Sozial Wohnen auf dem Mauerstreifen
Studio Mars und Linie Creutzfeldt Architekten in Berlin
Auf dem ehemaligen Mauerstreifen an der Bernauer Straße in Berlin wird weiter Wohnungsbau realisiert. Während der unbebaute westliche Streifen zwischen Nordbahnhof und U-Bahnhof Bernauer Straße bereits seit Jahrzehnten als wichtige Gedenkstätte fungiert, entsteht im Bereich östlich des U-Bahnhofs und bis zum Mauerpark sukzessive Geschosswohnungsbau. In diesem Zusammenhang konnten die beiden Berliner Büros Studio Mars und Linie Creutzfeldt Architekten für die landeseigene Wohnungsbaugesellschaft WBM im letzten Jahr zwei Gebäude mit insgesamt 86 Wohneinheiten fertigstellen.
Grundlage der Planungen waren ein B-Plan und eine Gestaltungssatzung, die die Kubatur der beiden Häuser, Gewerbe im Erdgeschoss, ziegelsichtige Fassaden, Metallfenster und die Farbigkeit der Hülle in Beige und Ocker festlegten. Um im Rahmen des kostensensiblen sozialen Wohnungsbaus trotzdem etwas Farbe ins Spiel zu bringen, setzten die Architekt*innen auf farbige Keramik an den Fenstern. Das größere Haus mit der Adresse Bernauer Straße 26 zeigt sich nun in Beige und Mintgrün, das kleinere mit der Hausnummer 34 in Ocker und Rot.
Ein weiterer wichtiger Aspekt ist eine gewisse visuelle Durchlässigkeit im Erdgeschoss des größeren Gebäudes. Auch diese war gefordert und wurde von den Architekt*innen realisiert, indem an die beiden sogenannten Nordhöfe ein durchgesteckter Raum für Fahrräder und Kinderwagen gesetzt wurde. So kann man von der Straße durch den Neubau hindurchblicken. Hinter diesem verlief einst der sogenannte Postenweg, auf dem die Grenzer Patrouille fuhren. Heute ist er öffentlich zugänglich. Auch der eigentliche Mauerverlauf sowie Fluchttunnelanlagen, die hier einst gegraben worden waren und im Zuge der Bebauung archäologisch untersucht und dokumentiert wurden, sind in den Außenanlagen ablesbar.
Die beiden Bauten bieten einen Mix aus 1- bis 4-Zimmer-Wohnungen. Erschlossen wird durch ein Sicherheitstreppenhaus. Auf den niedrigeren, 5-geschossigen Bauteilen gibt es gemeinschaftlich nutzbare Dachterrassen, auf den ein Stockwerk höheren Gebäudeteilen PV-Anlagen und Retentionsdächer, wodurch auf Anlagen für das Regenwassermanagement in den schmalen Freianlagen südlich der Bauten verzichtet werden konnte. Diese dienen mit ihren Bänken und Spielgeräten nun allein der Erholung der Bewohner*innen. Verantwortlich für die Außenraumgestaltung waren Coqui Malachowska Coqui Städtebau Landschaftsarchitektur (Berlin).
Die beiden Bauten gehen auf ein VgV-Verfahren mit integriertem Architekturwettbewerb in den Jahren 2021/22 zurück. Das Haus Bernauer Straße 26 verfügt über 3.606 Quadratmeter Wohnfläche bei einer Bruttogrundfläche von 5.473 Quadratmeter. Das Haus mit der Nummer 34 bietet 1.516 Quadratmeter Wohnfläche bei einer Bruttogrundfläche von 2.185 Quadratmeter. (gh)
- Fertigstellung:
- 2025
- Architektur (LP 1–5):
- Studio Mars und Linie Creutzfeldt Architekten
- Ausführung:
- Otto Wulff Bauunternehmung
- Landschaftsarchitektur:
- Coqui Malachowska Coqui Städtebau Landschaftsarchitektur
- Tragwerksplanung:
- ITP
- Haustechnik:
- TGA Dernbach
- Brandschutz:
- IBR Brandschutz Ingenieurbüro Nico Richter
- Bauherrschaft:
- WBM Wohnungsbaugesellschaft Berlin-Mitte
- Fläche:
- 7.658 m² Bruttogrundfläche (beide Häuser)



