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Exkursion Lehrstuhl Prof. Hild, TU München

16.06.2017

Warschaus Bahnhöfe

Identität und Kontinuität im Stadtbild

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Zur Station Warszawa Powisle (1963) gehört ein runder Pavillon mit weit auskragendem Stahlbetondach, der heute ein Restaurant beherbergt.

Text und Fotos von Andreas Wolf Schulze

In einem Seminar am Lehrstuhl Entwerfen, Umbau und Denkmalpflege der TU München beschäftigen wir uns unter anderem mit den prägenden Baumeistern, die das Stadtbild Münchens, insbesondere in der Nachkriegszeit nachhaltig und bis heute prägen, aber zu Unrecht immer mehr in Vergessenheit geraten. Vor diesem Hintergrund sind mir die Warschauer Baumeister Arszeniusz Romanowicz und Piotr Syzmaniak aufgefallen, die mit den Konstruktionen der Metrostationen in ihrem Gesamtwerk einen wichtigen Beitrag zur Warschauer Alltagsarchitektur beitragen.

Von Ende 1950 bis 1975 entstanden unter- und überirdische Bahnhöfe für den innerstädtischen Schnellbahnverkehr entlang der Ost-West-Verbindung in Warschau. Sie wurden von Arszeniusz Romanowicz (1910–2008) und Piotr Syzmaniak (1911–1967) geplant. Durch individuelle Stahl- und Stahlbetonkonstruktionen gaben sie den Stationen eine Identität und ihnen im Warschauer Stadtbild eine Kontinuität. Bahnhöfe, das macht ihre Architektur deutlich, sollten Aufenthaltsorte sein.

Bestes Beispiel dafür ist die Station Warszawa Powiśle (1963), zu deren Ensemble unterhalb der Bahngleise ein runder Pavillon mit weit auskragendem, dünnen Stahlbetondach gehört, der heute ein Restaurant beherbergt. Links an diesem vorbei gelangt man unter einer einfachen Stahlkonstruktion zu den Gleisen. Futuristisch anmutende Stahlbetondächer bieten dort Unterstellmöglichkeiten. Sie kragen soweit über die Gleise hinaus, dass sie sich mit den gegenüberliegenden Dächern zu einem großen verbinden.

Die Empfangshalle der Station Warszawa Ochota (1963) fällt auf durch ihr als hyperbolischer Paraboloid geschwungenes Dach und die Beton V-Stützen, die das Oberirdische leicht zu tragen scheinen.

Bereits 1946 gewannen Romanowicz und Syzmaniak den Wettbewerb für Warszawa Centralna. Doch erst 1975 konnten sie den Warschauer Hauptbahnhof fertigstellen. Das Dach über der großen Halle entstand 1972. Im Vorfeld der Fußball-Europameisterschaft 2012 kursierten erst Abrisspläne, dann wurde der Bahnhof aber nach Plänen der Warschauer Architekten Towarzystwo Projektowe saniert. Das geschwungene Betondach auf asymmetrischer Stützenstellung mit Beton-Überzug der unterirdischen Metrostation Warszawa Centralna (1975) heißt im Volksmund „Pfannkuchen“. Der Kiosk wurde später eingeschoben.

Die Station Wschodnia (1969) besteht aus Gebäuden auf beiden Seiten der Gleise. Besonders interessant ist das filigran gefaltete und auskragende Stahldach des Südgebäudes.

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