Linear Wohnen
Simon Kochhan und Florian Baller in Heidelberg
Es ist ein eher ungewöhnliches Erscheinungsbild für ein Einfamilienhaus: Mit seinem leichten Pavilloncharakter sticht das Projekt Haus HSBW aus der Wohnbebauung der Heidelberger Weststadt deutlich hervor. Entworfen und umgesetzt wurde es von den beiden jungen Architekten Simon Kochhan, der in Heidelberg seit 2020 sein gleichnamiges Büro betreibt, und Florian Baller, derzeit Masterstudent an der Oslo School of Architecture and Design. Für eine private Bauherrschaft platzierten sie einen kleinen Riegel mit gekurvter Front auf dem 252 Quadratmeter großen, keilförmigen Grundstück, das direkt an eine Bahntrasse grenzt.
Der Baukörper bietet 100 Quadratmeter Wohnfläche auf zwei Etagen und tritt nach außen in klarer Zweiteilung auf: Im Erdgeschoss wurde er mit einer vertikalen Holzstülpschalung verkleidet, das Obergeschoss versteckt sich unter einem auskragenden Dach mit silberner Stehfalzdeckung. Zur Straße hin schließt der Bau mit einer sanften Rundung ab, hinter der großen Fensterfront liegt ein Wohnbereich mit doppelter Höhe. Auf der anderen Querseite hingegen zeigt er sich als klassisches Wohnhaus mit verputzter Fassade und minimalistisch gestaltetem Eingang.
Die äußere Differenzierung in offenere und privatere Bereiche entspricht dem Innenleben des Hauses: Im leicht abgesenkten Erdgeschoss liegen Küche und Wohnräume, oben kommen ein Schlaf- und ein Arbeitszimmer sowie ein Bad unter. Sie befinden sich im hinteren Teil des Volumens, vom Schlafzimmer aus kann das Geschehen im Wohnzimmer über ein großes Bullaugenfenster verfolgt werden. An die symmetrisch gesetzte Eingangssituation schließt eine sich asymmetrisch entwickelnde Raumabfolge an. Horizontale Fensterbänder lassen von drei Seiten viel Tageslicht einfallen, die mittig im Baukörper platzierte Spindeltreppe wird von oben durch ein Dachfenster belichtet.
Errichtet wurde das Haus in Holzständerbauweise mit Recyclingdämmung und Holzfaserplatten. Die Räume im Erdgeschoss sind durch einen sichtbaren Betonsockel und eine Holzbalkendecke geprägt. Geschliffener Estrich und Stahlelemente in mattem Blau ergänzen die Materialpalette. Darüber hinaus verfügt das Haus über eine Photovoltaikanlage, eine Luft-Wärmepumpe und einen Regenwasserspeicher. (da)
- Fertigstellung:
- 2025
- Architektur:
- Simon Kochhan und Florian Baller
- Statik:
- Tragwerk HD Ingenieure
- Holzkonstruktion:
- Sohl & Kamm Holzbau
- Bauherrschaft:
- Privat
- Fläche:
- 100 m² Wohnfläche
Formal erinnert der pavillonartige Bau an ein Wohnhaus in Venray von AMUNT Martenson und Luc Merx.




