Dorftreffen im Stadel
Umbau und Erweiterung in Kruppach von kraus.krauss
Rund 2.500 Stunden Eigenleistung für einen Stadel: Die Einwohner*innen von Kruppach dürfen zurecht stolz sein auf ihren neuen Treffpunkt im Dorf, das als Gemeindeteil zu Mühlhausen in der Oberpfalz gehört. Ein altes Gebäude und eine kleine Erweiterung umfasste das Vorhaben, das von kraus.krauss Architekten (Neumarkt in der Oberpfalz) geplant und umgesetzt wurde.
Der Stadel steht an der Hauptstraße am nördlichen Dorfeingang. Das verputze Volumen in Mischbauweise aus Ziegel- und Feldsteinen und einer innenliegenden Holzkonstruktion war ziemlich verwittert, als es die Gemeinde Mühlhausen 2018 erwarb. Das Ziel, hier einen Gemeinschaftsort zu schaffen, war von Anfang an klar. Auch das Architekturbüro kam schon früh dazu. Die schlussendlich umgesetzte Lösung wurde dann jedoch erst über verschiedene Varianten hinweg diskutiert und schließlich 2020 beschlossen. Nach Fertigstellung 2024 wurde das Projekt mit einem Bayerischen Staatspreis ausgezeichnet. Die knapp 400 Quadratmeter Bruttogrundfläche wurden für lediglich rund 540.000 Euro (KG 200-700) umgesetzt. An der Planung beteiligt war das Büro Freiraumplanung Mrachacz aus Nürnberg.
Die ursprüngliche Nutzung des Stadels blieb dabei in gewisser Weise erhalten. Dieser soll nämlich primär als Lager dienen, während Küche und Aufenthaltsraum im neuen Teil unterkommen. Dieser zeigt sich mit reduzierter Kubatur, breiter Glasfront und vorvergrauter Holzfassade moderat modern. Umso mehr überrascht dann die bemerkenswert urige Anmutung im Inneren. Selbst die Sichtbetonwand, die zugleich der Hangabsicherung dient, tritt angesichts der rustikalen Details zurück. Hier steht auch der Kaminofen, der als sparsame, primäre Wärmequelle dient.
Im Stadel selbst sieht man viel Holz und die alten Feldsteinwände. Bei der Umsetzung des Projekts ließen die Planer*innen auch Baumaterial wiederverwerten, das beim Abbruch einiger Nebengebäude gewonnen werden konnte. Dank der historischen Luke zum Heuboden mit Blick bis unters Dach geht es hier räumlich deutlich großzügiger zu. Neben zwei Lagerräumen und einer kleinen Ausstellungsfläche wurde hier noch der Sanitärbereich realisiert.
Das markanteste Element des Stadels dürfte aber das stattliche Schiebetor sein, mit dem der große Raum zur Straße geöffnet werden kann. Beim nächsten Dorffest lässt sich das sicherlich als schönes Setting zwischen drinnen und draußen nutzen. (sb)
- Fertigstellung:
- 2024
- Entwurf, Bauleitung:
- krauss.krauss Architekten
- Tragwerksplanung:
- J.Braun - H.Haas + Partner Ingenieurbüro
- Bauherrschaft:
- Gemeinde Mühlhausen
- Fläche:
- 392 m² Bruttogrundfläche
- Baukosten:
- 537.080 € (KG 200–700)
- Auszeichnungen:
- Staatspreis Ländliche Entwicklung in Bayern 2025
im detail ist es dann aber doch etwas arg konventionell geraten. es ist doch sehr schade, dass sich die alte scheune von außen praktisch nicht von einem beliebigen wdvs-neubau unterscheidet. und auf die aufgeklebte gemütlichkeit von altholz-fake-balken kann ich gern verzichten - hier hat man sich auf ein sehr niedriges gastro-niveau begeben. dann schon lieber den neubau neu sein lassen und sich ein paar etwas pfiffigere details einfallen lassen, um sich vom einheitsbrei des realen bauens positiv abzuheben.