Wohnen statt Parken
Umbau in Paris von NZI Architectes
Weniger Autoverkehr, mehr Radfahren und Flanieren lautet eine Prämisse der ökologisch nachhaltigen Stadtentwicklung in Paris unter Bürgermeisterin Anne Hildago. Das verringert auch den Bedarf an Parkplätzen. Der Raum kann anders genutzt werden – zum Beispiel für Wohnungen.
So geschehen in einem stillgelegten Parkhaus im 17. Arrondissement. 2019 hatten NZI Architectes (Paris) einen Wettbewerb der städtischen Wohnungsbaugesellschaft Régie Immobilière de la Ville de Paris (RIVP) gewonnen, die in dem ebenfalls in städtischem Besitz befindlichen Gebäude Sozialwohnungen schaffen wollte. Das in den 1930er Jahren an der Rue Nollet errichtete Parkhaus bestand aus drei Betongeschossen und einer später aufgesetzten doppelgeschossigen Stahlkonstruktion. Der größte Teil des Baukörpers lag innerhalb des Blocks und war nur über eine schmale Zufahrt von der Straße aus zu erreichen.
NZI entfernten den mittleren Teil der Konstruktion, sodass zwei Bauvolumen und ein dazwischenliegender, 14 Meter breiter Hof entstanden. Dadurch reduzierten sie die Bruttogrundfläche von 4.125 auf rund 2.450 Quadratmeter. Auf den verbleibenden Flächen organisierten sie 83 kleine, zum neuen Hof ausgerichtete Wohneinheiten. Durch ihn erhalten auch die Bewohner*innen zweier Nachbarhäuser mehr Licht und Ausblick.
Die Tragstruktur wurde mit Holzrahmenwänden und einer Wärmedämmung aus Holzwolle ergänzt, die beiden Hoffassaden schließen mit eloxierten Aluminiumkassetten ab. Der straßenseitige Gebäudeteil wurde abgerissen und mit holzfasergedämmten CLT-Holzplatten neu errichtet. Er beherbergt in den Obergeschossen Wohnstudios, auf Straßenniveau zeigt der Grundriss ein Ladengschäft mit eigenem Eingang. Der hier bereits vorhandene Keller wurde renoviert und nimmt Technik- und Lagerräume auf.
Die beiden Häuser im Hof werden über einen schmalen Durchgang zur Straße erschlossen. Im Erdgeschoss entstanden neben Wohnungen, einige davon barrierefrei, auch Gemeinschafts- und Verwaltungsräume sowie ein Abstellraum für Fahrräder. Die Größen der teilmöblierten Wohneinheiten bewegen sich zwischen 18 Quadratmetern, 21 Quadratmetern und 33 Quadratmetern. Sie verfügen jeweils über eine kleine Durchgangsküche, Bad und Wohnraum mit großem Fenster. Am nördlichen und südlichen Ende der Bestandsbauten wurden die Öffnungen des ehemaligen Parkhauses belassen und transluzent verglast, sodass die dort gelegenen Räume zusätzliches Licht erhalten.
Betrieben wird die Residenz von Hénéo, einer Tochtergesellschaft der RIVP, die sozial geförderten temporären Wohnraum für Studierende, junge Berufseinsteiger*innen oder Menschen mit besonderem Wohnbedarf zur Verfügung stellt. Die Kosten des Umbaus lagen bei rund 9 Millionen Euro. (da)
- Fertigstellung:
- 2025
- Architektur:
- NZI Architectes
- Bauingenieur:
- I+A
- Gebäudetechnik:
- B52
- Bauherrschaft:
- RIVP / Hénéo
- Baukosten:
- 9.000.000 € Nettokosten
Auch bei einem Umbau vom Firmensitz zum Studierendenwohnheim im 15. Arrondissement entfernten NZI Architectes einen Teil des Bestands, um ihn so für mehr Licht und Luft zu öffnen.
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