéré bezeichnet ihn als „Tree of Knowledge“. Er sei sowohl vom lokalen Nationalpark Tijuca als auch der symbolischen Bedeutung von Bäumen in der Heimat des Architekten in Burkina Faso inspiriert, wo diese gemeinschaftliche Treffpunkte markieren. Angesichts der Form denkt man allerdings auch an Termitenhügel, zumal der Kegel die Wärmeentwicklung der Innenräume reduzieren soll. Ein ähnliches Prinzip verwendeten Kéré und Team beispielsweise bei einem Campus in Kenia.
Die geplante Bibliothek gehört zum urbanen Entwicklungsprojekt Praça Onze Maravilha rings um das Sambódromo, das die Stadt im gleichen Atemzug präsentierte. Dabei ist etwa der Bau neuer Wohnbauten und kultureller Einrichtungen geplant, aber auch der Abriss einer Hochstraße, die zwischen der Karneval-Feststätte und dem Bauplatz der Bibliothek liegt. Auf den publizierten Bildern der Architekt*innen ist sie schon nicht mehr zu sehen.
Insgesamt sollen auf über 40.000 Quadratmetern Fläche neben Lesesälen und Freihandbereichen auch Werkstätten, Ausstellungsräume, ein Auditorium und ein Café entstehen. Grundrisse veröffentlicht das Büro zum aktuellen Zeitpunkt nicht. Budget und Zeitrahmen sind ebenfalls noch nicht bekannt. (mh)
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