Zwischen starken Nachbarn
Sozialer Wohnungsbau in Paris von MARS
Am Boulevard Poniatowski, südöstlich vom Pariser Zentrum gab es eine Baulücke zwischen zwei Altbauten aus dem frühen 19. Jahrhundert. Der Bezirk wählte dieses Grundstück im Rahmen eines städtischen Programms zur Nachverdichtung für den Bau von Sozialwohnungen aus. Der Entwurf für den Neubau stammt von MARS Architectes (Paris).
„Die benachbarten Gebäude haben starke Persönlichkeiten“, beschreiben MARS die Umgebung. Prägend für die beiden Bauten sei der Eklektizismus einer Epoche, die auf die strengen Haussmann‘schen Vorgaben folgte – einer Zeit, in der individuelle Interpretationen allmählich die Homogenität ablösten: Fassaden, bevölkert von Skulpturen und Ornamenten, überzogen mit Gesimsen, Konsolen, Pilastern, Erkern und Balkonen. „Man mag diese Gebäude als überladen oder allzu auffällig empfinden, doch bleibt man von der Qualität des bautechnischen Wissens und der Materialien jener Zeit beeindruckt.“
Der rund 730 Quadratmeter Bruttogrundfläche umfassende Neubau greift die Grundstrukturen der Nachbarn auf: Vor allem in der Gesamthöhe und der zurückhaltenden Farbgebung, aber auch in der Dreiteilung der Fassade in Sockel, Schaft und Dachgeschoss sowie im Rhythmus der Fenster, bei denen auf zwei schmale stets ein breiteres folgt. So unterscheiden sich die Gebäude zwar in ihren architektonischen Einzelheiten, bilden aber gleichzeitig eine klare, zusammenhängende Fassade für den öffentlichen Raum der Stadt.
In die Betonfassade des Neubaus wurden filigrane Zeichnungen eingearbeitet. „Auf diese Weise knüpft das Gebäude subtile, manchmal geheimnisvolle Verbindungen zu seinen Nachbarn“, so MARS, „vermeidet aber die Fallstricke von ‘Pastiche’ und ‘Fassadismus’.“ Als Berliner fühlt man sich unwillkürlich an Tchobans Museum für Architekturzeichnungen im Prenzlauer Berg erinnert – auch wenn es dort nicht um die Nachbarn, sondern um die Museumsinhalte ging.
In Paris konnten MARS nicht das ganze Grundstück bebauen, sondern mussten Mindestabstände zu drei vorhandenen Fenstern am Hof einhalten. Die vorgeschriebenen Abstandsflächen vergrößerten und verbanden die Architekt*innen gezielt, und ließen zum östlichen Nachbarn noch eine zusätzliche Lücke. In dieser Fuge liegt der Eingang zum Neubau hinter einem Metalltor. Die zusätzlichen Abstände sorgen dafür, dass fast jede Wohnung im Neubau Licht von zwei Seiten erhält. Über dem Sockel kragt die Fassade zur Straße hin mit einem leichten Schwung nach außen – was durch eine Verspiegelung auf der Unterseite dieser Kante noch elegant betont wird.
Insgesamt ging es MARS nach eigenen Aussagen um eine „mehrdeutige Architektur“, die „mehrere Lesarten“ anbietet. Denn: „Nichts ist frustrierender, als alles auf den ersten Blick verstanden zu haben ...“. (fh)
Fotos: Charly Broyez
- Fertigstellung:
- 2022
- Architektur:
- MARS Architectes
- Tragwerk:
- LGX
- Bauherrschaft:
- RIVP
- Fläche:
- 733 m² Bruttogrundfläche





Jeder Vergleich ist aus irgendeinem Blickwinkel ein Vergleich von Äpfeln mit Birnen. Also ja, genau solche Vergleiche sind wichtig. Das nennt man auch, über den eigenen Tellerrand zu blicken. Genau daran mangelt es doch viel zu häufig. Wenn Ihnen Paris und Kalifornien zu weit weg sind, dann vergleichen Sie halt mit der Berliner Vergangenheit. Auch dort gab es bereits weit besseren sozialen Wohnungbau als den zeitgenössischen.
das quaken immer alle wenn man bisschen das WDVS-bashing machen will oder sozialbauten kleinmachen oder ähnliches in deutschland. woanders ist viel möglich aber ob es gut ist ist eine andere frage. wenn man auf den sozialen wohnungsbau in F schaut ist das finanziell ein komplett anderes gefäss (siehe zB die finanzierung der alten bofill-bauten). ob man da das geld an weniger stellen und dafür "schön" raushaut statt MEHR wohnungen zu bauen für das gleiche budget ist eine andere bewertung und nicht minder nachdenkenswert. in kalifornien kann ich dünne stahlträger durchs glass schiessen lassen. sexy und hübsch. aber sinnvoll und gut? als nicht immer äpfeln mit birnen vergleichen bitte