Obdach im Holzhochhaus
Holst Architecture in Portland
Es gibt sie noch, die guten Nachrichten aus den USA. Ende 2025 ist in Portland das Julia West House fertig gestellt worden. Im Auftrag des Projektentwicklers Community Development Partners realisierten Holst Architecture (Portland/Minneapolis) ein zwölfgeschossiges Holzhochhaus, das Wohnraum für obdachlose ältere Menschen aus der BIPoC-Gemeinschaft (Black, Indigenous and People of Color) bietet. Es ist das höchste Massivholzgebäude im US-Bundesstaat Oregon und setzt auch in programmatischer Hinsicht Maßstäbe.
Seine Existenz geht auf eine Initiative der First Presbyterian Church of Portland (FPC) zurück. Die Kirche hatte das Grundstück 2024 an Community Development Partners (CDP) verkauft, damit diese bezahlbaren Wohnraum schaffen kann. Das Julia West House ist nach der Frau des ersten Pastors der Kirche benannt. Laut Statistik ist fast ein Viertel der Obdachlosen in Portland 55 Jahre oder älter, wobei BIPoC-Personen überproportional vertreten sind. Ihnen bietet der Neubau nicht nur Wohnraum, sondern auch eine auf ihre Bedürfnisse zugeschnittene soziale Unterstützung, die von verschiedenen lokalen Organisationen getragen wird.
Auf rund 5.200 Quadratmetern Nutzfläche sind 90 möblierte Wohnungen entstanden – 60 Studios und 30 Einzimmerwohnungen. Außerdem gibt es einen Gemeinschaftsraum und eine Gemeinschaftsküche, eine Dachterrasse, Waschmöglichkeiten und einen Fahrradabstellplatz. Büros für Hausverwaltung, Bewohnerbetreuung und das sogenannte Fallmanagement befinden sich ebenfalls im Haus.
„Es war das erste Mal, dass wir Brettsperrholz in einem mehrstöckigen Gebäude verwendet haben, und es war das höchste Gebäude, das CDP jemals entwickelt hat“, sagt Eric Paine, CEO des Entwicklers Community Development Partners, der sich auf sozial nachhaltige Projekte spezialisiert hat.
Mit natürlichen Materialien und viel Tageslicht wollen die Architekt*innen den zum Teil traumatisierten Bewohner*innen ein möglichst angenehmes Wohngefühl ermöglichen. So ist auch die Konstruktion aus Brettschichtholz im Innenbereich sichtbar belassen. Das vertikale, orange akzentuierte Band in der Fassade soll die Gemeinschaftsräume hervorheben und einen Bezug zur einstigen Verbindung der Siedlergemeinschaften über die alten Wasserwege des Columbia River herstellen.
Das Projekt wurde aus öffentlichen und privaten Quellen finanziert, darunter der Low-Income Housing Tax Credit (LIHTC), Innovations-Fördermittel für Holzbau, ein Zuschuss des Portland Clean Energy Community Benefits Fund (PCEF), Mietbeihilfen der Oregon Housing and Community Services (OHCS) sowie Fördermittel für Dienstleistungen der OHCS und des Homeless Services Department (HSD). Laut Angaben der Stadt Portland liegen die Gesamtkosten bei umgerechnet rund 50,8 Millionen Euro. (fm)
- Fertigstellung:
- Oktober 2025
- Architektur:
- Holst Architecture
- Freiraumplanung:
- Understory Landscape Architecture
- Statik:
- KPFF
- Bauherrschaft:
- Community Development Partners
- Grundstücksgröße:
- 465 Quadratmeter
- Fläche:
- 5.202 m² Nutzfläche
Mehr zu bezahlbarem Wohnraum und gemeinschaftsorientierten Projekten in Portland in BauNetz WOCHE#606 „Public Interest Design in Portland“.






