Topfpflanzenkrater
Wohnungsbau in Bordeaux von MVRDV
Im Entwicklungsgebiet Bastide-Niel geht es momentan Schlag auf Schlag. Keine zwei Wochen ist es her, dass wir einen gehobenen Wohnungsbau unter dem Titel „Spitze Dächer in Bordeaux“ vorgestellt haben. Dass das heutige Projekt von MVRDV unter dem gleichen Titel publiziert werden könnte, ist natürlich kein Zufall. Denn die Rotterdamer haben für das Gebiet am rechten Ufer der Garonne vor 15 Jahren den Masterplan mitverantwortet. Zerklüftete Dachlandschaften, die eine optimale Ausrichtung der Wohnungen zur Sonne schaffen sollen, sind ein markantes Element dieser Planungen.
Streng wissenschaftlich mit Sonneneinfallswinkeln wurde bei La Vallée Verte jedoch nur bedingt gearbeitet. Den Hof zwischen den drei Baukörpern leiten die Architekt*innen nämlich aus einer Kugel ab, die sie imaginär mit den Baukörpern verschnitten. Man kennt diese Art der plakativen Baukörperdisposition, die in entsprechenden Diagrammen als geradezu alternativlose Lösung verargumentiert wird, zur Genüge.
Im Fall von La Vallée Verte hat diese formale Entscheidung aber durchaus Charme, denn das Ergebnis ist eine Landschaft mehr oder weniger tiefer Terrassen, auf die die Architekt*innen schwere Blumentöpfe aufreihten. Das erinnert ein wenig an die Terrassenhäuser der Spätmoderne (denen wir vor vier Jahren eine BauNetz WOCHE widmeten), ohne freilich bei den Freisitzen eine entsprechende räumliche Qualität konsequent durchzudeklinieren. Verstärkt wird dieser Eindruck durch die Stirnseiten aus Waschbeton. Vor diesem Hintergrund mag man die brav gereihten, überdimensionierten Töpfe auch als augenzwinkerndes Statement der Niederländer lesen.
Die Terrassen verstehen sich als Fortsetzung der aufwändigen Gartenanlage auf Erdgeschossniveau. Dass die Architekt*innen einen detaillierten Pflanzplan veröffentlicht haben, deutet darauf hin, dass die Auswahl der Pflanzung – Stichwort Sonneneinstrahlung – ernst genommen wurde. Pflege und Unterhalt der gesamten Begrünung ist zentral organisiert, betonen MVRDV. Um den Gärtner*innen die Arbeit zu erleichtern, wurden in die tragenden Wände zwischen den privaten Terrassen Öffnungen geschnitten, deren Form am Idealbild einer Gärtnersilhouette orientiert ist. Stahltüren trennen benachbarte Einheiten voneinander ab.
70 Eigentumswohnungen entstanden in La Vallée Verte – vom kleinen Apartment für Erstkäufer*innen bis zu großen Familienwohnungen. Flächen für Gewerbe und Gastronomie bietet das Ensemble ebenso wie Räume für eine Kita, deren Freiraum auf den Fotos jedoch nicht ganz so einladend aussieht. (gh)
- Fertigstellung:
- 2024
- Architektur:
- MVRDV mit ADVENTO
- Team MVRDV:
- Winy Maas (Founding Partner in charge), Bertrand Schippan ( Partner), Antoine Muller, Nicolas Land, Charlotte Kientz, Kamile Malinauskaite, Marie Saladin, Nils Christa, Sylvain Totaro, Mickael Pors, Davide Salamino, Javier Cuenca Solana, Quentin Aubry, Karolina Szostkiewicz, Chiara Cappelluti, Erik Obando, Gabrielle Evain, Sabin Andrei Zapareniuc, Céline Haghbin
- Landschaftsarchitektur:
- A+R Paysage (Rémi Salles)
- Bauunternehmen:
- Ramery, Pyrenees Charpentes, Labastère, ATE Alu, Bers33
- Projektkoordination, Ingenieur, TGA, Kostenkalkulation:
- Ecotech
- Beratung Umwelt:
- Ader Eco
- Bauherrschaft:
- Pichet Promotion
- Fläche:
- 5.250 m²








