Dorftreff unter den Banyans
Umbau in Zhongxin von Atelier XÜK
In Zhongxin, einem kleinen Dorf im bergigen Hinterland der südchinesischen Stadt Huizhou, haben Atelier XÜK (Shanghai) einen ehemaligen Getreidespeicher und zwei Wohnhäuser in einen neuen Dorftreffpunkt umgebaut. Das Ensemble liegt am Banyan-Platz, benannt nach zwei jahrhundertealten Banyanbäumen. Dank ihrer charakteristischen Luftwurzeln, die mit der Zeit zu zusätzlichen Stämmen heranwachsen, bildet diese zur Gattung der Feigen gehörende Art weit ausladende Kronen und spendet großzügig Schatten. Seit Jahrhunderten dienen diese Bäume den Dorfgemeinschaften als natürlicher Versammlungsort.
In dem transformierten Ensemble kommen nach dem Umbau eine Buchhandlung mit Ausstellung zur lokalen Geschichte, ein Café sowie ein Laden mit Nahversorgung und Poststation unter. Auf dem Dach des ehemaligen Getreidespeichers entstand außerdem ein multifunktionaler Veranstaltungsbereich. Das Projekt ist Teil des Nankunshan–Luofushan Rim Pioneer Zone Architectural Art Project, eine Initiative zur Revitalisierung des ländlichen Raums in Guangdong. Ziel ist es, durch Architektur und Landschaftsgestaltung das kulturelle Erbe zu bewahren und gleichzeitig nachhaltigen Kulturtourismus zu fördern.
In Zhongxin fanden die Architekt*innen einen Bestand vor, der zum größten Teil aus den 1990er Jahren stammt – einfache Ziegel-Beton-Konstruktionen, die in den letzten Jahren einen einheitlichen Anstrich erhielten und mit Metall-Dachüberständen versehen wurden. Für den Umbau ließen sie Trennwände und Treppen entfernen, um flexibel nutzbare Räume zu schaffen. Die Südfassade des ehemaligen Getreidespeichers ist nun geöffnet, ein durchgehender Dachüberstand und niedrige, geschwungene Mäuerchen markieren den Übergang zwischen Innen- und Außenraum. Die allesamt in einem hellen Pastellgrün gehaltenen Gebäude orientieren sich zum Platz hin und rücken damit die markanten Banyanbäume in den Mittelpunkt.
Mit der Wahl der Materialien knüpfen die Architekt*innen an den Bestand an. Stahlrohre und Wellblech – typische Baustoffe des heutigen ländlichen Chinas – kombinierten sie mit wiederverwendeten Türschwellen, Säulenbasen und Natursteinen aus abgebrochenen Häusern. Um die historischen Banyanbäume zu schützen, wurden die geschwungenen Mauern im Wurzelbereich aus glasfaserverstärktem Kunststoff statt aus Beton ausgeführt und nur punktuell gegründet.
Das Ensemble kommt leicht und offen daher und erinnert damit stellenweise an aktuelle Projekte im europäischen Raum. Vielleicht kein Zufall: Die Gründer von Atelier XÜK, Zhang Xu und Liu Kenan, sammelten Berufserfahrung in der Schweiz – unter anderem bei Herzog & de Meuron sowie Buchner Bründler Architekten. (dsm)
- Fertigstellung:
- 2025
- Architektur:
- Atelier XÜK
- Projektleiter:
- LIU Kenan, ZHANG Xu
- Team:
- DENG Tian, GU Chao, LIU Xinyue, CUI Chenlong, ZHOU Yihang (Intern)
- Tragwerksplanung:
- Guangzhou Urban Renewal Planning & Design Institute
- Planung TGA:
- Guangzhou Urban Renewal Planning & Design Institute Co
- Bauherrschaft:
- Gemeinde Huizhou
- Fläche:
- 615 m² Bruttogrundfläche







