Panorama am Montmartre
Sozialer Wohnungsbau von Kempe Thill
Der soziale Wohnungsbau in Paris geht weiter – dieses Mal mit Atelier Kempe Thill. Bereits 2012 hatten sie gemeinsam mit den lokalen Architekten FRES architectes den Wettbewerb der Baufirma Paris Habitat gewonnen. Mit ihrem Projekt in Montmartre wollen die Architekten dem sozialen Wohnungsbau ein nobleres Image verpassen. Sie entwarfen zwei „Stadtvillen“, die sich auf dem Grundstück gegenüber stehen und so einen Innenhof bilden.
Als „zeitgenössische Interpretation der Balkone Haussmann’scher Wohngebäude“ bezeichnen die Architekten ihren umlaufenden Wintergarten. Durch diese klimatische Pufferzone erhalten alle Räume zusätzliche Fläche, die auch als Außenraum nutzbar sind. So soll ein „Prototyp für das 21. Jahrhundert“ entstehen, der trotz geringer Baukosten mehr als das „Existenzminimum“ bietet. Diese Zielstellung wurde solide umgesetzt: Die Einheiten sind jeweils an den Gebäudeecken angeordnet, um eine „Mono-Ausrichtung“ zu vermeiden. Die Schlafzimmer schauen nach Möglichkeit auf den Hof und die Wohnräume in den öffentlichen Raum. In der Küche an der Gebäudeecke ergibt sich ein „Panoramablick“, konzeptionell soll so über die „Reminiszenz an die französische Leidenschaft für das Kochen“ – leider etwas stereotyp – der lokale Bezug hergestellt werden.
Als Teil der Pariser Bestrebungen, die Gegenden entlang des Boulevard Périphérique attraktiver zu machen, soll das zeitgenössische Projekt von Kempe Thill die negativ stigmatisierten Apartment-Blocks aus den Sechzigerjahren ablösen. Das erreichte architektonische Niveau lenkt dabei von Parallelen in der Herangehensweise der Architekten ab: Prototypen, die durch industrielle Fertigungsmethoden günstig gebaut werden können, hat es auch damals schon gegeben. Akteure wie Rudolf Hillebrecht gaben offen zu, mit der Gestaltung ihrer Architektur die Menschen „erziehen“ zu wollen. Man kann sich durchaus fragen, ob nicht in der Transparenz und Offenheit der „zeitgenössischen“ Architektur eine ebenfalls nicht ganz unideologische Botschaft versteckt ist.
Bestehen bleibt auch die Frage, inwieweit sich politisch-strukturelle Probleme einer Gesellschaft mit formalen architektonischen Mitteln lösen lassen. Gelungene Stadtteilaufwertungen im Bestand beweisen, dass neue Architektur allein nicht unbedingt für bessere Bedingungen sorgt. Die Bedürfnisse der Nutzer, beispielsweise nach mehr Identifikation mit ihrem Wohnort, müssen ernst genommen werden. Trotzdem: Im Hinblick auf die aktuelle Wohnungsnot in deutschen Städten taugen die Pariser Bemühungen um bezahlbaren Wohnraum und auch deren architektonische Qualität als Vorbild. (dd)
Fotos: Ulrich Schwarz, Berlin
"montant des travaux et surface : 7,3 M € HT - 4320 m² SPLA"; macht grob 1.690,-/m2. Ist das jetzt "sozialer Wohnungsbau"?
@mensch ich verstehe manchmal wirklich die negative Kritik nicht! Gerade hier auf Baunetz, wird das meckern hoch gehängt! Ich sehe da keine "verwinkelte" Räume. Die Wohnung sind sehr gut verschachtelt aber doch nicht verwinkelt. Ich hab auch kein Zimmer (bis auf den Flur) gesehen das 4 andere Räume erschließt. Es gibt "ein" Gäste WC in nur einer Wohnung! Ich frag mich einfach vorher diese häufige negative Kritik kommt (ist nicht nur an Sie gerichtet)Wenn man sich mal übere alle Meldung hinweg die Kommentare durchließt, ist es einfach immer kleinkariertes rumhacken. Ich bin mir bewusst das die negativen Aspekte angesprochen werden müssen aber man kann doch auch die Positiven Aspekte anmerken und auch würdigen! Wie auch immer, ich würde gerne wissen ob es wirklich ein low-budget Projekt ist oder einfach nur unter einem falschen Namen verkauft wird. An der Architektur habe ich nicht viel zu meckern! Kompliment an die Kollegen!
@Georg Christoph MAcholz: Die Kompaktheit der Grundrisse ist hier wohl der Bauaufgabe geschuldet, bemerkenswert fand ich jedoch, dass es den Planer gelungen ist, auf recht kleinem Raum sogar 4Zi. Whg. anzubieten, das ist vor allem für eine Standardfamilie mit 2 Kindern äußerst notwendig, daher kann ich die harsche Kritik hier nicht verstehen. Sollten die Kosten passen, ist es doch ein recht gelungenes Projekt, von mir eher Kompliment. Gruß
Die Grundrisse sind wirklich schrecklich. Riesige Zimmer, die kaum genutzt werden können, da von ihnen aus 4 weitere Zimmer erschlossen werden. Sehr verwinkelt,... Keine schönen Wohnungsgrundrisse...