Besser landen im UFO
Umbau eines Unigebäudes in Leiden von Civic Architects
Im niederländischen Leiden haben Civic Architects (Amsterdam) kürzlich ein Universitätsgebäude aus den frühen 1970er Jahren saniert und umgebaut. Mit vier großzügigen Auditorien ist die modernistische Gorlaeus Lecture Hall ein unverzichtbares Gebäude am Campus – entsprechend erfolgte der Umbau im laufenden Hochschulbetrieb. Die segmentierte Struktur des kreisrunden Baukörpers erwies sich dabei als vorteilhaft.
Die Universität Leiden gilt als älteste noch bestehende Hochschule der Niederlande. Historische Backsteinbauten im Zentrum erinnern an den 1575 gegründeten Standort, doch erstreckt sich die Hochschule inzwischen über das gesamte Stadtgebiet. Den sogenannten Bio Science Park hatte man in den Nachkriegsjahren nordwestlich des Zentrums am Reißbrett entworfen. Die Gorlaeus Lecture Hall gehört zu den ersten Gebäuden. Den Entwurf dazu lieferte das niederländische Büro Drexhage, Sterkenburg, Bodon & Venstra. Im Rahmen einer umfangreichen Campussanierung beauftragte die Gemeinde Civic Architects 2020 mit der energetischen Ertüchtigung sowie der allgemeinen Verbesserung der Erschließung. Die Architekt*innen hatten sich zuvor in einem Wettbewerb durchgesetzt.
Am eher abgeschiedenen und bisweilen nüchternen Standort bildet der Rundbau seit Fertigstellung einen Identifikationspunkt für die Studierenden. Im Volksmund wird er „schotel“ genannt, was sich mit „Untertasse“ übersetzen lässt. Tatsächlich erinnert der flache, vom Boden angehobene Bau mit einem Durchmesser von 70 Metern an das klischeehafte Bild eines UFOs. Im Innenraum kommen vier Hörsäle mit bis zu 750 Sitzplätzen unter, die sich jeweils zur Mitte absenken. Ein umlaufender Ring dient der internen Erschließung.
Civic Architects rekonfigurierten den Grundriss, indem sie den vormals leicht zu übersehenden Aufgang nach Südosten und damit in Richtung Campuseingang verlegten. Eine deutlich breitere Freitreppe empfängt nun die Studierenden und will mit integrierten Sitzstufen die Aufenthaltsqualität rund um den Eingang steigern. In der ehemaligen Lobby richteten die Architekt*innen ein neues Café ein. Die umlaufenden Wartungsgänge vor der Fassade wurden darüber hinaus verbreitert und um eine zweite Glasebene ergänzt. Die dabei entstandene Pufferschicht dient dem Aufenthalt, soll aber in erster Linie den Sonneneintrag regulieren.
Formal verfremden beide Eingriffe den Bestand. Doch betonen die Architekt*innen, dass diesem mit dem nun nach unten geneigten Fassadenwinkel ein Stück seines defensiven Charakters genommen werde. Im Innenraum ließen sie Oberflächen erneuern und Sitzmöbel aus Holz hinzufügen. Der Umbau musste akribisch an den Hochschulbetrieb angepasst werden. Möglich wurde dies durch die Vorfertigung gleichartiger Segmente, die man sukzessive in die radiale Fachwerkstruktur des Bestands einließ. Gebaut wurde im Semestertakt, sodass während jeder Phase maximal ein Hörsaal außer Betrieb war. (tg)
- Fertigstellung:
- 2025
- Architektur:
- Civic Architects
- Projektteam:
- Jan Lebbink, Rick ten Doeschate, Ingrid van der Heijden, Gert Kwekkeboom, Robert Comas Miralpeix, Chiara Ciccarelli, Ioulia Voulgari, Rick Hospes, Maeve Corke Butters, Stevan Voets, Laura Berasaluce Achaerandio
- Fertigstellung Bestand:
- 1971
- Architektur Bestand:
- Drexhage, Sterkenburg, Bodon & Venstra (DSBV)
- Fläche:
- 7.500 m² Bruttogrundfläche
Im niederländischen Twente planten Civic Architects neben dem Umbau der geowissenschaftlichen Fakultät auch die Ergänzung eines Labor- und Forschungsgebäudes für die Ingenieurwissenschaften.




