Zirkulär in Zürich
Aufstockung von baubüro in situ
In der Zürcher Binz, einem ehemaligen Gewerbegebiet im Wandel, haben baubüro in situ (Zürich/Basel) den Werkhof 29 an der Grubenstrasse ertüchtigt und um ein Geschoss mit innenliegender Galerie erweitert. Für das konsequent auf kreislaufgerechtes Bauen ausgerichtete Projekt arbeiteten die Architekt*innen mit dem hierauf spezialisierten Büro Zirkular (Zürich/Basel) zusammen.
Der Bestandsbau aus den 1930er-Jahren diente zuletzt als Kleingewerbe- und Lagerhaus. Möglich wurde die Aufstockung durch eine gezielte Verstärkung des bestehenden Stützenrasters: Ein zusätzlicher Knotenpunkt erlaubt es, das Tragwerk mit minimalem Eingriff weiterzuführen und die Außenwände zu entlasten.
Wie im Bestand dienen auch die neuen Flächen gewerblichen Nutzungen. Ergänzend zu Ateliers und Werkstätten im Sockel entstanden acht Büro- und Gewerbeeinheiten mit Galerieebenen. Jede Einheit verfügt über Küche und Sanitärbereiche. Offene, nutzungsneutrale Grundrisse und ein robuster, roh belassener Ausbau ermöglichen flexible Belegungen und unterschiedliche Konstellationen. Erschlossen werden die Einheiten über einen Laubengang entlang der Ostfassade mit außenliegendem Treppenturm und Aufzug. Auf dem benachbarten Werkhallendach entstand außerdem eine gemeinschaftlich nutzbare Dachterrasse.
Die Aufstockung ist als Holzfachwerk mit leichter, selbsttragender Rahmenkonstruktion ausgeführt. Ein Sheddach mit weit auskragenden Aluminiumblechen belichtet die überhohen Räume. Entsprechend dem Grundsatz der Architekt*innen – „Belassen, was bleiben kann, reparieren, was repariert werden kann, und nur neu bauen, was fehlt“ – beschränken sich die Eingriffe in den Bestand auf das Notwendige. Statisch wurden Holzstützen ergänzt, zur Verbesserung des Raumklimas erhielt das Erdgeschoss ein rückbaubares Deckensystem, das Heiz- und Kühlfunktionen übernimmt. Im ersten Obergeschoss wurden die Wände innengedämmt und die Industriefenster mit zusätzlichen Flügeln ausgestattet.
Zum Einsatz kamen überwiegend kreislaufgerechte und wiederverwendete Materialien. Die Holzkonstruktion der Aufstockung ist mit Strohballen ausgefacht und mit Lehm aus der Region verputzt. Zahlreiche Bauelemente stammen aus Rückbauprojekten, darunter die blauen Stahlbleche der Fassade, Dachbleche, Treppen, Fenster, Türen, Küchen und Radiatoren. Ein Großteil der verwendeten Elemente bleibt damit erneut rückbaubar.
Text: Ella Einicke
- Fertigstellung:
- 2025
- Architektur:
- baubüro in situ
- Team baubüro in situ:
- This Alder, Marc Angst, Klara Jörg, Jessie Wilcox, Giacomo Zanchetta, Oliver Zbinden
- Fachplanung für das Bauen im Kreislauf:
- Zirkular
- Team Zirkular:
- Marc Angst, Leonard Schönfelder, Bauteiljagd
- Stahlbau:
- Baltensberger AG
- Holzbau inkl. Strohfassade:
- Schönauer AG
- Lehmbau:
- Genossenschaft Werkzeug in Zusammenarbeit mit: Holz- und Lehmbau Roland Kindlimann, Wald und Levante Lehmbau
- Schreinerarbeiten:
- Nektar design ag
- Tragwerksplanung Holzbau:
- B3 Kolb AG
- Tragwerksplanung:
- Jäger + Partner AG
- Bauherrschaft:
- Modissa Immobilien AG
- Fläche:
- 2.800 m² Gesamtfläche
Mehr zur Konstruktion und Dämmung der Aufstockung in der Grubenstrasse bei BauNetz Wissen





