Eine LPG wird zum Kunstareal
Zu Besuch in Brandenburg mit augustinundfrank/winkler
Eine LPG wird zum Kunstareal
Zu Besuch in Brandenburg mit augustinundfrank/winkler
Mit der von ihr gegründeten Kunststiftung Wunderblock hat die Malerin Katharina Grosse 2022 ein altes LPG-Areal in Groß Kreutz bei Berlin bezogen. Für den Umbau der DDR-Betonhallen zu Atelier- und Ausstellungshäusern ist das Berliner Büro augustinundfrank/winkler verantwortlich, die Freiraumgestaltung übernimmt der niederländische Landschaftsarchitekt Piet Oudolf. Das Projekt ist in vollem Gange – einiges bereits fertig, anderes in Planung und Umsetzung. Ein Ortsbesuch.
Zwischen den weitläufig verteilten Hallen des Rinderkombinats der ehemaligen LPG „Völkerfreundschaft“ in Schenkenberg, einem Ortsteil von Groß Kreutz an der Havel, hat sich längst eine wilde Blumenwiese ausgebreitet. Viel Raum, viel Ruhe – die postindustrielle Idylle bietet gute Voraussetzungen für eine ungestörte Kunstproduktion. Dass sich die in Berlin lebende Künstlerin Katharina Grosse hier mit ihrem Studio und ihrer 2020 gegründeten Stiftung Wunderblock niedergelassen hat, war allerdings eher Zufall. Mit Grosses seit den frühen 2000er Jahren stetig wachsendem Renommee stieg auch der Platzbedarf für Produktions- und Lagerflächen, ihr bisheriges Studio nahe dem Berliner Hauptbahnhof reichte nicht mehr aus. Doch in Berlin sind Räume für Künstler*innen bekanntlich ein rares Gut. Auch Katharina Grosse wurde erst im westlichen Umland fündig, wo man gerade das zuvor von Kleingewerben genutzte LPG-Gelände zum Kauf anbot.
Nun entstehen auf dem rund 6,3 Hektar großen Areal am Dorfrand ihre farbintensiven Kunstwerke. Mit der Sprühpistole sprengt die Malerin die Grenzen von (Lein-)Wänden und versetzt auch ganze Objekte, Fassaden und Außenräume – wie beispielsweise in der Berliner Europacity – in einen temporären Farbrausch. Die neue Nutzung ist dem Bestand äußerlich jedoch in keiner Weise anzusehen. Unspektakulär und mausgrau wie eh und je liegen die insgesamt neun Gebäude in der Brandenburger Landschaft. Errichtet sind sie allesamt in der für DDR-Landwirtschaftskombinate typischen Betonbauweise nach einfachsten Standards, mit ungedämmten, dünnen Außenwänden und weit gespannten Dachkonstruktionen.
Nun entstehen auf dem rund 6,3 Hektar großen Areal am Dorfrand ihre farbintensiven Kunstwerke. Mit der Sprühpistole sprengt die Malerin die Grenzen von (Lein-)Wänden und versetzt auch ganze Objekte, Fassaden und Außenräume – wie beispielsweise in der Berliner Europacity – in einen temporären Farbrausch. Die neue Nutzung ist dem Bestand äußerlich jedoch in keiner Weise anzusehen. Unspektakulär und mausgrau wie eh und je liegen die insgesamt neun Gebäude in der Brandenburger Landschaft. Errichtet sind sie allesamt in der für DDR-Landwirtschaftskombinate typischen Betonbauweise nach einfachsten Standards, mit ungedämmten, dünnen Außenwänden und weit gespannten Dachkonstruktionen.
Minimalinvasive Eingriffe
Für die Umnutzung dieses schlichten Bestands engagierte Grosse das Berliner Büro augustinundfrank/winkler, das bereits vor fast 20 Jahren das oben erwähnte Studio entwarf und ihr, ebenfalls in Berlin, eine ehemalige DDR-Kaufhalle zum Wohnhaus umbaute. Seitdem verbindet Bauherrin und Architekt*innen eine gemeinsame Idee, wie sie mit Bestand umgehen wollen: das Vorhandene akzeptieren, wie es ist, und nur minimalinvasiv eingreifen. Damit die alten Konstruktionen auch die neue Nutzung tragen und zugleich ihre Geschichte erzählen können. Für das Projekt in Schenkenberg war daher klar, dass die Bauten ihren rohen Scheunen-Charakter genau so behalten sollen. Georg Augustin fasst es beim Rundgang über das Gelände so zusammen: Die Baukörper entstanden als einfache, aber robuste Schutzhüllen, und diese Funktion erfüllen sie auch für die neue Nutzung, deren Räume sich als leichte, reversible Strukturen einfügen.
Für die Umnutzung dieses schlichten Bestands engagierte Grosse das Berliner Büro augustinundfrank/winkler, das bereits vor fast 20 Jahren das oben erwähnte Studio entwarf und ihr, ebenfalls in Berlin, eine ehemalige DDR-Kaufhalle zum Wohnhaus umbaute. Seitdem verbindet Bauherrin und Architekt*innen eine gemeinsame Idee, wie sie mit Bestand umgehen wollen: das Vorhandene akzeptieren, wie es ist, und nur minimalinvasiv eingreifen. Damit die alten Konstruktionen auch die neue Nutzung tragen und zugleich ihre Geschichte erzählen können. Für das Projekt in Schenkenberg war daher klar, dass die Bauten ihren rohen Scheunen-Charakter genau so behalten sollen. Georg Augustin fasst es beim Rundgang über das Gelände so zusammen: Die Baukörper entstanden als einfache, aber robuste Schutzhüllen, und diese Funktion erfüllen sie auch für die neue Nutzung, deren Räume sich als leichte, reversible Strukturen einfügen.
Man muss den Mut haben, diesen Bestand so zu nehmen, wie er ist, und die alten Konstruktionen kreativ weiterzunutzen.Georg Augustin
Das Projekt begann mit einer umfassenden Schadstoffbeseitigung und Sicherung der Bausubstanz, die sich in unterschiedlichen Zuständen befand. Ein Dach war schon vor längerer Zeit eingestürzt. In dieser Ruine entsteht gerade ein Hortus conclusus – der niederländische Landschaftsarchitekt Piet Oudolf arbeitet gerne mit diesem Konzept. Er hat mit Deltavormgroep (Utrecht) den Masterplan für die Freiräume des Areals entworfen. Nach einer großflächigen Entsiegelung wird dieser nun in Zusammenarbeit mit capattistaubach – urbane landschaften (Berlin) Schritt für Schritt umgesetzt. Abgesehen von etlichen Bäumen, Hecken und Sträuchern, die bereits gepflanzt wurden, soll sich das Gesamtbild aber nicht allzu sehr verändern. Auch Oudolfs Gestaltung setzt auf minimale, naturnahe Eingriffe. Die wilde Wiese wird lediglich etwas eingehegt.
Freilegte Räume, dezente Hinweise und Trocken-WC
Bei der anschließenden Entkernung der mit kleinteiligen Ställen und eingezogenen Heuböden verbauten Gebäudestrukturen habe man die zur Verfügung stehenden Räume überhaupt erst richtig entdeckt – und daraufhin die Nutzung an sie angepasst, berichtet Augustin. Im Resultat zeigen sich drei Bauten fast unverändert: In Grosses 810 Quadratmeter messendem Sommerstudio, einst ein Futterlager, ließen die Architekt*innen lediglich geweißte Sperrholzwände installieren und eine große Fensteröffnung einfügen. Die filigrane, mit dünnwandigen Faserzementplatten gedeckte Dachkonstruktion blieb erhalten. Statt der alten Schiebetore aus Holz gibt es nun neue aus silbern glänzendem Metall – ein dezenter Hinweis auf die Nutzungsänderung. Zwei alte Ställe erhielten neue Böden – einmal Kies, einmal Asphalt. Sie dienen als Ausstellungs- und Performanceräume, die mit vom früheren Gebrauch gezeichneten Wänden und alten Dachstühlen den Charme von Readymades haben.
Bei der anschließenden Entkernung der mit kleinteiligen Ställen und eingezogenen Heuböden verbauten Gebäudestrukturen habe man die zur Verfügung stehenden Räume überhaupt erst richtig entdeckt – und daraufhin die Nutzung an sie angepasst, berichtet Augustin. Im Resultat zeigen sich drei Bauten fast unverändert: In Grosses 810 Quadratmeter messendem Sommerstudio, einst ein Futterlager, ließen die Architekt*innen lediglich geweißte Sperrholzwände installieren und eine große Fensteröffnung einfügen. Die filigrane, mit dünnwandigen Faserzementplatten gedeckte Dachkonstruktion blieb erhalten. Statt der alten Schiebetore aus Holz gibt es nun neue aus silbern glänzendem Metall – ein dezenter Hinweis auf die Nutzungsänderung. Zwei alte Ställe erhielten neue Böden – einmal Kies, einmal Asphalt. Sie dienen als Ausstellungs- und Performanceräume, die mit vom früheren Gebrauch gezeichneten Wänden und alten Dachstühlen den Charme von Readymades haben.
Bei zwei weiteren baugleichen Futterlagern wurden die Dächer hingegen mit wärmegedämmten, ultraleichten Industriepaneelen neu gedeckt. Durch transluzente Hohlkammerplatten aus Polycarbonat an Giebeln, Traufen und als breite Streifen in den Dachflächen fällt viel Tageslicht. In einem dieser Volumen befindet sich nun das Lager für Grosses Arbeiten, in dem anderen ihr Winterstudio. Dieses zeigt sich nach außen als das am meisten überarbeitete Gebäude. Neben zwei Ateliers wurde im Mittelteil ein Wohnbereich für temporäre Aufenthalte untergebracht. Hier öffneten die Architekt*innen beide Längswände mit großen Glasflächen und fügten ein Obergeschoss ein, sodass das Gebäude 970 Quadratmeter Bruttogrundfläche bietet. Die Bestandswände sind innen mit einer Dämmschicht aus Holzwolle und Spanplatten versehen. Geheizt wird im Erdgeschoss mittels Wärmepumpe und Bodenheizung, oben mit einem Kaminofen. Einen Wasseranschluss gibt es in diesem Teil des Grundstücks nicht, dafür Trocken-WC, Außendusche und große Wassertanks, die per Gabelstapler transportiert werden.
Prozesshaftigkeit als Programm
Das an der gegenüberliegenden Seite am Eingang des Geländes liegende Haus 8, The Hub genannt, ist der zweite Bau, in den augustinundfrank/winkler etwas umfangreicher intervenierten. In dem quadratischen Volumen befand sich früher eine Maschinenwerkstatt mit sehr hoch sitzenden Fenstern. Auch dieser Baukörper wurde vollständig entkernt und hinter den Außenwänden gedämmt. Die Innenverkleidung besteht aus Lehmplatten mit integrierter Wandheizung. Zudem wurde die mit Asbest belastete Decke erneuert und der Boden ein Stück angehoben. Durch eingestellte Holzboxen kann der 225 Quadratmeter große Raum nun flexibel bespielt werden. Mit einer Küche, WCs und einer Dusche – samt Wasseranschluss! – ausgestattet, dient er in erster Linie den Assistent*innen von Grosse als Gemeinschaftsort.
Prozesshaftigkeit als Programm
Das an der gegenüberliegenden Seite am Eingang des Geländes liegende Haus 8, The Hub genannt, ist der zweite Bau, in den augustinundfrank/winkler etwas umfangreicher intervenierten. In dem quadratischen Volumen befand sich früher eine Maschinenwerkstatt mit sehr hoch sitzenden Fenstern. Auch dieser Baukörper wurde vollständig entkernt und hinter den Außenwänden gedämmt. Die Innenverkleidung besteht aus Lehmplatten mit integrierter Wandheizung. Zudem wurde die mit Asbest belastete Decke erneuert und der Boden ein Stück angehoben. Durch eingestellte Holzboxen kann der 225 Quadratmeter große Raum nun flexibel bespielt werden. Mit einer Küche, WCs und einer Dusche – samt Wasseranschluss! – ausgestattet, dient er in erster Linie den Assistent*innen von Grosse als Gemeinschaftsort.
Was noch aussteht, ist die Transformation von Haus 7, ein zentral gelegener, 1.800 Quadratmeter großer Stall. Hier soll zum einen das Stiftungszentrum mit Bibliothek unterkommen. Zum anderen sind einige Wohnstudios vorgesehen, in denen die Stiftung ein Artist-Residency-Programm etablieren will. Die Planungen für den Umbau sind bereits in vollem Gange, sobald die Finanzierung durch die Stiftung gesichert ist, soll es losgehen. Auch für das neunte Gebäude, ein kleiner Stall am hinteren Grundstücksrand gibt es bereits erste Nutzungsideen. Endgültig fertig wird das Projekt vielleicht nie – ebenso wie die künstlerische Produktion, die hier stattfindet, ist auch die Gestaltung des Areals als kreativer Prozess angelegt.
Bautafel
- Fertigstellung:
- The Hub: 2022, Winterstudio: 2025
- Architektur:
- augustinundfrank/winkler
- Landschaftsarchitektur Masterplan:
- Piet Oudolf/Deltavormgroep
- Landschaftsarchitektur Kontaktarchitekten:
- capattistaubach
- Statik:
- Volkmar Skroblin
- Brandschutz:
- Büro Stanek
- Bauphysik:
- Müller BBM
- Bauherrschaft:
- Stiftung Wunderblock
- Fläche:
- 4.800 m² bearbeitete Bruttogrundfläche
- Baukosten:
- 1.950.000 € The Hub + Winterstudio, KG 300 + 400
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